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Die grosse Austrittsfeier sorgt für Misstöne

Die Brexit-Befürworter planen für den Freitag ein rauschendes Fest. Das spalte die Bevölkerung noch mehr, monieren Kritiker.

Peter Nonnenmacher, London
Er geht mit bestem Beispiel voran: Nigel Farage demonstriert kurz vor dem Brexit seine gute Laune. Foto: Yves Herman (Reuters)
Er geht mit bestem Beispiel voran: Nigel Farage demonstriert kurz vor dem Brexit seine gute Laune. Foto: Yves Herman (Reuters)

An diesem Freitag ist es den ­Brexit-Anhängern egal, wie «der anderen Hälfte» ihrer ­Landsleute zumute ist. Partys, Lichtshows und ein gemeinsames Liedersingen sind geplant, um den Abgang aus der EU zu bejubeln. Weithin im Land sollen die Kirchenglocken läuten. Allein auf dem Westminster Square – dem Platz, auf dem sich fast vier Jahre lang Pro- und Anti-Europäer mit ihren Megafonen drängten, soll es hoch hergehen in der Nacht zum Samstag. Zehntausende werden zu einer Ver­anstaltung erwartet, die Mister Brexit Nigel ­Farage mit Gleichgesinnten organisiert.

Das EU-Parlament singt den Briten zum Abschied ein Lied. Video: Storyful

Feuerwerke wurden den Farage-Anhängern zwar nicht erlaubt. Aber vor dem Parlament soll getanzt und gesungen, sollen Union Jacks geschwungen und «kleine Ansprachen» gehalten werden. Gäste wurden aufgefordert, Ruhmeslieder zu Ehren des Brexit vorzutragen. Musikkapellen und ­Komödianten sind eingeladen. Umgerechnet 126'000 Franken soll das Ganze kosten. «Gut gelaunt» und «optimistisch» soll die Brexit-Party nach den Worten Farages werden: «Und ganz und gar ohne politische Tendenz.»

Öffentliche Gebäude sollen in den Landesfarben erstrahlen

Letztere Behauptung nimmt ihm kaum jemand ab. In einer bis heute zutiefst gespaltenen Bevölkerung stösst das Verlangen der Hardliner nach landesweiter Feierlaune und nationalem Glockengeläut auf der Gegenseite aufscharfe Ablehnung. «Die Kirchen­glocken für so etwas zu läuten, würde uns nur weiter entzweien», sagte kürzlich der Bischof von Buckingham, Alan Wilson. Zu einer regelrechten Farce geriet jedenfalls die Forderung des ­Tory-Abgeordneten Mark Francois, der Glockenturm über dem Parlament, Big Ben, müsse «die neue Freiheit einläuten». Wie sich herausstellte, hätte dazu der gerade im Umbau befindliche Glockenstuhl für Hunderttausende von Franken speziell ­hergerichtet und der Umbau gestoppt werden müssen – für eine Minute Glockenschlag.

Premier Boris Johnson hielt es noch vor wenigen Wochen in der ihm eigenen unbekümmerten Art für denkbar, dass eine private Spendenaktion das nötige Geld aufbringen könnte. Aber irgendwelche Pläne, so eine Aktion umzusetzen, hatte er nicht.

In aller Eile stellte der Regierungschef, um die eigene ­Rechte zu beschwichtigen, ein Alternativprogramm auf die Beine. Nun sollen am Freitag öffentliche Gebäude blau-weiss-rot angestrahlt und an der Prachtstrasse der Mall hinauf zum Buckingham-Palast Fahnen aufgezogen werden.

«We love the UK»

Johnson selbst will zu gegebenem Zeitpunkt eine ­Ansprache halten. Vor der Regierungszentrale wird eine Uhr installiert, die die letzten Minuten bis 23 Uhr, bis zum Austrittszeitpunkt nach britischer Zeitrechnung, herunterzählt.

Die Gefühlswogen, die der Brexit ausgelöst hat, dürften an den Klippen von Dover am deutlichsten abzulesen sein. Pro-Europäer wollen dort ein riesiges Schild aufstellen mit der Aufschrift «We still love EU» – also: «Wir lieben die EU/euch immer noch». Die Brexiteers wollen kontern mit einem noch gigantischeren Schild mit den Worten: «We love the UK», «Wir lieben das eigene Land».

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