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Ferrari-Chef gründet Partei für Monti

Italien hat eine neue Mittebewegung. Initiator ist der Industrielle Luca di Montezemolo. Er will Ministerpräsident Mario Monti eine politische Heimat bieten, sollte sich dieser nächstes Jahr einer Wahl stellen wollen.

Beklagte «20 verlorene Jahre»: Luca Cordero di Montezemolo bei der ersten Versammlung der neuen Bewegung in Rom. (17. November 2012)
Beklagte «20 verlorene Jahre»: Luca Cordero di Montezemolo bei der ersten Versammlung der neuen Bewegung in Rom. (17. November 2012)
Reuters

Rund 7000 Personen haben sich am Samstag in einem Filmstudio in einem Aussenbezirk Roms versammelt. Es war die erste Versammlung einer neuen politischen Mittebewegung. Ins Leben gerufen hat diese der Verwaltungsratspräsident des Autoherstellers Ferrari und frühere Fiat-Chef Luca Cordero di Montezemolo. Wie die «Financial Times» berichtet, beklagte der 65-jährige Industrielle während seiner Rede vor den Versammelten die «20 verlorenen Jahre», während deren Italien «Hohn und Erniedrigung» ausgesetzt gewesen sei.

Die neue Bewegung nennt sich Verso la Terza Repubblica, was übersetzt so viel heisst wie «In Richtung der Dritten Republik». Als Erste Republik gilt in Italien die politische Nachkriegsordnung, die 1992 zu Ende ging, als die Mailänder Staatsanwaltschaft unter dem Titel Mani pulite (saubere Hände) zahlreichen Funktionären der grossen Partei Democrazia Cristiana Fälle von Korruption nachwies und diese in der Folge zerbrach. Als zweite Republik gilt die Zeit, in der Berlusconi aufstieg und an der Macht war. Heute, während Italien von einer Technokratenregierung unter dem früheren Wirtschaftsprofessor Mario Monti regiert wird, propagieren in Italien manche Politiker den Beginn der Dritten Republik.

Angebot noch nicht ausgesprochen

Klar ist, dass Ferrari-Chef Montezemolo, der von sich selber sagt, keine politischen Ambitionen zu hegen, Mario Monti als idealen Kopf einer solchen Dritten Republik sähe. Die Zeit dazu ist aber noch nicht reif. «Wir fragen den Premierminister heute nicht an, die Führungsrolle unserer Bewegung zu übernehmen, weil dies seine Arbeit beeinträchtigen würde», sagte Montezemolo an der Versammlung in Rom.

Monti selber, der am Samstag an der Universität in Mailand sprach, liess sich alle Türen offen: «Niemand verlangt heute Zusagen von mir, und heute gebe ich auch keine.» Ob Monti sich einer Parlamentswahl stellen wird, und – wenn ja – welcher Partei er sich zuwenden würde, ist offen. Laut «Financial Times» rechnen linke Parteiexponenten damit, dass die Kandidatur Montis einer Partei 15 Prozent Wähleranteil einbringen könnte.

Montis Konkurrent

Nicht alle reformorientierten Parteichefs setzen aber auf Monti als Zugpferd. Matteo Renzi, der 37-jährige Bürgermeister von Florenz, beansprucht die Führungsrolle im Mitte-links-Lager für sich. Vor Anhängern pries er sich am Wochenende in Florenz selber als Anführer des Wandels an. Dennoch blieb ihm, der einen ähnlichen Kurs wie Monti verfolgt, nichts anderes übrig, als diesen zu loben: «Ohne Monti wären wir vor die Hunde gegangen.»

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