Zum Hauptinhalt springen

Die Milliardärin, der Fotograf und der Minister

In der Bettencourt-Affäre geht es um einen erbitterten Familienstreit, um heimliche Tonbandaufnahmen, um Steuerflucht und um illegale Spenden für die Regierungspartei UMP. Im Mittelpunkt stehen folgende Figuren.

Françoise Bettencourt hatte sich monatelang einen erbitterten Familienstreit mit ihrer Mutter geliefert, weil sie die alte Dame als von Mitarbeitern und Beratern ausgebeutet ansah. 2011 erwirkte die Familie der Milliardärin schliesslich, dass diese unter Vormundschaft gestellt wurde.
Françoise Bettencourt hatte sich monatelang einen erbitterten Familienstreit mit ihrer Mutter geliefert, weil sie die alte Dame als von Mitarbeitern und Beratern ausgebeutet ansah. 2011 erwirkte die Familie der Milliardärin schliesslich, dass diese unter Vormundschaft gestellt wurde.
AFP
Die Vorwürfe der Tochter richten sich unter anderem gegen den Schriftsteller und Fotografen François-Marie Banier. Françoise Bettencourt beschuldigte ihn, ihre Mutter um fast eine Milliarde Euro in Form von Gemälden, Immobilien, Lebensversicherungen und Checks erleichtert zu haben.
Die Vorwürfe der Tochter richten sich unter anderem gegen den Schriftsteller und Fotografen François-Marie Banier. Françoise Bettencourt beschuldigte ihn, ihre Mutter um fast eine Milliarde Euro in Form von Gemälden, Immobilien, Lebensversicherungen und Checks erleichtert zu haben.
AFP
Abgeriegelt: Die Polize vor dem Büro von Patrice de Maistre, dem Vermögensverwalter von Bettencourt.
Abgeriegelt: Die Polize vor dem Büro von Patrice de Maistre, dem Vermögensverwalter von Bettencourt.
Keystone
1 / 7

Die Affäre um die 87-jährige L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt hält Frankreich seit Wochen in Atem. Die Justiz versucht derzeit, mit drei Vorermittlungsverfahren und einem Prozess etwas Licht in das Dickicht aus Verdächtigungen, Anklagen und Intrigen zu bringen. Es geht um einen erbitterten Familienstreit um das Milliardenerbe, um heimliche Tonbandaufnahmen aus der Villa der reichsten Frau Frankreichs, um Steuerflucht und um illegale Parteispenden für die Regierungspartei UMP. Im Mittelpunkt stehen diese Schlüsselfiguren:

LILIANE BETTENCOURT, deren Vermögen auf 17 Milliarden Euro geschätzt wird, lenkte jahrelang zusammen mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann André die Geschicke des Kosmetikimperiums L'Oréal. Der 87-Jährigen wird von ihrer Tochter vorgeworfen, sie sei nicht mehr zurechnungsfähig und lasse sich von ihren Beratern und Vertrauten ausnutzen. Die L'Oréal-Erbin soll zudem Steuern hinterzogen haben, indem sie 78 Millionen Euro in die Schweiz brachte und dem Fiskus eine Seychellen-Insel verschwieg. Eine Regierungskrise löste sie aus, weil sie auch illegal Geld an Präsident Nicolas Sarkozy und seine Partei gespendet haben soll - für den Wahlkampf 2007 angeblich allein 150.000 Euro.

FRANCOISE BETTENCOURT-MEYERS ist die einzige Tochter der L'Oréal-Milliardärin. Seit Dezember 2007 sprechen beide nicht mehr miteinander, sondern liefern sich einen juristischen und medialen Dauerkrieg. Auslöser war eine Klage der 57-jährigen Tochter, die dem Künstler François-Marie Banier vorwirft, die alte Dame schamlos auszunehmen. Die Tochter will deshalb ihre Mutter entmündigen lassen. Sie wolle ihre Mutter nur «schützen», versichert die Pianistin, deren Mann in der Konzernspitze arbeitet. Allerdings war es die Tochter, die der Polizei unlängst heimliche Tonaufnahmen übergab, aufgezeichnet im Hause ihrer Mutter. Seitdem jagt eine Enthüllung die nächste.

FRANCOIS-MARIE BANIER, der nun in Polizeigewahrsam genommen wurde, geht zusammen mit seinem Lebenspartner schon seit den 80er Jahren im Hause von Liliane Bettencourt ein und aus. Der charmante und unterhaltsame Fotograf, Schriftsteller und Salonlöwe soll es so zu beträchtlichem Reichtum gebracht haben: Tochter Bettencourt wirft dem 63-Jährigen vor, ihrer Mutter im Laufe der Zeit rund eine Milliarde Euro in Form von Gemälden, Lebensversicherungen und Bargeld aus der Tasche gezogen zu haben. Ein von der Bettencourt-Tochter angestrengter Prozess gegen Banier wurde jüngst vertagt, um die abgehörten Gespräche auswerten zu können.

PATRICE DE MAISTRE gilt als Strippenzieher im Hause Bettencourt. Der Vermögensverwalter der Milliardärin, der auch in Polizeigewahrsam genommen wurde, soll sowohl den Steuerbetrug organisiert als auch illegale Parteispenden in Briefumschlägen übergeben haben. Auf den heimlich aufgenommenen Tonbändern soll zudem zu hören sein, dass er engen Kontakt zu Regierungspolitikern und zu Sarkozys Umfeld hielt. Der 61-Jährige, der sich seit 2003 um die Anlage des L'Oréal-Gewinns kümmert, bestreitet alle Vorwürfe. Vor allem die 150.000 Euro für den Wahlkampf des Präsidenten will er nicht übergeben haben.

ERIC WOERTH, Arbeitsminister Sarkozys, soll nicht nur die Grossspende aus dem Hause Bettencourt für den Wahlkampf 2007 entgegengenommen haben. Wegen der Affäre musste der 54-Jährige inzwischen seinen Posten als Schatzmeister der Regierungspartei UMP räumen - die Vorwürfe bestreitet aber auch er. Zudem wird ihm vorgehalten, er habe als früherer Haushaltsminister die Steuerhinterziehung von Bettencourt gedeckt. Seine Entlastung in einem Bericht des Finanzministeriums sieht die Opposition als Farce an; sie fordert eine unabhängige Untersuchung der Justiz.

AFP/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch