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Der höchste Autofahrer Deutschlands muss gehen

Dem Präsidenten des grössten Automobilclubs Europas wird ein Manipulationsskandal zum Verhängnis. Er kommt mit seinem Rücktritt einer Absetzung zuvor.

Glaubt an den eingeleiteten Reformprozess: Der zurückgetretene ADAC-Präsident. (23. August 2013)
Glaubt an den eingeleiteten Reformprozess: Der zurückgetretene ADAC-Präsident. (23. August 2013)
AFP

Die Führung des deutschen Automobilclubs ADAC hat ihren seit dem Manipulationsskandal in der Kritik stehenden Präsidenten Peter Meyer gestürzt: Nachdem das ADAC-Präsidium am Montag ein Suspendierungsverfahren gegen den 64-Jährigen einleitete, erklärte dieser seinen Rücktritt.

Der ADAC steht seit Bekanntwerden von Manipulationen beim Autopreis «Gelber Engel» in der Kritik. Der seit 2001 amtierende Meyer hatte ursprünglich einen Rücktritt wegen der Affäre abgelehnt und stattdessen eine umfassende Reform des Vereins angekündigt. Inzwischen wurden weitere Vorwürfe gegen den ADAC laut, etwa wegen der Nutzung von vereinseigenen Rettungshubschraubern für Dienstreisen des Präsidiums.

«Zum Schutz der Familie»

In einer vom Präsidium und Verwaltungsrat des grössten europäischen Automobilclubs verbreiteten Erklärung heisst es, Meyer sei in besonderem Masse für die Kommunikation und Aussenwirkung des Clubs verantwortlich gewesen. «Angesichts der aktuellen Vertrauenskrise und der erschütternden Ergebnisse der aktuellen Krisenaufarbeitung» sei ein Suspendierungsverfahren beschlossen worden. Dieser Suspendierung kam Meyer mit seinem sofortigen Rücktritt zuvor.

Meyer ging in seiner Rücktrittserklärung nicht auf das Suspendierungsverfahren ein. Er begründete seinen Rücktritt mit der fehlenden vereinsinternen Unterstützung. «Wenn die Gremien in Krisen eine Gefolgschaft nicht leisten, kann es keine strukturellen und unternehmenskulturellen Veränderungen im ADAC geben.» Er glaube an den vorgestellten Zehn-Punkte-Plan zur Reform des Clubs, betonte Meyer.

Der Ex-Präsident stritt weiter jede Verantwortung für die Skandale ab. Es handle sich um «Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften». Dafür wolle er nicht weiter alleine verantwortlich gemacht werden. In seiner Erklärung heisst es, die Angriffe und Diffamierungen seiner Person belasteten nicht nur den ADAC, sondern auch seine Familie. Die Entscheidung zum Rücktritt sei von ihm «allein und sorgfältig überlegt» gefällt worden.

Untersuchung bestätigt Manipulation

Die vom ADAC beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hat am Montag die Manipulationen beim ADAC-Autopreis «Gelber Engel» bestätigt. Die Teilnehmerzahl bei der Wahl zum Lieblingsauto 2014 sei manipuliert worden, zudem stimme die Reihenfolge der Fahrzeugmodelle nicht mit den Ergebnissen der Preisverleihung vom 16. Januar überein, teilte Deloitte mit. Es gebe «klare Anhaltspunkte dafür, dass ähnliche Veränderungen auch in den Vorjahren vorgenommen worden seien.

Die Manipulationen seien ein schwerer Schlag für den ADAC, erklärte Geschäftsführer Karl Obermair. «Wir sind fassungslos, dass dies in unserem Haus passieren konnte.» Obermair entschuldigte sich bei Herstellern, Mitarbeitern und Mitgliedern und bekräftigte, dass es die Auszeichnung «Gelber Engel» nicht mehr geben wird.

AFP/ldc/ajk

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