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Der Verlust eines zweiten Empires: Der Niedergang von BP

BP steht für den globalen Einfluss, den Grossbritannien auch auf politischer Ebene sucht. Für viele Briten ist BP ein Empire für sich. Und jetzt zeichnet sich ein bitteres Ende ab.

Als BP noch die englische Aussenpolitik mitbestimmte: Tony Blair mit Muammar al-Ghadhafi nach Abschluss des BP-Deals mit Libyen 2007.
Als BP noch die englische Aussenpolitik mitbestimmte: Tony Blair mit Muammar al-Ghadhafi nach Abschluss des BP-Deals mit Libyen 2007.
Reuters

Die Beziehung zwischen BP und Her Majesty's Government gilt traditionell als eng. Vor allem unter der Regierung von Tony Blair (1997-2007) lagen die Interessen beider Seiten so nah beieinander, dass manche Kritiker BP mit «Blair Petroleum» übersetzten. Nach Blairs Rücktritt wurde darüber spekuliert, dass er zu BP wechseln könnte.

Seit den Tagen der East India Company, die im 18. Jahrhundert in enger Zusammenarbeit mit dem britischen Staat das Kolonialreich in Indien aufbaute, gilt auf der Insel der Satz: «Der Handel folgt der Flagge.»

Im Fall von BP sei das jedoch genau umgekehrt, sagte einmal Lord Browne, der BP ganze zwölf Jahre lang führte - von 1995 bis 2007. Als BP zum Beispiel zur Erschliessung von Ölreserven nach Aserbaidschan gegangen sei, habe der erste diplomatische Vertreter Grossbritanniens sein Büro bei BP angemietet.

Konzernsitz nahe Downing Street

Im vergangenen Jahr räumte der damalige Justizminister Jack Straw offen ein, dass bei der Entscheidung über das Schicksal des später freigelassenen libyschen Lockerbie-Attentäter Ölgeschäfte eine Rolle gespielt hätten. «Ja, das beinhaltete auch Handelsgeschäfte (...) und danach gab es den BP-Deal», sagte Straw mit Blick auf einen für BP sehr lukrativen Fördervertrag mit Libyen.

Bezeichnenderweise hat BP seinen Hauptsitz auch nicht etwa in der City of London, dem Finanzviertel, wo sonst alle Grossen ihre Glastürme gebaut haben. BP residiert vornehm am St James's Square in Westminster, ganz in der Nähe von Downing Street und Parlament.

Im britischen Leben ist der Konzern sehr präsent, unter anderem dank dem dichten Tankstellennetz. Dann gibt es natürlich ganz handfeste Interessen. So gehört BP der grösste Teil der britischen Energie-Infrastruktur, darunter ein Leitungssystem, das über 50 Öl- und Gasfelder in der Nordsee verbindet.

Kritiker warnen

All das sind gute Gründe, diese Kronjuwelen nicht in die Hand der Amerikaner fallen zu lassen. Zumal Aussenminister William Hague gerade erst in einer Grundsatzrede die Notwendigkeit einer britischen Führungsrolle in der Welt unterstrichen hat.

Kritiker, die diesen Anspruch seit langem anprangern, sehen hingegen Parallelen zwischen BP und den grossen britischen Banken, die sich ebenfalls zu Global Players aufschwangen und dann in der Finanzkrise vom Staat gerettet werden mussten.

Grossbritannien habe sich schon zu lange eingeredet, dass es oberhalb seiner Gewichtsklasse mitboxen könne, kritisierte am Montag die «Guardian»-Kolumnistin Madeleine Bunting: «Wir sollten uns vor Grössenwahn tunlichst hüten.»

SDA/mt

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