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PKK ruft Kurden zum Aufstand auf

Nach dem missglückten Luftangriff der türkischen Armee auf kurdische Schmuggler fällt die Reaktion heftig aus. Die PKK will das Volk zum Aufstand mobilisieren.

Tausende Menschen nehmen Anteil am Tod von 35 kurdischen Schmugglern: Trauerzug mit den Särgen der getöteten in Uludere, im Südosten der Türkei. (30. Dezember 2011)
Tausende Menschen nehmen Anteil am Tod von 35 kurdischen Schmugglern: Trauerzug mit den Särgen der getöteten in Uludere, im Südosten der Türkei. (30. Dezember 2011)
Keystone
Die Prozession im Dorf Gulyazi an der Grenze zum Irak. (30. Dezember 2011)
Die Prozession im Dorf Gulyazi an der Grenze zum Irak. (30. Dezember 2011)
Keystone
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Angriff bedauert und den angehörigen der Opfer sein Beileid ausgesprochen. (Archivaufnahme vom 22. Dezember 2011)
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Angriff bedauert und den angehörigen der Opfer sein Beileid ausgesprochen. (Archivaufnahme vom 22. Dezember 2011)
AFP
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Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Tod von 35 Zivilisten im kurdisch dominierten Gebiet an der Grenze zum Irak durch einen Luftangriff bedauert. Er sprach den Angehörigen der Opfer heute sein Beileid aus. Erdogan verbat sich Vorwürfe der Tageszeitung «Taraf», die getitelt hatte, die Türkei werfe Bomben auf das eigene Volk.

«Kein Staat wird absichtlich das eigene Volk bombardieren», sagte Erdogan. «Vielleicht ist das früher passiert, aber nicht während unserer Regierungszeit.» Üblicherweise seien Schmuggler in kleineren Gruppen unterwegs, sagte der Ministerpräsident weiter und kündigte eine Untersuchung des Vorfalls unter Berücksichtigung von vier Stunden Videomaterial an.

Gül: «Unbeabsichtigt, unglücklich und traurig»

Auch Präsident Abdullah Gül äusserte sein Bedauern. Der Vorfall sei «bedauerlich und betrüblich», sagte er heute in seiner ersten öffentlichen Reaktion auf den Vorfall vom Mittwochabend. Gül sprach von einem «unbeabsichtigten, unglücklichen und traurigen» Vorfall. Mittels Drohnen übertragene Bilder hätten eine Gruppe von rund 40 Menschen gezeigt. «Es war unmöglich, zu sagen, wer sie sind.» Erst später habe sich herausgestellt, dass es sich um Schmuggler gehandelt habe, die auf Maultieren Zigaretten und Benzin transportiert hätten.

Das türkische Militär hatte zunächst von einem Einsatz gegen PKK-Rebellen gesprochen, die Regierungspartei AKP aber dann von einem möglichen Versehen. Heute dann sprach die Armee den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus, was als ungewöhnlicher Schritt und Einräumen eines Versehens gilt.

PKK kritisiert «Massaker»

Die kurdische Arbeiterpartei (PKK) rief das kurdische Volk heute zu einem «Aufstand» auf. «Wir rufen das Volk von Kurdistan auf, auf dieses Massaker zu reagieren», erklärte der Kommandant Bahoz Erdal vom bewaffneten Arm der PKK. Die Kurden müssten mittels «Aufständen» reagieren, erklärte Erdal. Die PKK benutzt diesen Begriff sowohl für Aktionen zivilen Ungehorsams als auch für gewaltsame Proteste und Angriffe auf Sicherheitskräfte.

Erdal warf dem türkischen Militär vor, absichtlich Zivilisten in dem Gebiet angegriffen und ein «organisiertes und geplantes Massaker» verübt zu haben. Dass in dem Grenzgebiet Menschen vom Schmuggel etwa mit Zigaretten und Treibstoff lebten, sei bekannt und es sei daher «unmöglich», dass die Zivilisten nicht als solche erkannt worden seien.

Bei dem Angriff am Mittwochabend waren im Grenzgebiet 35 Menschen getötet worden. Örtlichen Angaben zufolge handelte es sich vor allem um junge Menschen, die vom Grenzhandel lebten. Die Gruppe war offenbar mit Rebellen verwechselt worden, die dieselben Wege nutzen, um etwa Waffen in die Türkei zu schmuggeln.

Beisetzung der Opfer

Die ursprünglich aus der türkischen Grenzprovinz Sirnak stammenden Zivilisten wurden am Freitag beigesetzt. «Die PKK ist das Volk» und «Märtyrer sterben nicht» riefen weinende Angehörige bei der Trauerfeier. Die Opfer wurden in einem Massengrab auf dem Friedhof in Gülyazi in der südöstlichen Provinz beigesetzt. Ihre Särge waren mit kurdischen Fahnen geschmückt, auch Bilder des inhaftierten PKK-Chefs Abdullah Öcalan waren zu sehen. Aus Gülyazi stammten viele der Opfer.

In der nahegelegenen Stadt Uludere wurde ein Gottesdienst für die Getöteten abgehalten. Dort protestierten zudem erneut mehrere Einwohner wegen des tödlichen Vorfalls gegen die türkische Regierung und nannten Erdogan einen «Mörder». «Auch du wirst eines Tages unseren Schmerz empfinden», riefen sie. Bereits am Donnerstag waren in der Türkei tausende Kurden aus Protest auf die Strasse gegangen. Dabei war es zu teils schweren Zusammenstössen gekommen.

SDA/ dapd/rub, mrs

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