Zum Hauptinhalt springen

Der Vorreiter des Aufstandes

Mustafa Abdel Jalil empfiehlt sich als der Mann, der dereinst ein demokratisches Libyen führen könnte. Bereits als Justizminister unter Ghadhafi tat er nicht alles, was der Diktator von ihm verlangte.

Der Chef der libyschen Opposition, Mustafa Abdel Jalil trifft am 20. April 2011 auf den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und lädt ihn zu einem Besuch in die Rebellenhochburg Benghazi ein.
Der Chef der libyschen Opposition, Mustafa Abdel Jalil trifft am 20. April 2011 auf den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und lädt ihn zu einem Besuch in die Rebellenhochburg Benghazi ein.
Keystone
Auch der italienische Aussenminister Franco Frattini nimmt am Treffen in Paris teil. Nach Grossbritannien haben nun auch Frankreich und Italien Offiziere nach Libyen geschickt.
Auch der italienische Aussenminister Franco Frattini nimmt am Treffen in Paris teil. Nach Grossbritannien haben nun auch Frankreich und Italien Offiziere nach Libyen geschickt.
Keystone
Jalil empfängt in seiner früheren Amtsposition als  Justizminister des Ghadhafi-Regimes den Präsidenten von Simbabwe, Robert Mugabe am Flughafen von Sirte, Libyen am 30. Juni 2009.
Jalil empfängt in seiner früheren Amtsposition als Justizminister des Ghadhafi-Regimes den Präsidenten von Simbabwe, Robert Mugabe am Flughafen von Sirte, Libyen am 30. Juni 2009.
Keystone
1 / 4

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy war der erste, der sich trotz seiner langen und guten Kontakte offiziell vom libyschen Machthaber Muammar al-Ghadhafi abwandte und den Übergangsrat von Mustafa Abdel Jalil als rechtmässige Vertretung Libyens anerkannte. Damit empfahl dieser sich als der Mann, der einmal ein freies und demokratisches Libyen führen könnte.

Dabei war Jalil drei Jahre lang Ghadhafis Justizminister. Schon in dieser Zeit tat er nicht alles, was der für die blutige Unterdrückung seiner Gegner bekannte Revolutionsführer von ihm verlangte. So zeigte der Jurist sich bereit, Gefangene aus dem berüchtigten Gefängnis Abu Salim freizulassen, das allerdings nicht seinem Ministerium, sondern dem Geheimdienst unterstand.

Der «unabhängigste Geist der Regierung»

Sie habe den Minister 2009 gefragt, ob in der Anstalt tatsächlich 330 Häftlinge ohne jede rechtmässige Grundlage einsässen, erinnert sich Heba Morayef von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Jalil habe das bestätigt. «Er hat uns beeindruckt, denn er war wirklich ein ehrenwerter Mann», sagt Morayef der Nachrichtenagentur AFP.

Jalil sei als Minister wahrscheinlich der «unabhängigste Geist der Regierung» gewesen, meint auch Malcolm Smart, Leiter der Nahost- und Nordafrikaabteilung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. «Sicher war er drei Jahre lang Minister einer Regierung mit einer langen Geschichte von Menschenrechtsverletzungen. Dennoch scheint er, als er im Amt war, auf eine Verbesserung hingearbeitet zu haben», fasst Smart die Amtszeit Jalils zusammen.

Vorreiter des Aufstands

Mit seinem Einsatz für die Gefangenen von Abu Salim war Jalil bereits vor Jahren eine Art Vorreiter des Aufstands gegen Ghadhafi. Denn die berüchtigte Haftanstalt war es, die schliesslich im Februar die Proteste auslöste: Demonstranten forderten die Freilassung eines Anwalts von Familien, deren Angehörige 1996 bei einer Schiesserei in dem Gefängnis ums Leben kamen.

Im Januar 2010 waren die Zustände in Abu Salim auch der Grund für den Minister, sein Amt aufzugeben. Bei der Jahrestagung des Parlaments, die vom Fernsehen übertragen wurde, kündigte er seinen Rücktritt an. Wegen «Behinderung» durch den Staatsapparat könne er die unschuldigen Gefangenen von Abu Salim nicht freilassen, sagte er damals.

Sarkozy, der Hoffnungsträger der Opposition

Doch Ghadhafi verweigerte dem Reformer den Abgang, der dann erst ein Jahr später erfolgte. Als Ghadhafis Truppen in der Rebellenhochburg Benghazi auf friedliche Demonstranten schossen, wechselte Jalil Mitte Februar endgültig die Seite. Er gründete zusammen mit anderen den Nationalen Übergangsrat als Organisation für die Kräfte der Opposition.

Seither wirbt er im Ausland unermüdlich um Anerkennung des Rates und um Waffen für die Rebellen. «Gebt uns die Mittel, uns zu befreien, und wir werden die Welt in Erstaunen versetzen», forderte er jüngst wieder. Seine Hoffnungen setzt er insbesondere in Sarkozy, den er am Mittwoch nach Bengasi einlud.

«Sehr wichtig für die Moral der Revolution»

Sarkozy könnte seine Unterstützung für die libysche Opposition bald vor Ort unter Beweis stellen. Der libysche Oppositionsführer Mustafa Abdel Jalil lud den französischen Präsidenten in die Rebellenhochburg Bengasi ein. «Ich glaube, das ist sehr wichtig für die Moral der Revolution», sagte Jalil nach einem dreistündigen Treffen mit dem Staatschef in Paris.

Erneut lobte der 59-Jährige die «mutige Entscheidung» Sarkozys, die Aufständischen in Libyen zu unterstützen. Seit vier Wochen fliegt eine internationale Allianz, die Frankreich geschmiedet hatte, Angriffe auf Ghadhafis Truppen. Jalil versprach, nach dem Abgang Ghadhafis einen demokratischen Staat aufzubauen, in dem der Präsident vom Volk gewählt werde.

AFP/lcv

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch