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«Ja, Berlusconi ist der Kandidat»

Berlusconi zum Sechsten: Acht Monate nach seinem unrühmlichen Abgang will es der Cavaliere noch einmal wissen. Für seine Partei ist er eine unverzichtbare Galionsfigur.

Der Cavaliere will mit 75 nochmals Ministerpräsident werden: Silvio Berlusconi kürzlich bei einem Treffen der Europäischen Volkspartei in Brüssel. (28. Juni 2012)
Der Cavaliere will mit 75 nochmals Ministerpräsident werden: Silvio Berlusconi kürzlich bei einem Treffen der Europäischen Volkspartei in Brüssel. (28. Juni 2012)
Keystone

Acht Monate nach seinem unrühmlichen Abgang von der Politbühne rüstet sich Silvio Berlusconi für ein Comeback. Der frühere italienische Ministerpräsident will bei den Wahlen im kommenden Jahr wieder antreten.

«Ja, Berlusconi ist der Kandidat für den Ministerpräsidenten», sagte der Fraktionsvorsitzende von Berlusconis Mitte-Rechts-Partei «Volk der Freiheit» (PdL), Fabrizio Cicchito, nach einem Treffen der Parteiführung in Berlusconis Wohnsitz am Donnerstagabend in Rom. Er bestätigte damit, was zuvor bereits vermutet worden war.

Vorwahlen, um einen Kandidaten der PDL zu küren, finden somit nicht statt. Seit Tagen hatten in Italien Gerüchte kursiert, nach denen der 75-jährige Milliardär zum sechsten Mal seit seinem Einstieg in die Politik im Jahr 1993 für das Premieramt kandidieren wolle.

Unrühmlicher Abgang

Der Medienunternehmer, der die Politik in dem südeuropäischen Land in den vergangenen 20 Jahren weitgehend mitbestimmt hatte, musste sich Ende 2011 unter Schmährufen, Pfiffen und tosendem Geschrei zurückziehen. Das Ruder seines von der Staatspleite bedrohten Landes überliess er dem parteiunabhängigen Wirtschaftsprofessor und Ex-EU-Kommissar Mario Monti.

Zuletzt schwanden aber die Zustimmungswerte für Monti und dessen Sparpolitik. Zudem kämpft Italien mit einem Vertrauensverlust an den Finanzmärkten. Die Refinanzierungskosten sind fast wieder auf jenem Stand, den sie bei Berlusconis Rücktritt hatten.

Unverzichtbare Galionsfigur

Der Mailänder TV-Tycoon handelt unter dem Druck der Resultate einiger von ihm in Auftrag gegebenen Umfragen. Daraus geht klar hervor, dass sein PdL ohne ihn an der Spitze bei Parlamentswahlen auf lediglich 10 Prozent käme. Mit dem Medienzar als Kandidat würde die Partei auf 30 Prozent gelangen.

Laut Medienberichten will Berlusconi, dessen wildes Privatleben seit Jahren die Justiz beschäftigt, die Sommerwochen nutzen, um seine Kandidatur vorzubereiten. Daher verzichte er auf seine üblichen Ferien auf Sardinien. Der Ex-Premier will in wenigen Tagen den neuen Namen seiner Partei bekanntgeben.

Rechts frohlockt...

Berlusconis kühnes politisches Projekt beflügelt die Spitzenpolitiker seiner Gruppierung, die in den vergangenen Monaten ein Schattenleben geführt hatten. Die Berlusconi-Truppe im Parlament begnügte sich damit, die drakonischen Sparpläne der Regierung Monti abzusegnen, während die Gruppierung bei den Kommunalwahlen im Mai auf ein Rekordtief stürzte.

Mit Berlusconis Rückkehr in die aktive Politik hofft der PdL jetzt auf einen Neubeginn. «Dank Berlusconis charismatischer Führung können wir wieder die Stimmen zurückgewinnen, die wir in diesen Monaten verloren haben», feierte Ex-Unterrichtsministerin Maria Stella Gelmini.

...Mitte-links klagt

Für die Mitte-links-Allianz sind Berlusconis Kandidaturpläne derweil eine Hiobsbotschaft. «Berlusconi ist eine Zeitbombe, die die Stabilität der Regierung Monti gefährdet», warnte der Vize-Vorsitzende der Mitte-links-Partei PD (Demokratische Partei), Enrico Letta.

Erschüttert erklärte sich auch der Chef der sozialistischen Fraktion im Europaparlament, Hannes Swoboda. «Ich fasse es nicht, dass Berlusconi nach dem kompletten politischen und wirtschaftlichen Scheitern seiner Regierung wieder an eine Kandidatur für das Premieramt denkt», sagte Swoboda nach Angaben der römischen Tageszeitung «La Repubblica».

AFP/ami

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