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Eine Million stolze Katalanen

Mehr als eine Million Menschen haben am Samstag in Barcelona für eine grössere Autonomie der spanischen Region Katalonien demonstriert.

Grossandrang in Barcelona: Über eine Million Katalanen fordern Eigenständigkeit.
Grossandrang in Barcelona: Über eine Million Katalanen fordern Eigenständigkeit.
Keystone

Mit der Kundgebung unter dem Motto «Wir sind eine Nation - Wir entscheiden» protestierten sie gegen ein Urteil des spanischen Verfassungsgerichts. Das hatte vor knapp zwei Wochen einige Artikel des katalanischen Autonomiestatuts gekippt. Angeführt wurde die Demonstration vom Regierungschef Kataloniens, dem Sozialisten José Montilla. Die Polizei sprach von rund einer Million Teilnehmern.

Die Demonstranten zogen mit katalanischen Fahnen durch das Zentrum der Mittelmeer-Metropole und skandierten Unabhängigkeitsparolen. «Adéu Espanya» (»Tschüss Spanien») war auf Transparenten zu lesen. Nicht alle Demonstranten forderten die Unabhängigkeit der wirtschaftsstärksten Region Spaniens, sondern die Aufhebung des Urteils des Verfassungsgerichts.

Wie die Verfassung eines Schweizer Kantons

Die Verfassungsrichter hatten unter anderem den - im Statut vorgesehenen - Aufbau eines katalanischen Justizsystems abgelehnt. Sie stuften es auch als verfassungswidrig ein, dass die katalanische Sprache in den Schulen und der Verwaltung einen Vorrang vor der spanischen bekommen soll.

In der am heftigsten umstrittenen Passage fällten die Richter eine salomonische Entscheidung: Die Einstufung Kataloniens als eine «Nation» liessen sie zwar gelten, sie stuften die Formulierung aber zu einer rhetorischen Formel «ohne rechtliche Bindung» herab.

Das Autonomie-Statut entspricht in etwa der Verfassung eines Schweizer Kantons. Es gewährt den 7,5 Millionen Katalanen grössere politische und finanzielle Eigenständigkeit gegenüber dem Zentralstaat. Es war bereits im September 2005 vom katalanischen Regionalparlament in Barcelona gebilligt worden.

2006 stimmten dann das spanische Parlament in Madrid sowie die katalanische Bevölkerung in einem Referendum zu. Die konservative Volkspartei (PP) hatte damals Verfassungsbeschwerde eingelegt. Sie argumentierte, das Statut bedrohe die Einheit Spaniens.

dapd/bru

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