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Polens Premier will Pädophile kastrieren lassen

Der Inzestskandal «Alicja» erschüttert Polen: Nun fordert Premier Donald Tusk, Pädophile zu kastrieren. Das widerspreche den Menschenrechten nicht, da Pädophile nur «Kreaturen» seien.

«Ich glaube nicht, dass man solche Kreaturen Menschen nennen kann»: Premier Donald Tusk.
«Ich glaube nicht, dass man solche Kreaturen Menschen nennen kann»: Premier Donald Tusk.
Keystone

Aus dem Gesicht des polnischen Premier Donald Tusk sprach das blanke Entsetzen: Der Fall des polnischen «Fritzl», des 45-jährigen Krzysztof B., der seine Tochter während sechs Jahren eingesperrt, vergewaltigt und zwei Kinder mit ihr gezeugt haben soll, hat den liberalen Regierungschef arg mitgenommen. Jetzt will er mit harten Massnahmen gegen Pädophile vorgehen: «Ich will, dass die chemische Kastration in Polen als Strafe eingeführt wird», sagte er an einer Pressekonferenz. Der Aufschrei von Menschenrechtsorganisationen ist ihm dabei egal. «Ich glaube nicht, dass man solche Individuen – solche Kreaturen – Menschen nennen kann. Darum kann man in diesem Fall auch nicht mit Menschenrechten argumentieren».

Der nationalkonservative Präsident Lech Kaczynski – ein gesellschaftspolitischer Hardliner – scheint dem Vorstoss Tusks nicht abgeneigt. «Der Präsident ist ein Befürworter von harten Strafen», sagte sein Sprecher am Privatsender TVN24 – ohne sich jedoch mit ihm in dieser Sache besprochen zu haben. Die Meinung des Sprechers ist jedoch klar: «Diese Pädophilen muss man aus dem gesellschaftlichen Leben eliminieren».

Die von Tusk geforderte Zwangs-Kastration wäre ein Novum: Laut der polnischen Tageszeitung «Gazeta Wyborcza» wendet kein Land der Welt diese Strafe an. In Frankreich, Italien und Schweden werden Sexualstraftäter zwar chemisch unterbunden, jedoch nur mit ihrer Einwilligung. In der Schweiz gilt seit Mitte 2005 ein neues Sterilisationsgesetz: Demnach dürfen «dauernd urteilsunfähige Personen» in Ausnahmesituationen auch gegen ihren Willen sterilisiert werden.

Einigkeit von links bis rechts

Das polnische Kastrations-Gesetz hat gute Chancen, angenommen zu werden. Nicht nur sind die Erzfeinde Tusk und Kaczynski für einmal gleicher Meinung, auch quer durch die politischen Parteien herrscht Einigkeit: Von links bis rechts werden härtere Strafen für Pädophile begrüsst. Das ist nicht verwunderlich: In der polnischen Gesellschaft dominiert auch heute noch eine stark konservativer Grundtenor. Die Forderung, Pädophile gegen ihren Willen zu kastrieren, wurde bereits 2005 in polnischen Parlament diskutiert. Damals hatte das Gesetz aber keine Chance – in Polen ist es bis heute verboten, jemanden ohne Einwilligung medizinisch zu behandeln.

Politisch kommt der Inzestskandal der Regierung Tusk gerade rechtzeitig, denn die Bevölkerung ist unzufrieden: Nur 38 Prozent der Polen finden, dass die Regierung nach 300 Tagen im Amt gute Arbeit leistet, wie eine Umfrage der Zeitung «Rzeczpospolita» zeigt. Nun kann sich Tusk als sicherheitspolitischer Hardliner profilieren.

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