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Ghadhafis ehemaliger Justizminister ist Libyens neuer Hoffnungsträger

Mustafa Abdel-Jalil heisst der Regierungschef, den die libysche Opposition ernannt hat. Wer ist dieser Mann, und was hat man von ihm zu erwarten? Die Antworten hat Saleh Magdub von «Human Rights Solidarity».

Herr Magdub, seit Tagen verfolgen Sie zusammen mit anderen Menschenrechtsaktivisten die Entwicklungen in Libyen von Olten aus und koordinieren die Hilfe im Land. Nun ist bekannt, dass Mustafa Abdel-Jalil die Führung in Libyen übernehmen soll. Wer ist dieser Mann? Der ehemalige Justizminister Abdel-Jalil kommt aus dem Osten des Landes, genauer aus der Stadt El Bieda. Er geniesst in Libyen grosses Vertrauen in der Bevölkerung und ist sehr beliebt. Abdel-Jalil war rund drei Jahre als Minister im Ghadhafi-Regime tätigt und trat als erster Minister von seinem Amt zurück, als die Demonstrationen vergangene Woche vom Regime blutig niedergeschlagen wurden. Er hat als erster den Einsatz von Waffen gegen die Bevölkerung offiziell missbilligt und sich auf die Seite der Aufständischen geschlagen.

Warum geniesst ausgerechnet ein ehemaliger Minister Ghadhafis Vertrauen in der Bevölkerung? Weil er sich bereits in seinem Amt vor dem Parlament gegen Ghadhafi ausgesprochen hat. Er war eine der liberalen Kräfte in der Regierung und hat sich als Justizminister für die Familien der 1200 Menschen eingesetzt, die in libyschen Gefängnissen ums Leben kamen. Ausserdem hat er den Angeklagten die Möglichkeit gegeben, vor Gericht zu gehen. Das war unter Ghadhafi keine Selbstverständlichkeit. Unter anderem hat Abdel-Jalil dafür gesorgt, dass zu Unrecht Verurteilte hohe Entschädigungssummen vom Staat erhalten haben. Natürlich konnte man unter Ghadhafis Führung nicht alles machen. Aber was möglich war, hat er getan.

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