Meilensteine in der 70-jährigen Geschichte der Nato

Die Geschichte des Militärbündnisses war lange vom Kalten Krieg geprägt. Aber erst nach 45 Jahren feuerte es den ersten Schuss ab.

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Christof Münger@ChristofMuenger

Über Jahrzehnte war die Nato-Geschichte von Abschreckung im Kalten Krieg und der Konfrontation mit der Sowjetunion geprägt. Erst nach 45 Jahren feuerte das Militärbündnis auf dem Balkan den ersten Schuss ab. Seither war die Nato auch an Konflikten in Afrika und Asien beteiligt.

1949 In Washington wird am 4. April der Nordatlantikvertragunterzeichnet. Das Bündnis hat anfangs zwölf Mitglieder: Belgien, Dänemark, Frankreich, Grossbritannien, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA. Die sei gegründet worden, um «die Russen draussen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten» zu halten, sagte Lord Ismay, der erste Generalsekretär der Allianz.

US-Präsident Truman unterzeichnet die Geburtskunde der Nato, hinter ihm die Chefs der Gründungsstaten.

1955Die Bundesrepublik Deutschlandwird Mitglied, nachdem der Kalte Krieg in Korea heiss geworden war.

1957Angesichts der wachsenden Konfrontation mit der Sowjetunion verabschiedet die Nato auf Betreiben der Regierung von US-Präsident Eisenhower ihre Strategie der «massiven Vergeltung»: Jeder Angriff sollte demnach mit einem vernichtenden atomaren Gegenschlag beantwortet werden.

1966Frankreich verlässt unter Präsident Charles de Gaulle das integrierte Militärkommando des Bündnisses, um sich die alleinige Befehlsgewalt über seine Atomstreitmachtzu sichern.

1967Das Nato-Hauptquartier wird von Paris nach Brüssel verlegt. Das Bündnis schwenkt auf die Militärstrategie der «flexiblen Erwiderung» um. Sie sieht bei einem Angriff mit konventionellen Truppen nicht automatisch einen Einsatz von Atomwaffen vor, sondern ein abgestuftes Vorgehen.

1979Als Reaktion auf sowjetische SS-20-Raketen kündigt die Nato die Stationierung von atomwaffenfähigen Raketen und Marschflugkörpern in Westeuropa an. Gleichzeitig werden Moskau Verhandlungen über die Begrenzung atomarer Mittelstreckenraketen angeboten (Nato-Doppelbeschluss).

1983Die USA beginnen mit der Stationierung von Pershing-II-Raketenund Marschflugkörpern in mehreren Nato-Staaten, darunter die Bundesrepublik.

Drei atomare Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing II und ihre Abschussrampen werden am 3. April 1987 in Mutlangen, Deutschland, der Presse präsentiert.

1987Die USA und die Sowjetunion schliessen den INF-Vertrag zur Abschaffung atomarer, landgestützter Mittelstreckenraketen und Marschflugkörper mit Reichweiten von 500 bis 5500 Kilometer.

1991Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunionwird auch der 1955 als Gegenbündnis zur Nato gegründete Warschauer Pakt aufgelöst.

1994Bei der Durchsetzung einer UN-Flugverbotszone über Bosnien schiesst die Nato vier serbische Militärmaschinen ab. Es ist die erste Kampfhandlung in der Geschichte des Militärbündnisses.

1995Nach dem Friedensabkommen von Dayton zum Bosnien-Krieg überwacht die Nato-geführte Ifor-Truppe dessen Einhaltung.

Archivbild 1995 eines französischen IFOR-Soldaten beim Entschärfen einer Mine in einem Vorort von Sarajewo.

1997Das westliche Militärbündnis vereinbart mit Moskau die Nato-Russland-Grundakte. In ihr sagt die Nato zu, auf eine dauerhafte und umfangreiche Stationierung von Truppen in Osteuropa zu verzichten.

1999Die Nato greift mit massiven Luftangriffen gegen Serbien in den Kosovo-Konflikt ein.

Ein kanadischer F-18-Jagdbomber startet am Abend des 24.3.1999 von der Nato-Airbase in Aviano in Norditalien zu Luftangriffen auf Ziele in Serbien.

2001Nach den Terroranschlägen vom 11. September wird zum bisher einzigen Mal die Beistandsklausel nach Artikel 5 ausgelöst. Das Bündnis entsendet daraufhin Awacs-Aufklärungsflugzeuge in die USA.

2003Die Nato übernimmt die Führung über den Kampfeinsatz gegen die Taliban in Afghanistan.

US-Soldaten nach einer Taliban-Attacke im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan.

2011Luftangriffe unter Nato-Führung tragen zum Sturz von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi bei.

2014Nach der Annexion der Krim durch Russland beschliesst das Bündnis eine massive Verstärkung seiner Truppenpräsenz in Osteuropa. Gleichzeitig legen die Nato-Mitglieder das Ziel fest, ihre Verteidigungsausgaben bis 2024 «Richtung zwei Prozent» der Wirtschaftsleistung zu steigern.

2017Die Nato tritt auf Druck der USA der internationalen Koalition gegen die IS-Terrormiliz bei.

2019Die USA kündigen den INF-Vertrag mit Russland. Sie werfen dem Kreml vor, mit neuen Marschflugkörpern gegen das Abkommen zu verstossen. Nach Beilegung des Namensstreits mit Griechenland soll Nordmazedonien 2020 das 30. Mitglied der Allianz werden.

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