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Computernetz des Bundestages ist wohl komplett zerstört

Nach einer Cyberattacke kann die Sicherheit des Bundestags-Netzwerks nicht mehr garantiert werden. Es droht der Totalschaden.

Nach Cyberattacke noch immer verletzlich: Das deutsche Reichstagsgebäude in Berlin. (15. Mai 2015)
Nach Cyberattacke noch immer verletzlich: Das deutsche Reichstagsgebäude in Berlin. (15. Mai 2015)
Gregor Fischer, Keystone

Hacker haben das Computer-Netzwerk des deutschen Bundestages so schwer verseucht, dass es wohl nicht mehr gesäubert werden kann. Über die Dimension der Computer-Spionageattacke herrscht auch vier Wochen nach ihrer Entdeckung Mitte Mai noch immer Unklarheit.

Die in das Bundestags-Netzwerk Parlakom eingeschleusten Trojaner seien noch aktiv, bestätigte ein Bundestags-Experte, der ungenannt bleiben wollte, der Nachrichtenagentur dpa. Zudem könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Schadsoftware auch nach längerer Inaktivität wieder auftauche.

NDR, WDR und «Süddeutsche Zeitung» hatten berichtet, das Parlament müsse sein gesamtes Computer-Netzwerk neu aufbauen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Netz nicht mehr gegen den Angriff verteidigt werden könne und aufgegeben werden müsse. Einem Bericht von «Spiegel Online» zufolge fliessen noch immer Daten in unbekannter Richtung ab.

Hauptsächlich Software betroffen

Dem oder den Angreifern ist es offenbar gelungen, den sogenannten Verzeichnisdienst des Bundestages zu übernehmen: In dem Dienst werden die Parlamentsrechner, insgesamt mehr als 20'000 Stück, als Netzwerk organisiert. Der oder die Hacker hätte somit Zugriff auf beliebige Systeme des Bundestages sowie auf alle Zugangsdaten der Fraktionen, Abgeordneten und Bundestagsmitarbeiter.

«Es handelt sich um den bisher grössten Cyberangriff auf den Bund, auf das deutsche Parlament», sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der christdemokratischen Fraktion, Bernhard Kaster. «Es geht im Wesentlichen um Software», ergänzte er.

Computersysteme und Server müssten zumindest in Teilen neu aufgesetzt werden. «Das darf aber nicht verwechselt werden mit einem kompletten Austausch der Hardware», betonte Kaster.

Von anderer Seite hiess es dagegen, es sei keineswegs ausgeschlossen, dass am Ende doch die komplette Hardware ausgetauscht werden müsse. Dies würde Monate dauern und Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe verursachen.

Diskussion um Einbindung von Verfassungsschutz

Kaster warnte die Opposition aus Linksfraktion und Grünen davor, den Cyberangriff parteipolitisch zu instrumentalisieren. «Das ist kein Thema, dass sich zum Politisieren eignet», sagte er. Es bestehe unter den Fraktionen Konsens, dass auch die Kompetenz des Verfassungsschutzes bei den Ermittlungen stärker als bisher eingebunden werden müsse.

Der Ältestenrat des Parlaments wollte sich am Nachmittag unter anderem mit der Frage befassen, ob das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) intensiver als bisher in die Ermittlungen eingebunden wird.

«Östliche Geheimdienstkreise»

Das BfV (Inlandsgeheimdienst) ist für Spionageabwehr zuständig. Bisher gab es vor allem in der Opposition zum Teil grosse Bedenken gegen eine intensivere Einbeziehung des BfV. Hintergrund sind Sorgen, dass die Verfassungsschützer interne Mails von Abgeordneten mitlesen könnten.

Im Ältestenrat sind alle Fraktionen vertreten, unter anderem ist das Gremium dazu da, den Bundestagspräsidenten zu unterstützen und Streitigkeiten zwischen den Fraktionen auszuräumen.

Unterdessen verdichten sich laut «Spiegel online» Hinweise, dass die Spur der Cyberattacke in «östliche Geheimdienstkreise» führt. Experten lägen Anhaltspunkte dafür vor, dass der russische Auslandsnachrichtendienst SWR hinter der Spähaktion stecke.

SDA/chk

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