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Für Frankreichs polemischen Multimilliardär wird es brenzlig

Rüstungsunternehmer Serge Dassault produziert Kampfjets und mischt gleichzeitig in der Politik mit. Nun hat die Polizei den 88-Jährigen im Zusammenhang mit einer mafiös anmutenden Affäre verhört.

Konnte erst mit 61 Jahren das Erbe seines Vaters antreten: Rüstungsunternehmer Serge Dassault.
Konnte erst mit 61 Jahren das Erbe seines Vaters antreten: Rüstungsunternehmer Serge Dassault.
ERIC PIERMONT, AFP

Mit 88 Jahren wird es noch einmal brenzlig für Serge Dassault: Der viertreichste Mann Frankreichs, Rüstungsunternehmer, Zeitungsbesitzer und konservative Senator ist am Mittwoch in Polizeigewahrsam genommen worden. In Nanterre bei Paris verhörten ihn Ermittler zu seiner Rolle in einer Affäre um den Kauf von Wählerstimmen. Bei den Ermittlungen gegen den Ex-Bürgermeister der Pariser Vorstadt Corbeil-Essonnes geht es zudem um Korruption, Geldwäsche und Veruntreuung. Dem Mulitmilliardär und Industriellen könnte sogar ein Prozess drohen.

Die Affäre um den Stimmenkauf in Corbeil-Essonnes hat mafiöse Züge, sogar zwei Mordversuche werden mit ihr in Verbindung gebracht. Dassault, 1995 erstmals zum Bürgermeister des Städtchens gewählt, war 2008 mit äusserst knappem Vorsprung wiedergewählt worden. Frankreichs Oberstes Verwaltungsgericht sah aber Stimmenkauf als erwiesen an, annullierte die Wahl und belegte Dassault mit einem Jahr Unwählbarkeit. Auch bei folgenden Kommunalwahlen, die Dassaults politischer Ziehsohn Jean-Pierre Bechter für sich entscheiden konnte, sollen Stimmen gekauft worden sein.

Kampfflugzeuge, Software und Medien

Laut Medienberichten sollen Wählerstimmen gegen Geld und andere Gefälligkeiten gekauft worden sein, Mittelsmänner sollen das System organisiert und dafür Hunderttausende bekommen haben – Peanuts für den eher in Zig-Millionen rechnenden Dassault. Denn der Unternehmer und seine Familie stehen in der Rangliste der reichsten Franzosen laut «Forbes» auf Platz vier, mit einem Vermögen von rund 13 Milliarden Euro. Das Wirtschaftsimperium von Serge Dassault ist besonders bekannt für seine Kampfflugzeuge, umfasst aber auch Software-Entwicklung und Medien.

Lange Zeit brauchte Dassault, um aus dem grossen Schatten seines Vaters zu treten, des begnadeten Luftfahrtingenieurs und Konzerngründers Marcel Dassault. Der am 4. April 1925 geborene Serge stieg 1951 nach seinem Studium an der nationalen Hochschule für Luftfahrttechnik in das Unternehmen seines Vaters ein. 1967 übernahm er die Leitung der Elektronik-Sparte des Konzerns.

An seiner Eignung, den gesamten Konzern zu führen, zweifelten lange Zeit viele. Als Marcel Dassault 1986 mit 94 Jahren starb, versuchte der französische Staat, der 46 Prozent der Unternehmensanteile hielt, einen Aufstieg von Serge Dassault an die Spitze zu verhindern. Am Ende konnte sich der damals 61-Jährige aber durchsetzen und das Erbe seines Vaters antreten.

Schnell stellte Dassault sein Geschick als Konzernlenker unter Beweis und verteidigte die Unabhängigkeit des Unternehmens, als der Staat Dassault in den 1990er Jahren mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern Aérospatiale fusionieren wollte, der sich später mit DaimlerChrysler Aerospace zu EADS zusammenschloss. In aller Welt warb der umtriebige Dassault für seine Kampfflugzeuge Mirage und Rafale – und griff dabei nicht nur zu erlaubten Mitteln: 1998 wurde er in Belgien wegen Bestechung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

2004 erfüllte sich Dassault einen Herzenswunsch und kaufte die konservative Tageszeitung «Le Figaro». Dass es dabei auch um die Verbreitung seiner politischen Werte ging, daraus machte der Konservative keinen Hehl: «Zeitungen müssen vernünftige Ideen verbreiten. Linke Ideen sind keine vernünftigen Ideen.»

Auch als Politiker scheute Dassault, der 2004 in den französischen Senat einzog, keine polemischen Äusserungen. In der erregten Debatte um die Einführung der Homo-Ehe wetterte der vierfache Familienvater Ende 2012, Frankreich werde «ein Land von Homos» und drohe unterzugehen.

Wegen eines Mordversuchs, der im Zusammenhang mit der Stimmenkauf-Affäre stehen soll, wurde Dassault bereits im Oktober befragt – der Hauptverdächtige ist ein Bekannter des 88-Jährigen. Nach langem Hin und Her wurde vor einer Woche die parlamentarische Immunität des UMP-Senators aufgehoben, so dass er nun in Polizeigewahrsam genommen werden konnte. Dassault beteuert seine Unschuld und will nachweisen, dass er sich «nichts vorzuwerfen» habe.

(AFP)

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