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London verschärft Kampf gegen Radikale

In Grossbritannien leben Tausende Menschen, die radikalisiert werden könnten. David Cameron gründet nun eine Taskforce gegen Extremismus. Paris jagt derweil einen Bartträger, der ebenfalls einen Soldaten mit einem Messer angriff.

Die Anteilnahme am Tode des jungen Soldaten Lee Rigby ist in London gross. (28. Mai 2013)
Die Anteilnahme am Tode des jungen Soldaten Lee Rigby ist in London gross. (28. Mai 2013)
Keystone
Der Attentäter von London fiel der Polizei schon früher auf: Michael Adebolajo bei einer Demonstration in London. (27. April 2013)
Der Attentäter von London fiel der Polizei schon früher auf: Michael Adebolajo bei einer Demonstration in London. (27. April 2013)
Keystone
Hier geschah die Tat: Woolwich im Südosten von London.
Hier geschah die Tat: Woolwich im Südosten von London.
Keystone
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Die britische Regierung will nach dem Terrorangriff auf einen Soldaten schärfer gegen islamische Extremisten vorgehen. Radikale Prediger, die in Moscheen, Schulen oder Gefängnissen um Unterstützung werben, und Internetseiten mit extremistischem Inhalt sollen künftig stärker überwacht werden, sagte ein Sprecher der Downing Street.

In einer neu eingerichteten Taskforce gegen Extremismus sollen neben hohen Regierungsvertretern auch Geheimdienste und Polizei zusammenarbeiten. Die Gruppe solle vor allem praktische Massnahmen ausarbeiten und auf den Weg bringen, hiess es.

Innenministerin Theresa May sagte, dass in Grossbritannien Tausende Menschen lebten, die radikalisiert werden könnten. Sie seien unterschiedlich weit auf dem Weg hin zum gewaltsamem Extremismus, und es müsse genauer geprüft werden, ob es im Umgang mit ihnen neue Regelungen und Gesetze brauche, sagte sie in einem Interview mit dem Sender BBC.

Derzeit arbeiten rund 500 Polizisten und Sicherheitsbeamte an der Aufklärung der Attacke, bei der ein 25 Jahre alter Soldat brutal getötet wurde. Michael Adebolajo und sein Komplize Michael Adebowale hackten den jungen Familienvater mit einem Fleischerbeil mitten auf der Strasse zu Tode.

Britische Sicherheitsdienste unter Druck

Die britische Polizei nahm heute drei weitere Verdächtige fest. Zwei 24 und 28 Jahre alte Männer seien in einem Haus in der britischen Hauptstadt gefasst worden, ein 21 Jahre alter Mann auf der Strasse, erklärte Scotland Yard. Im Südosten Londons durchsuchte die Polizei vier Wohnungen.

Die britischen Sicherheitsdienste geraten nach dem Soldatenmord zunehmend unter Druck. Für neuen Zündstoff sorgten dabei Berichte, dass der Inlandsgeheimdienst MI5 den Täter Michael Adebolajo rekrutieren wollte.

Die Berichte bezogen sich auf Aussagen eines angeblichen Freundes von Michael Adebolajo. Der MI5 habe Adebolajo nach einer Reise nach Kenia als Informanten anzuwerben versucht, sagte Abu Nusaybah, der eigenen Angaben zufolge den 28-jährigen Täter seit 2002 kannte.

Adebolajo sei in Kenia festgenommen und in Haft misshandelt worden. Bei seiner Rückkehr sei Adebolajo vom MI5 befragt und zur Zusammenarbeit mit dem Dienst gedrängt worden, sagte Nusaybah. Wie die BBC meldete, wurde Nusaybah unmittelbar nach dem Interview festgenommen.

Auch in Paris Angriff auf Soldaten

Drei Tage nach dem Mord an Lee Rigby in London hat ein Unbekannter in Paris einen französischen Soldaten mit einem Messer attackiert. Während der französische Staatschef François Hollande sagte, es gebe «derzeit» keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit London, zog Innenminister Manuel Valls Parallelen. Unter anderem «die plötzliche Gewalt des Angriffs» sei ähnlich, sagte Valls. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte: «Man hat einen Soldaten töten wollen, weil er ein Soldat ist.» Er und Valls würden den «unerbittlichen Kampf gegen den Terrorismus» fortsetzen.

Der Zustand des im Nacken verletzten Soldaten ist stabil. Der Angriff ereignete sich am Samstag im Viertel La Défense im Pariser Westen. Der 23-jährige Soldat gehörte einer dreiköpfigen gemischten Militär-Polizei-Patrouille an, wie sie der französische Antiterrorplan Vigipirate vorsieht.

Gegen 17.50 Uhr wurde der Mann im Bereich des Untergrundbahnhofs von La Défense laut Staatsanwaltschaft mit einer Stichwaffe attackiert. Um welche Art von Messer es sich handelte, blieb zunächst unklar, womöglich nutzte der Täter ein Teppichmesser.

Täter flüchtig

Nach ersten Ermittlungsergebnissen war der Angreifer etwa 1,90 Meter gross, Bartträger und mit einem schwarzen Pullover und einer schwarzen Hose bekleidet. Er ist weiter flüchtig.

Der Staatsanwalt von Nanterre, Robert Gelli, teilte mit, der Fall werde von Antiterrorermittlern der Pariser Staatsanwaltschaft übernommen. Die Ermittler werteten das Material mehrerer Videokameras in der Umgebung des Tatorts aus. Hollande sagte, die Identität des Angreifers und die genauen Umstände der Messerattacke seien noch unbekannt. Es würden jedoch alle Spuren verfolgt.

SDA/bru

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