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«Morgen wird Spanien eine Republik!»

Tausende Spanier gingen in Madrid und anderen Städten auf die Strassen und demonstrierten gegen die Monarchie. Der Zugang zum Königspalast wurde von der Polizei abgeriegelt.

Radikale Forderungen: «Keine Könige mehr, ein Referendum» und andere antimonarchistische Slogans der Republikaner in Madrid. (2. Juni 2014)
Radikale Forderungen: «Keine Könige mehr, ein Referendum» und andere antimonarchistische Slogans der Republikaner in Madrid. (2. Juni 2014)
Pedro Armestre, AFP
Die Popularität des abtretenden Königs Juan Carlos hat in letzter Zeit stark gelitten: Protestierende Bürger in Madrid. (2. Juni 2014).
Die Popularität des abtretenden Königs Juan Carlos hat in letzter Zeit stark gelitten: Protestierende Bürger in Madrid. (2. Juni 2014).
Andres Kudacki, Keystone
Trotz des Misstrauens gegen das Königshaus erschienen zahlreiche Sonderausgaben: Zeitung am Tag nach der Rücktrittsankündigung. (3. Juni 2014)
Trotz des Misstrauens gegen das Königshaus erschienen zahlreiche Sonderausgaben: Zeitung am Tag nach der Rücktrittsankündigung. (3. Juni 2014)
Alvaro Barrientos, Keystone
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Die überraschende Abdankung von Spaniens König Juan Carlos hat die Antiroyalisten mobilisiert. Tausende Menschen demonstrierten am Montagabend in Madrid für die Abschaffung der Monarchie. «Morgen wird Spanien eine Republik!», rief die Menge, die an der Puerta del Sol zusammenkam. «Keine Könige mehr, ein Referendum!», stand auf zahlreichen Plakaten.

Juan Carlos hatte am Morgen erklärt, er danke nach 39 Jahren ab. Die Regierung muss nun den Übergang der spanischen Krone auf den 46-jährigen Kronprinzen Felipe einleiten – gegen Widerstand.

Vor allem linke und grüne Parteien hatten am Montag zu spontanen Protesten gegen die Monarchie aufgerufen. Nicht nur in der Hauptstadt Madrid, auch in zahlreichen anderen Städten gingen die Menschen auf die Strassen.

(Video: Youtube/RuptlyTV)

In der Hauptstadt schwenkten die Demonstranten Flaggen der zweiten, 1931 ausgerufenen Republik in den Farben Rot, Gold und Violett. «Ich denke, jetzt ist der richtige Moment, wieder eine Republik auszurufen», sagte die 24-jährige Paola Torija. König Juan Carlos habe «seine Stunde Ruhm gehabt», fügte sie hinzu. Heute, gerade in der Krise, wirke sie archaisch und sei viel zu teuer.

Aus Sorge vor Ausschreitungen riegelte die Polizei am späten Abend den Zugang zum Königspalast ab.

Spanische Zeitungen bringen Sonderausgaben

Die überraschende Ankündigung des spanischen Königs Juan Carlos, er danke zugunsten seines Sohnes Felipe ab, ist vielen Landeszeitungen eine Sonderausgabe wert gewesen. Der Monarch, «der den Weg zur Demokratie ebnete», reiche die Krone für eine weitere Modernisierung weiter, kommentierte die Mitte-links-Zeitung «El País». Zugleich äusserte sie hohe Erwartungen an Thronfolger Felipe: Der Sohn von Juan Carlos und Königin Sofía müsse nun «das Vertrauen der Spanier gewinnen», indem er auf die «Qualitäten seines Vaters» baue. Felipe müsse die Modernisierung erleichtern, die das Land «dringend braucht».

Wie alle anderen Zeitungen auch druckte das Blatt die Erklärung des 76-jährigen Monarchen in ganzer Länge, mit der Juan Carlos am Montag im Fernsehen seine Abdankung verkündet hatte. Die konservative Tageszeitung «ABC» widmete ihre gesamte Ausgabe von 48 Seiten dem Thronwechsel. Der König habe in seiner «historischen Abschiedsrede» versichert, dass er immer das «Wohl der Spanier» angestrebt habe, hiess es in einem Kommentar auf der Titelseite. Ein Foto zeigte Juan Carlos und Felipe in Militäruniform.

«Danke, Juan Carlos», schrieb die konservative Zeitung «La Razon» auf der ersten von ebenfalls 48 Sonderseiten. Die Rückseite ziert ein Foto des 46-jährigen Felipe, die Überschrift lautet: «Felipe VI., die Zukunft ist Euer.» Die Mitte-rechts-Zeitung «El Mundo» äusserte die Erwartung, dass der neue König die Monarchie «wiederbeleben» müsse. 15 Seiten der Sonderausgabe waren dem Thema gewidmet.

Am Dienstag berät die Regierung in Madrid bei einer ausserordentlichen Sitzung über das weitere Verfahren. Der Ministerrat soll eine von der Verfassung vorgeschriebene Gesetzesvorlage für den Übergang der spanischen Krone auf den 46-jährigen Kronprinzen Felipe erarbeiten. Abgeordnetenhaus und Senat müssen den Gesetzentwurf anschliessend verabschieden. Die Abdankung des 76-jährigen Monarchen tritt am Tag der Veröffentlichung des Gesetzes im Amtsblatt in Kraft. Danach kann der Kronprinz zum König und Staatsoberhaupt proklamiert und vor dem Parlament vereidigt werden.

(SDA)

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