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Mladic besucht das Grab seiner Tochter

Die Tochter des inhaftierten mutmasslichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic hat 1994 Selbstmord begangen – mit der Waffe des Vaters. Die serbischen Behörden erlaubten ihm nun einen Kurzbesuch am Grab.

Gesundheitlich angeschlagen und abgemagert: Ratko Mladic am Tag seiner Verhaftung.
Gesundheitlich angeschlagen und abgemagert: Ratko Mladic am Tag seiner Verhaftung.

Vor seiner erwarteten Auslieferung an das Haager UNO-Tribunal hat der mutmassliche serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic das Grab seiner Tochter besucht, die 1994 Selbstmord begangen hatte. Er durfte seine Gefängniszelle in Belgrad am frühen Morgen für den kurzen Besuch verlassen, wie der stellvertretende Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Bruno Vekaric, sagte. Mladics Auslieferung an das Tribunal in Den Haag wurde für heute Abend oder morgen früh erwartet.

Der Besuch des 69-Jährigen am Grab seiner Tochter Ana stand laut Vekaric unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Man habe den Termin nicht vorab bekannt gegeben, da es sich um eine Privatangelegenheit Mladics handele und da ein Sicherheitsrisiko bestanden habe. «Die Operation dauerte 20 Minuten und verlief ohne Störung», sagte Vekaric.

Mladic legte an dem Grab auf einem Friedhof in einem Belgrader Vorort Blumen nieder und zündete eine Kerze an. Seine Tochter hatte sich während des Bosnienkriegs im Alter von 23 Jahren mit einer Waffe ihres Vaters das Leben genommen. Laut damaligen Medienberichten litt sie unter Depressionen wegen der Rolle ihres Vaters im Krieg. Mladic hat stets erklärt, seine Tochter sei von seinen Gegnern getötet worden.

Gericht muss Berufungsantrag prüfen

Mladics Anwalt hatte am Montag auf dem Postweg Berufung gegen die Auslieferung seines Mandanten an das UNO-Tribunal in Den Haag eingelegt und erklärt, der 69-Jährige sei schwer krank. Das zuständige Gericht muss nun vor einer Entscheidung über das weitere Vorgehen den Antrag prüfen.

Der meistgesuchte mutmassliche Kriegsverbrecher Europas war in der vergangenen Woche nach fast 16 Jahren auf der Flucht in einer Ortschaft nördlich von Belgrad festgenommen worden. Dem früheren militärischen Führer der bosnischen Serben im Bürgerkrieg von 1992 bis 1995 werden Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Er soll unter anderem das Massaker von Srebrenica befohlen haben, bei dem 8000 muslimische Jungen und Männer ermordet wurden. Ausserdem soll er massgeblich für die vierjährige Belagerung von Sarajevo verantwortlich gewesen sein.

dapd/bru

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