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Erdogan will sein Bauprojekt vorantreiben

Trotz tagelanger Proteste: Recep Tayyip Erdogan möchte am umstrittenen Bauprojekt in Istanbul festhalten. Unter den Demonstranten sieht er mehrere «Terrororganisationen» am Werk.

Rückten in Hundertschaften an: Polizisten im Gezi-Park in Istanbul. (15. Juni 2013)
Rückten in Hundertschaften an: Polizisten im Gezi-Park in Istanbul. (15. Juni 2013)
AFP
Die Polizei greift durch: Demonstranten flüchten vor dem Strahl eines Wasserwerfers. (15. Juni 2013)
Die Polizei greift durch: Demonstranten flüchten vor dem Strahl eines Wasserwerfers. (15. Juni 2013)
Reuters
Das jüngste Symbol der weltweiten Proteste, die Guy-Fawkes-Maske, war auch in Istanbul präsent.
Das jüngste Symbol der weltweiten Proteste, die Guy-Fawkes-Maske, war auch in Istanbul präsent.
Keystone
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Ungeachtet der schweren Proteste hält der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an dem umstrittenen Bauprojekt im Istanbuler Gezi-Park fest. Bei einem Besuch in Tunis beschuldigte er erneut Linksextremisten, hinter den Protesten zu stecken. «Unter den Demonstranten sind Extremisten, einige sind in den Terrorismus verwickelt», sagte Erdogan in der tunesischen Hauptstadt Tunis vor seiner mit Spannung erwarteten Heimkehr.

In seiner ins Arabische übersetzten Rede sagte Erdogan, an den Protesten in Istanbul hätten Unterstützer einer «Terrororganisation» teilgenommen, die sich zu einem Anschlag auf die US-Botschaft am Februar in Ankara bekannt hatte. Einer zentralen Forderung der Demonstranten, dem Stopp des umstrittenen Bauvorhabens in Istanbul, erteilte Erdogan eine Absage: Seine Regierung werde die Umgestaltung des Gezi-Parks in der Metropole «zu Ende bringen», sagte Erdogan.

«Weil es von der AKP kommt»

Die Protestwelle hatte sich an der brutalen Räumung eines Protestlagers im Gezi-Park entzündet. Inzwischen richten sich die Demonstrationen vor allem gegen den als immer autoritärer empfundenen Kurs Erdogans und seiner islamisch-konservativen AKP.

Im Gezi-Park ist der Nachbau einer osmanischen Kaserne geplant, in der es Geschäfte und Wohnungen geben soll. «War dort früher eine osmanische Kaserne der Artillerie oder nicht? Ja, und es war ein historisches Gebäude», sagte Erdogan in Tunis: «Warum gibt es Widerstand gegen das Projekt? Weil es von der AKP kommt.»

Ausländer festgenommen

In der Nacht war es erneut zu Ausschreitungen gekommen. Hunderte Demonstranten kamen in der Nacht im Zentrum der Hauptstadt Ankara zusammen und riefen «Diktator tritt zurück!» und «Überall ist Taksim, überall gibt es Widerstand».

An Fenstern und auf Balkons schlugen Bürger auf Töpfe und Pfannen, um ihre Unterstützung für die Demonstranten kundzutun. Polizisten feuerten Tränengas auf die protestierenden Menschen, Demonstranten warfen Steine und errichteten Barrikaden. Bei Einsätzen gegen die Demonstranten nahm die Polizei offenbar auch elf Ausländer fest. Über die Festnahme von Ausländern gab es unterschiedliche Berichte. Die Zeitung «Radikal» berichtete, unter insgesamt elf in Istanbul Festgenommenen seien auch Studierende des Erasmus-Programms der EU.

Die Zeitung «Zaman» meldete, die Ausländer stammten aus den USA, Grossbritannien, Frankreich und Griechenland. Bei ihnen seien Gaskartuschen und Feuerwerkskörper gefunden worden. Einige hätten Diplomatenpässe. Die islamistische Zeitung «Yeni Akit» präsentierte dies ihren Lesern auf der ersten Seite als Beleg für einen versuchten Anschlag und die Einmischung des Auslands. Insgesamt sollen in den vergangenen Tagen 15 Ausländer festgenommen worden sein.

Polizist stürzt in den Tod

Die Zahl der Toten bei den Protesten erhöhte sich auf vier, nachdem ein Polizist in Adana bei einem Einsatz gegen Demonstranten von einer Brücke in den Tod gestürzt war. Laut dem türkischen Ärztebund wurden bei den Protesten auch bereits über 4000 Menschen verletzt.

Die Polizei setzte in der Hauptstadt Ankara in der Nacht zerneut Tränengas gegen Demonstranten ein. In der Stadt Rize am Schwarzen Meer kam es zudem zu Zusammenstössen zwischen Anhängern und Gegnern der AKP. Auch in der östlichen Provinz Tunceli gab es Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.

SDA/mrs

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