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Frauen im Tarnanzug

Mit Ursula von der Leyen hat Deutschland zum ersten Mal eine Frau im Verteidigungsministerium. Europaweit ist Deutschland diesbezüglich aber ein Nachzügler.

Hat Respekt vor ihrer neuen Aufgabe: Ursula von der Leyen bei ihrem ersten Truppenbesuch in Afghanistan.
Hat Respekt vor ihrer neuen Aufgabe: Ursula von der Leyen bei ihrem ersten Truppenbesuch in Afghanistan.
Reuters
Beim Besuch Masar-i-Scharif ging die neue Ministerin auf Tuchfühlung ihrer neuen Lebenswirklichkeit.
Beim Besuch Masar-i-Scharif ging die neue Ministerin auf Tuchfühlung ihrer neuen Lebenswirklichkeit.
Reuters
Karin Enström ist Verteidigungsministerin in Schweden: Hier mit ihrem Amtskollegen Ueli Maurer beim Empfang in Bern. (28. Juni 2012)
Karin Enström ist Verteidigungsministerin in Schweden: Hier mit ihrem Amtskollegen Ueli Maurer beim Empfang in Bern. (28. Juni 2012)
Reuters
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Sie ist die grosse Überraschung im neuen Kabinett der schwarz-roten Koalition: Die bisherige Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wechselt ins Verteidigungsressort – und wird damit die erste Chefin der Truppe in der Geschichte der Bundeswehr. Erfolgreich hat sich die ehrgeizige CDU-Politikerin damit gegen eine drohende Deklassierung im neuen Kabinett gewehrt – und endgültig ihre Ambitionen auf die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) deutlich gemacht. Merkel sagte am Sonntag bei der Verkündung der CDU-Minister, die Festlegung auf von der Leyen sei schon vor einiger Zeit gefallen.

Was für Deutschland ein historisches Novum ist, haben zahlreiche andere europäische Staaten teils schon vor vielen Jahren erlebt: Mit der Übernahme des Verteidigungsministeriums im neuen Kabinett steht die Niedersächsin Ursula von der Leyen (CDU) in einer ganzen Reihe von Chefinnen dieses Ressorts. Selbst bei den konservativen Parteien in Europa ist sie damit keine Vorreiterin.

Die Bekannteste

Als eine der bekanntesten Verteidigungsministerinnen der europäischen Geschichte gilt die französische Konservative Michèle Alliot-Marie, die das Ressort in Paris in den Jahren 2002 bis 2007 leitete. Sie wurde danach noch Innen- und schliesslich die erste Aussenministerin Frankreichs, stolperte im Jahr 2011 allerdings über dubios finanzierte Urlaubsaufenthalte und Immobiliengeschäfte in Tunesien.

Für Aufsehen sorgte auch die Ernennung der spanischen Sozialistin Carme Chacón im Jahr 2008, die bei ihrem Amtsantritt im siebten Monat schwanger war. Sie leitete das Ressort in Madrid bis zur Wahlniederlage ihrer Partei im Jahr 2011. Ein wenig in Chacóns Schatten agierte in Litauen zudem in den Jahren 2008 bis 2012 Rasa Jukneviciene in einer konservativen Regierung als Verteidigungsministerin.

Vorreiter Finnland

Vorreiter mit einer Frau an der Spitze des Verteidigungsressorts war allerdings Finnland. Dort übernahm im Jahr 1990 Elisabeth Rehn von der schwedischen Minderheit das Ministerium und blieb fünf Jahre im Amt. Kurz nach ihr wurde die Konservative Anneli Taina Verteidigungsministerin und blieb es bis zum Jahr 1999. Im Nachbarland Schweden wurde im Jahr 2002 die Sozialdemokratin Leni Björklund für vier Jahre erste Ressortchefin.

Bei EU-Ministertreffen dürfte von der Leyen bald auf Kolleginnen aus den Niederlanden und Schweden treffen. Dort leiten die Liberale Jeanine Hennis-Plasschaert und die Konservative Karin Enström jeweils seit dem vergangenen Jahr die Ressorts.

Auch in Osteuropa

Weitere Frauen an der Spitze der Verteidigungsministerien gab es in den vergangenen Jahren zudem in Dänemark, Slowenien und Tschechien. In Kopenhagen übernahm die Liberale Gitte Lillelund Bech im Jahr 2010 für anderthalb Jahre das Ressort. In Ljubljana agierte in den Jahren 2008 bis 2012 die Sozialdemokratin Ljubica Jelusic an der Stelle, in Prag in den Jahren 2007 bis 2009 die Konservative Vlasta Parkanova.

(AFP)

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