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Der Papst ist geschockt

In der schwelenden Korruptionsaffäre im Vatikan ist es zu einer Festnahme gekommen: Dem Kammerdiener des Papstes wird ein Anschlag auf die Sicherheit des Pontifex vorgeworfen.

Korruptionsvorwürfe in Vatikanstadt: Der St. Petersplatz in Rom während der Seligsprechung von Johannes Paul II. (1. Mai 2011)
Korruptionsvorwürfe in Vatikanstadt: Der St. Petersplatz in Rom während der Seligsprechung von Johannes Paul II. (1. Mai 2011)
AFP

Papst Benedikt XVI. hat nach Angaben aus seinem Umfeld «betrübt und geschockt» auf die neuesten Enthüllungen in der Affäre um die Weitergabe vertraulicher Vatikan-Dokumente an die Medien reagiert.

Die Festnahme eines Verdächtigen, bei dem es sich Medienberichten zufolge um den Kammerdiener des Papstes handeln soll, sei eine «schmerzhafte» Entwicklung, zitierten ihn italienische Medien unter Berufung auf einen Vertrauten.

Vatikansprecher Federico Lombardi hatte die Festnahme in der Affäre, die in Anlehnung an die Enthüllungswebseite Wikileaks «Vatileaks» genannt wird, am Freitag bekanntgegeben. Der Mann war demnach im Besitz geheimer Dokumente, einen Namen nannte Lombardi jedoch nicht.

Zugang zu den Privaträumen des Papstes

Wie die Zeitung «Il Foglio» und die Nachrichtenagentur ANSA berichteten, handelt es sich bei dem Festgenommenen um den Kammerdiener des Papstes, den 46-jährigen Paolo Gabriele.

Gabriele arbeitet seit 2006 für den Papst. Neben vier Nonnen und den beiden Privatsekretären Georg Gänswein und Alfred Xuereb ist er einer der wenigen Vertrauten, die Zugang zu den Privaträumen des Papstes haben.

Gabriele werde ein «Anschlag auf die Sicherheit des Papstes» vorgeworfen, weil er vertrauliche Dokumente, unter anderem persönliche Briefe an den Heiligen Vater, weitergegeben habe, berichtete die römische Tageszeitung «La Repubblica» heute.

Bis zu drei Jahrzehnte Haft

Dies könnte ihm laut vatikanischem Recht bis zu drei Jahrzehnte Haft einbringen. Gabriele, der verheiratet und Vater von drei Kindern ist, verbrachte die Nacht in einer Zelle, in der üblicherweise Schweizergardisten bei Vergehen vernommen werden.

In einigen Unterlagen, die Gabriele an die Medien weitergegeben haben soll, geht es angeblich um Vorwürfe der Korruption, des Missmanagements, der Günstlingswirtschaft und um Kritik an der Führung der Vatikan-Bank IOR.

Seit Jahrhunderten war im Vatikan niemand verhaftet worden. «Der Skandal droht Benedikts Pontifikat stark zu belasten», kommentierte die römische Zeitung «La Repubblica».

Spekulationen über Machtkampf

In den vergangenen Monaten waren aus dem Vatikan vertrauliche Dokumente an die Medien durchgesickert. So wurden etwa interne Informationen über ein angebliches Mordkomplott gegen den Papst und das Finanzgebaren der Vatikanbank IOR bekannt.

Der Vatikan hatte die Veröffentlichungen scharf kritisiert. Italienische Medien hatten über einen Machtkampf innerhalb der Spitze der Kurie spekuliert. Der Vatikan prangerte auch ein Buch mit dem Titel «Sua Santità» (Seine Heiligkeit) an, das vor einer Woche erschienen war und mehrere Dokumente aus dem Kirchenstaat enthält. Der Autor, der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi, hatte in den Medien stets betont, seine «Quellen» handelten aus Überzeugung.

Bei den internen Dokumenten des Vatikans, die an die Medien weitergegeben worden waren, ging es auch um Korruptionsvorwürfe.

Vatikanbank im Fokus der Vorwürfe

Im Fokus dieser Vorwürfe standen meist die Vatikanbank und Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, die Nummer zwei nach dem Papst. Am Donnerstag war Vatikanbank-Chef Ettore Gotti Tedeschi zurückgetreten.

Wie das Pressebüro des Vatikans damals mitteilte, genügte Gotti Tedeschi nicht den «grundlegenden Anforderungen» seines Amts. Ungeachtet wiederholter Ermahnungen habe sich die «Lage noch verschlechtert». Die Vorstandsmitglieder erfülle der Schritt mit «Trauer», er sei aber wichtig, um die «Vitalität» der Bank zu bewahren.

Verdacht der Geldwäscherei

Für die Nachfolge Gotti Tedeschis werde jemand gesucht, der wieder «wirksame und umfangreiche Beziehungen» zwischen der Bank und der Finanzgemeinschaft aufbauen könne. Diese sollten auf «gegenseitigem Respekt und international akzeptierten Bank- Standards» beruhen, hiess es in der Mitteilung weiter.

Gotti Tedeschi, ein Experte für Finanzethik, stand seit 2009 an der Spitze der auch als Institut für religiöse Werke (IOR) bekannten Vatikanbank. Der frühere Italien-Chef der spanischen Santander-Bank sollte die Konten der Vatikanbank in Ordnung bringen und das IOR vom Ruch zwielichtiger Geschäfte befreien.

Doch schon 2010 leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Gotti Tedeschi ein. Er und ein weiterer Bankmanager stehen unter dem Verdacht, bei Finanztransaktionen die Namen der wahren Auftraggeber verschwiegen und damit gegen ein Gesetz gegen Geldwäsche verstossen haben. Beide bestreiten die Vorwürfe.

SDA/kle/rbi

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