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Iran verweigert Merkel das Überflugrecht

Zwei Stunden lang musste der Airbus der deutschen Regierung über der Türkei kreisen: Der Iran gewährte Angela Merkel die Benutzung seines Luftraums nicht. Die Kanzlerin nahms gelassen.

Beim ersten Einsatz für Angela Merkel kam es zu einem Zwischenfall mit dem Iran: Der neue Airbus A340-300 der deutschen Regierung mit dem Namen Konrad Adenauer.
Beim ersten Einsatz für Angela Merkel kam es zu einem Zwischenfall mit dem Iran: Der neue Airbus A340-300 der deutschen Regierung mit dem Namen Konrad Adenauer.
Keystone

Die Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Indien ist schon beim Hinflug von einem diplomatischen Zwischenfall überschattet worden. Der Iran verweigerte der Kanzlermaschine auf dem Weg zu den deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Neu Dehli in der Nacht auf heute zunächst den Flug durch seinen Luftraum. Die Konrad Adenauer kreiste auf ihrem ersten offiziellen Einsatz einige Zeit über der Türkei und traf erst mit mehr als zweistündiger Verspätung in Neu Dehli ein. Kanzlerin Merkel nahm es gelassen: «Jedenfalls ist das ein interessanter Reisebeginn.»

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, einen solchen Vorfall habe es noch nicht gegeben. Erst nach gut einstündigen Verhandlungen - die zum Teil von Merkels Aussenberater Christoph Heusgen aus dem Flugzeug heraus, zum Teil zwischen der Türkei und dem Iran geführt wurden und in die sich zuletzt auch das Auswärtige Amt in Berlin einschaltete - änderten die Iraner demnach ihre Meinung und liessen die Maschine passieren.

Mehr Schlaf für Merkel

Die Einigung erfolgte gerade noch rechtzeitig. Hätten die Verhandlungen länger gedauert, hätte die Kanzlermaschine in der türkischen Hauptstadt Ankara landen müssen, um nachzutanken, wie es hiess. Ein Verschulden auf deutscher Seite schloss Seibert aus. Gründe für die Entscheidung der Iraner waren zunächst nicht bekannt.

Merkel war in das Geschehen nicht direkt involviert, wie Seibert erklärte. «Die Bundeskanzlerin hatte anderthalb Stunden mehr Schlaf», meinte er. «Insgesamt kann man sagen: Mindestens ungewöhnlich.»

Schleifen über der Türkei

Die Odyssee Merkels, die von Politikern und Journalisten begleitet wurde, begann im Zeitraum zwischen ein Uhr und 1.30 Uhr deutscher Zeit heute Morgen, rund vier Stunden, nachdem die Konrad Adenauer vom militärischen Teil des Flughafens Tegel in Berlin abgehoben hatte. Der Airbus A 340 flog ungefähr auf der Hälfte der 5791 Kilometer langen Strecke spürbar langsamer, kurz vor zwei Uhr wurde der Grund vernehmbar: Der Iran verweigere der Maschine den Überflug, hiess es. Eine Genehmigung sei vorher beantragt und der Überflug auch bewilligt worden.

Ausweislich der auf den Monitoren dargestellten Flugstrecke flog die Konrad Adenauer auf ihrem Weg von Deutschland über die Türkei zwar ein Stück weit auf iranisches Gebiet. Sie zog dann aber kurz hinter der iranischen Grenze mehrere Runden und drehte schliesslich wieder Richtung Westen und Türkei ab. Seibert bestätige den Vorgang später.

Zweieinhalb Stunden Verspätung

Etwa um 2.15 Uhr kreiste die Maschine über der Türkei, die Monitore mit der Darstellung der Flugroute wurden abgeschaltet. Gegen 2.25 Uhr hiess es, es werde auf politischem Wege versucht, den Überflug doch noch genehmigt zu bekommen. An eine pünktliche Landung in Neu-Delhi – geplant für etwa 8.30 Uhr Ortszeit und damit fünf Uhr morgens deutscher Zeit – war da schon nicht mehr zu denken. Immerhin: Treibstoff sei genügend vorhanden, versicherte die Crew.

Um 3.15 Uhr dann Entwarnung. Die Maschine befinde sich wieder auf ihrem ursprünglichen Kurs Richtung Indien, hiess es. Die schematische Darstellung der Flugroute zeigte etwa eine halbe Stunde später, dass die Konrad Adenauer in knapp zwölf Kilometern Höhe tatsächlich weit in den iranischen Luftraum vorgedrungen war.

Gegen elf Uhr erfolgte dann die sichere Landung in Neu-Dehli. Zu diesem Zeitpunkt allerdings hätte die Kanzlerin, die nach den Regierungskonsultationen noch ein umfangreiches Programm zu absolvieren hatte, längst mit dem indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh an einem Tisch sitzen sollen.

Morgen wollte Merkel nach Singapur weiterreisen. Die Rückreise nach Berlin war für Donnerstag geplant. Ob die Route auch wieder über den Iran führen wird, war zunächst noch offen.

dapd/rub

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