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Gauck vereidigt

Fünf Tage nach der Wahl zum deutschen Bundespräsidenten hat Joachim Gauck seinen Amtseid abgelegt. In einer Ansprache bezeichnete der 72-Jährige Deutschland als «Land des demokratischen Wunders».

Legt seinen Eid ab: Deutschlands neuer Bundespräsident Joachim Gauck. (23. März 2012)
Legt seinen Eid ab: Deutschlands neuer Bundespräsident Joachim Gauck. (23. März 2012)
Keystone
Erste Schritte: Der neu vereidigte deutsche Bundespräsident wird im Schloss Bellevue von einer Ehrengarde empfangen. (23. März 2012)
Erste Schritte: Der neu vereidigte deutsche Bundespräsident wird im Schloss Bellevue von einer Ehrengarde empfangen. (23. März 2012)
Reuters
Joachim Gauck und Lebenspartnerin Daniela Schadt besuchen vor der Wahl einen Gottesdienst in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin. (18. März 2012)
Joachim Gauck und Lebenspartnerin Daniela Schadt besuchen vor der Wahl einen Gottesdienst in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin. (18. März 2012)
AFP
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Joachim Gauck ist am Morgen als elfter Bundespräsident Deutschlands vereidigt worden. In seiner Antrittsrede rief er zu mehr Mut im Kampf gegen Rechtsextremismus auf. «Eurer Hass ist unserer Ansporn», sagte das neue deutsche Staatsoberhaupt bei seiner Vereidigung im Bundestag am Freitag an die Rassisten und Extremisten in Deutschland gerichtet. Er fügte hinzu: «Wir schenken euch auch nicht unsere Angst.»

Gauck betonte auch die Bedeutung von Freiheit und Gerechtigkeit. Der 72-Jährige legte zugleich ein nachdrückliches Bekenntnis zu Europa ab. Gerade in der Krise heisse es: «Wir müssen mehr Europa wagen», sagte er vor den Abgeordneten und den Vertretern der 16 Bundesländer.

Beziehung zu den Nachbarländern pflegen

Gauck sieht Deutschland als «Land des demokratischen Wunders». Entgegen aller Skepsis habe Deutschland nach dem Schrecken des Zweiten Weltkrieges eine «stabile demokratische Ordnung» herstellen können, sagte er. Er lobte in diesem Zusammenhang auch die 68er-Bewegung in Westdeutschland und das Streben nach Freiheit der Bürger in Ostdeutschland.

Kurz nach seinem Amtsantritt hatte der ehemalige DDR-Bürgerrechtler bereits angekündigt, mehr für den Bürgersinn werben, die Integration ausländischer Mitbürger vorantreiben und die guten Beziehungen zu den Nachbarländern pflegen zu wollen.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hatte Gauck zuvor an der gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes in Berlin auf das Grundgesetz vereidigt.

Hohe Erwartungen

Gauck ist der erste parteilose Bundespräsident – und der erste, der aus der früheren DDR stammt. Letzteres zeige «den unaufhaltsamen Fortschritt der inneren Einheit unseres Landes», sagte Lammert in seiner Rede vor den Abgeordneten.

Lammert sprach dabei auch die hohen Erwartungen an den neuen Präsidenten an. An Gauck gewandt sagte er: «Sie werden getragen von einer Woge der Sympathie. Es ist Ihnen zu wünschen, dass dies so bleibt.»

Der Präsident der Länderkammer, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, wertete die Wahl Gaucks ebenfalls als «wichtigen Meilenstein» in der deutschen Geschichte. Dieser stehe «für Mut und Zukunftsoptimismus», «für Zutrauen statt Misstrauen».

Dank an Wulff

Nach der Antrittsrede stand ein Empfang des Bundespräsidenten mit militärischen Ehren in seinem Berliner Amtssitz Schloss Bellevue auf dem Programm.

Gauck war am Sonntag von der Bundesversammlung mit überparteilicher Mehrheit gewählt worden. Seine Amtszeit beginnt nicht erst mit dem Amtseid; sie begann offiziell bereits in dem Moment, als er am Sonntag die Wahl angenommen hatte. Gauck folgt dem zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff im Amt nach. Wulff wohnte Gaucks Vereidigung mit seiner Frau Bettina bei.

Lammert dankte Wulff für das, «was er in drei Jahrzehnten politischer Arbeit» für das Land geleistet habe. Ungeachtet der Umstände von Wulffs Rücktritt sei dieser Dank «ein Gebot der Redlichkeit wie der politischen Kultur».

Wulff hatte nach wochenlangem Wirbel um Vorgänge aus seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident in den Jahren 2003 bis 2010 und vor dem Hintergrund von Ermittlungen der Justiz wegen Vorteilannahme sein Amt niedergelegt.

SDA/wid

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