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Karadzic will neuen Prozess oder Freispruch

Der ehemalige bosnische Serbenführer wirft den Richtern des Uno-Tribunals einen «politischen Prozess» gegen ihn vor. Jetzt ist die Berufungsverhandlung im Gang.

Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic ist wegen Verbrechen während des Bosnienkriegs zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden.
Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic ist wegen Verbrechen während des Bosnienkriegs zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden.
Jerry Lampen, Reuters
Der 70-Jährige musste sich in elf Anklagepunkten verantworten, unter anderem wegen Völkermordes, Mordes und Vergewaltigung.
Der 70-Jährige musste sich in elf Anklagepunkten verantworten, unter anderem wegen Völkermordes, Mordes und Vergewaltigung.
Valerie Kuypers, Reuters
Radovan Karadzic als Serbenführer, als Wunderheiler Dragan Dabic sowie als Angeklagter und Verurteilter vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. (31. Juli 2008)
Radovan Karadzic als Serbenführer, als Wunderheiler Dragan Dabic sowie als Angeklagter und Verurteilter vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. (31. Juli 2008)
Keystone
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In Den Haag hat am Montag der Berufungsprozess des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic begonnen. Sein Anwalt Peter Robinson forderte dabei die Richter auf, den 72-Jährigen freizusprechen oder einen neuen Prozess anzuordnen.

Karadzic habe vor dem Uno-Tribunal in Den Haag keinen fairen Prozess bekommen, was aber ein «universeller Wert» der internationalen Gerichtsbarkeit sei. Karadzic war im März 2016 zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Uno-Tribunal befand ihn wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 schuldig.

Karadzic wirft Richtern «politischen Prozess» vor

Karadzic trägt nach dem Urteil persönlich Verantwortung für das Massaker im bosnischen Srebrenica. Dort wurden im Juli 1995 fast 8000 muslimische Jungen und Männer umgebracht. Der Schuldspruch bezog sich zudem auf Karadzics Mitverantwortung für die 44-monatige Belagerung Sarajevos, bei der 10'000 Zivilisten getötet wurden.

Radovan Karadzic in Den Haag vor Gericht. (Bild: Keystone)
Radovan Karadzic in Den Haag vor Gericht. (Bild: Keystone)

Karadzic wirft den Richtern des Uno-Tribunals einen «politischen Prozess» gegen ihn vor und legte Berufung gegen das Urteil ein. Auch Chefankläger Serge Brammertz legte Berufung ein, weil er das Urteil für zu milde hält.

Entscheid erst in einigen Monaten

Für den zweitägigen Berufungsprozess ist der Internationale Residualmechanismus für die Ad-hoc-Strafgerichtshöfe (MICT) zuständig. Er führt die Tätigkeit des Tribunals für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) und des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda (ICTR) zu Ende, deren Mandat 2013 abgelaufen ist. Mit einer Entscheidung wird erst in einigen Monaten gerechnet.

Karadzic, der einstige Präsident der selbst ernannten bosnischen Serbenrepublik, war nach dem Krieg jahrelang untergetaucht. Er hatte sich in Belgrad als Mediziner mit alternativen Heilmethoden niedergelassen, bis er 2008 enttarnt und verhaftet wurde. Er bezeichnete sich als unschuldig.

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