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Moskaus Drohkulisse, Moskaus Fassade

An der Grenze zur Ukraine stehen Soldaten, in Moskau fahren Panzer für eine grosse Parade auf. Seit Wochen lässt Russland in der Ukraine-Krise die Muskeln spielen. Experten glauben dennoch nicht an einen Angriff.

Militärisches Muskelspiel: Ein Soldat salutiert während den Proben für eine Parade in Moskau. (30. April 2014)
Militärisches Muskelspiel: Ein Soldat salutiert während den Proben für eine Parade in Moskau. (30. April 2014)
Reuters
Moskau markiert Präsenz: Lager der russischen Armee in der Region Belgorod, unweit der russisch-ukrainischen Grenze. (25. April 2014)
Moskau markiert Präsenz: Lager der russischen Armee in der Region Belgorod, unweit der russisch-ukrainischen Grenze. (25. April 2014)
Reuters
Russische Militärlastwagen in einem Camp in der Region Belgorod. (25. April 2014)
Russische Militärlastwagen in einem Camp in der Region Belgorod. (25. April 2014)
Reuters
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Die ukrainische Armee macht ernst: In Slowjansk, Zentrum des prorussischen Aufstands in der Ostukraine, starteten Truppen eine Offensive gegen kremltreue Separatisten. Ukrainische Soldaten übernahmen die Kontrolle über neun Kontrollpunkte der Milizen. Sowjansk ist vollständig umstellt. Später verbot Kiew offenbar Flüge russischer Airlines in die Städte Charkow und Donezk. In Moskau sorgte das Vorgehen der Ukraine für heftige Kritik: Der Kreml sieht die letzten Hoffnungen auf eine friedliche Beilegung der Krise zerstört.

Die Frage stellt sich, ob die Ukraine militärische Konsequenzen vonseiten Russlands zu befürchten hat. Immerhin lässt Moskau seit einiger Zeit die Muskeln spielen: Während den Vorbereitungen zu einem Gedenkanlass fuhren Militärlastwagen und Panzer der russischen Armee medienwirksam durch Moskaus nächtliche Innenstadt, wie Aufnahmen von «RT» zeigen. Und Wladimir Putin stationierte schon im März gut 40'000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine. Dennoch zeigen sich mehrere Militär- und Strategieexperten gegenüber «SRF» skeptisch, was ein Angriff angeht.

Die Elite steht an der Grenze

Die russischen Einheiten an der ukrainisch-russischen Grenze seien durchaus ernst zu nehmen. sagt Professor Stefan Hedlund von der Universität Uppsala gegenüber dem Sender. Es seien die besten Soldaten, die Moskau habe. Sie seien gut ausgerüstet, gut trainiert, diszipliniert und gut bezahlt. Jean-Pierre Maulny, Vizedirektor der französischen Strategiedenkfabrik Iris pflichtet bei: «Gegen die an der Grenze mobilisierten russischen Truppen hätte die ukrainische Armee nicht den Hauch einer Chance. In weniger als einer Woche wäre sie besiegt.»

Dass Putin seine Truppen tatsächlich losschickt, daran glaubt Pal Dunay vom Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik hingegen nicht. Erstens würden die Einheiten trotz eines Sieges in der ersten Phase danach in einen opferreichen Guerillakrieg verwickelt werden. Zweitens hätte Putin sämtliche seiner schlagkräftigsten Soldaten auf einmal im Ausland. Somit stünde die Elite der Armee nicht mehr für andere sicherheitspolitische Herausforderungen zur Verfügung.

Nato-Ländern unterlegen

Aus diesen Gründen hat eine offener Krieg in der Ukraine auch keinen Rückhalt unter den russischen Generälen, so Stefan Hedlund. Zudem der Grossteil der 850'000 Mann umfassenden Armee kaum in einem Zustand sei, der irgendwen beeindrucke. Moskau hat das Armeebudget erst in den vergangenen Jahren erhöht, die Armeereformen zur Verbesserung der Truppen greifen erst langsam.

Für Henry Boyd vom Londoner Strategieinstitut IISS ist so oder so klar: Russland ist keineswegs auf dem Weg, wieder eine militärische Supermacht zu werden. In einem Schlagabtausch mit den europäischen Nato-Staaten wäre Russland krass unterlegen, so Boyd gegenüber «SRF». Und dies sogar, wenn die europäischen Länder auf die Unterstützung der USA verzichten müssten.

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