Die Unschuld von Jena

Beate Zschäpe stellt sich im NSU-Prozess besonders gut dar. Für wie blöd hält sie das Gericht eigentlich?

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Dominique Eigenmann@eigenmannberlin

Jeder Angeklagte hat das Recht, sich vor Gericht im günstigsten Licht darzustellen. Zweieinhalb Jahre lang hat die rechtsextreme Terroristin Beate Zschäpe geschwiegen. Nun, da sie sah, dass das Gericht sich anschickt, sie zur Höchststrafe zu verurteilen, liess sie ihren Anwalt den rosa Scheinwerfer anwerfen. Vorgeführt bekam das Publikum viele Beschönigungen und Lügen, die weder Gericht noch Öffentlichkeit milder stimmen werden – im Gegenteil.

Die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund habe es nie gegeben

Zschäpe inszenierte sich nicht ohne Weinerlichkeit als Unschuld von Jena, die an den schrecklichen Taten ihrer zwei bösen Uwes, Mundlos und Böhnhardt, in keiner Weise beteiligt gewesen sei und immer alles erst im Nachhinein gewusst habe, als es zu spät gewesen sei. Sie habe ihre geliebten Uwes nicht daran hindern können, zehn Menschen zu töten, sie habe aber auch nicht begriffen, welches Motiv sie für die Morde überhaupt gehabt hätten. Die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) habe es nie gegeben, also habe sie auch nicht ihr Mitglied gewesen sein können.

Mit Verlaub: Für wie blöde hält Zschäpe das Gericht eigentlich? Nach dem Bild, das Dutzende von Zeugen von ihr gezeichnet haben, war Zschäpe alles andere als ein willenloses Liebchen zweier schwerer Jungs. Sie fiel vielmehr als selbstbewusste Manipulatorin auf, als geschickte Logistikerin und als hartgesottene Nationalsozialistin. Mit Böhnhardt und Mundlos bildete sie eine Gemeinschaft auf Leben und Tod. Sie unterstützte deren Gewaltbereitschaft nicht nur, sondern organisierte sie. Sie half mit, Türken zu töten – für dieses Urteil hat die Anklage in 248 Verhandlungstagen, während derer Zschäpe schwieg, überzeugende Belege zusammengetragen.

Nichts von dem, was Zschäpe nun hat verlauten lassen, wird ihr vor Gericht helfen, und die Öffentlichkeit glaubt ihr sowieso nicht. Ihre hohle Entschuldigung an die Adresse der Opferangehörigen aber klang wie eine letzte Verhöhnung. Von einer Täterin, über deren rassistische Verachtung auch ein Lächeln nicht hinwegtäuscht.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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