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1:0 für Athens Putzfrauen

Erst waren die Putzfrauen des griechischen Finanzministeriums weggespart worden. Unter der neuen Regierung Tsipras feiern sie nun ihre Wiedereinstellung.

thu
Rund 300 Frauen wollen in ihren alten Job zurückkehren: Putzfrauen der griechischen Finanzbehörden feiern den Entscheid der neuen Regierung. (28. Januar 2015)
Rund 300 Frauen wollen in ihren alten Job zurückkehren: Putzfrauen der griechischen Finanzbehörden feiern den Entscheid der neuen Regierung. (28. Januar 2015)
Louisa Gouliamaki, AFP

Proteste, Prozesse und Prügel von der Polizei - die 595 Putzfrauen, die vor gut einem Jahr von den griechischen Finanzbehörden gefeuert wurden, haben einen langen Kampf für ihre Wiedereinstellung hinter sich. Trotz aller Einschüchterungsversuche setzten sie sich mit täglichen Demonstrationen gegen ihre fristlose Kündigung zur Wehr.

Und die Mühen waren nicht umsonst: Die neue Regierung unter dem Linkspolitiker Alexis Tsipras verkündete am Mittwoch ihre Wiedereinstellung und sorgte damit für Jubelschreie und Tränen der Freude. «Es gibt noch Gerechtigkeit! Für die Troika waren wir Bauernopfer. Aber wir haben Mut und Kampfeswillen gezeigt», ruft eine der Putzfrauen, Katerina Kapodistria.

Im September 2013 waren sie von einem Tag auf den anderen fristlos gefeuert worden. Damit erfüllte die Regierung des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras Auflagen der Troika aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und Europäischer Union zur Verschlankung des Staatsapparats.

Tägliche Demonstrationen

Seit der Entlassung demonstrierten etliche der Reinigungskräfte täglich vor dem Finanzministerium im Zentrum von Athen. Im Laufe der Zeit wurde ihre Aktion zu einem der am meisten beachteten Arbeitskämpfe in Griechenland. Solidaritätsgruppen im In- und Ausland unterstützten die zwischen 45 und 65 Jahre alten Frauen, die ihrer einzigen Einnahmequelle beraubt wurden. Es gab sogar Berichte, der sozialkritische britische Filmregisseur Ken Loach wolle einen Film über die kämpferischen Frauen drehen.

Auch Tsipras' Partei Syriza stellte sich hinter die Reinigungskräfte. Diese betrieben eine eigene Website mit ihrem Symbol, der zur Faust geballten Hand in einem roten Gummihandschuh. Bei den zahlreichen Solidaritätsdemonstrationen brachten sie Eimer und Besen mit. Im Mai 2014 richteten die Frauen dann ein Zeltlager vor dem Finanzministerium ein.

Von Polizisten verprügelt

Im selben Monat hatten sie vor Gericht ihre Wiedereinstellung erstritten. Die Richter machten unter anderem geltend, dass sich das Ministerium mittlerweile privater Subunternehmen bediene, deren Reinigungsleistung weniger gut und zudem teurer sei. Gegen das Urteil ging der griechische Staat in Berufung. Der Oberste Gerichtshof in Athen entschied im Juni, dass das Ministerium die Frauen zumindest bis zur Entscheidung über die Berufungsklage nicht weiter beschäftigen müsse.

Die Frauen setzten ihren Kampf fort und waren zunehmend Repressalien ausgesetzt. Bilder von Bereitschaftspolizisten, die vor dem Ministerium wehrlose 50- und 60-jährige Frauen zum Teil spitalreif prügelten, gingen um die Welt.

«Mit Ungehorsam wird Geschichte geschrieben»

Jetzt feiern die Kämpferinnen in ihrem improvisierten Zeltlager unter einem Che-Guevara-Porträt ihren Sieg. «Mit Ungehorsam wird Geschichte geschrieben», ruft eine von ihnen in ein Megafon. Der Syriza-Finanzminister Giannis Varoufakis stellt eine sofortige Reduzierung der Ausgaben seines Ministeriums in Aussicht, um die Wiedereinstellung der Putzfrauen zu ermöglichen. «Von der neuen Regierung erhoffen wir uns ein besseres Leben für die Ärmsten», sagt Lilly Giannaki, die nun auch wiedereingestellt werden dürfte.

Insgesamt wollen rund 300 Frauen in ihren alten Job zurückkehren. Die anderen sind in Rente oder haben eine andere Arbeitsstelle gefunden. Als der Wirtschaftswissenschaftler und Autor Varoufakis im einfachen Hemd und mit Rucksack als Nachfolger seines konservativen Vorgängers Gikas Chardouvelis das Finanzministerium betritt, ist er der erste Finanzminister, den die unbeugsamen Frauen nicht ausbuhen. Und Polizei ist auch erstmals nicht zu sehen.

(SDA)

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