Zum Hauptinhalt springen

«Zu sterben wäre besser gewesen»

Die Zustände in den nordkoreanischen Gefängnissen erinnern an die Nazizeit, heisst es in einem Bericht der UNO. Ehemalige Gefangene und Beamte schildern darin ihre Erlebnisse.

Menschenrechtsverletzungen sind in Nordkorea an der Tagesordnung. Kim Kwang-il zum Beispiel war über zwei Jahre in einem nordkoreanischen Gefängnis, in dem er auch gefoltert wurde, wie es in einem 2014 veröffentlichten UNO-Bericht heisst.
Menschenrechtsverletzungen sind in Nordkorea an der Tagesordnung. Kim Kwang-il zum Beispiel war über zwei Jahre in einem nordkoreanischen Gefängnis, in dem er auch gefoltert wurde, wie es in einem 2014 veröffentlichten UNO-Bericht heisst.
Kim Kwang-il
In Südkorea schrieb Kim ein Buch über seine Zeit als Gefangener. Illustriert ist es mit Zeichnungen, die ein Künstler nach seinen Schilderungen anfertigte.
In Südkorea schrieb Kim ein Buch über seine Zeit als Gefangener. Illustriert ist es mit Zeichnungen, die ein Künstler nach seinen Schilderungen anfertigte.
Kim Kwang-il
In dem Bericht wurden Verbrechen genannt, die an Taten der Nazis im Zweiten Weltkrieg erinnern.
In dem Bericht wurden Verbrechen genannt, die an Taten der Nazis im Zweiten Weltkrieg erinnern.
Kim Kwang-il
So würden Häftlinge in Gefangenenlagern praktisch zu Tode gehungert.
So würden Häftlinge in Gefangenenlagern praktisch zu Tode gehungert.
Kim Kwang-il
Ihre Leichen würden verbrannt und vergraben. Dies sei die Aufgabe anderer Häftlinge.
Ihre Leichen würden verbrannt und vergraben. Dies sei die Aufgabe anderer Häftlinge.
Kim Kwang-il
Art und Ausmass der Verbrechen seien beispiellos in der Gegenwart.
Art und Ausmass der Verbrechen seien beispiellos in der Gegenwart.
Kim Kwang-il
1 / 8

Eine Untersuchungskommission der UNO wirft der nordkoreanischen Führung schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Der Bericht wirft der Führung Nordkoreas unter anderem die Vernichtung, die Versklavung und das Aushungern der eigenen Bevölkerung vor. Der UNO-Bericht stützt sich unter anderem auf Zeichnungen, die ein Künstler nach Schilderungen eines ehemaligen Gefangenen anfertigte.

In Internierungslagern der Staatssicherheit (SSD), in denen politische Gefangene verhört werden, sind die Foltermethoden besonders brutal. Während der Verhörphase werden Verdächtige systematisch erniedrigt, eingeschüchtert und gefoltert, um sie zu unterdrücken und ein umfassendes Geständnis zu erwirken.

Erniedrigung und Einschüchterung

In den Internierungslagern der Staatssicherheit (SSD) werden die Gefangenen zusätzlich zur Folter durch systematischen Essensentzug und Schwerstarbeit geschwächt. Häftlinge, die gerade nicht verhört werden oder auf Feldern und im Steinbruch schuften, müssen den ganzen Tag in einer überfüllten Zelle in immer derselben Position knien oder sitzen. Ohne Erlaubnis dürfen sie weder sprechen noch umherschauen, sonst drohen Schläge und weiterer Nahrungsentzug. Gehorcht ein Häftling nicht, werden häufig die Insassen kollektiv bestraft.

Der ehemalige Gefangene Kim Song-ju erklärt, dass er auf Händen und Knien in eine Zelle kriechen musste, die er mit 40 anderen Gefangenen teilte, da die Eingangstür nur 80 Zentimeter hoch war. Die Wachen sagten bei seiner Ankunft im MPS-Internierungslager: «Wenn du in dieses Gefängnis kommst, bist du kein Mensch, du bist genau wie ein Tier und sobald du in dieses Gefängnis kommst, musst du kriechen wie ein Tier.»

Ausgeklügelte Foltermethoden

Viele Beamten betrachten es als völlig normal, die Verdächtigen zu schlagen, bis sie gestehen. Einige Einrichtungen wurden speziell dafür ausgestattet, ausgeklügelte Foltermethoden anzuwenden. Ein ehemaliger SSD-Beamter beschreibt einen speziellen Folterraum in einem Internierungslager der Staatssicherheit, welcher mit einem Wassertank ausgerüstet war. In diesem wurden Gefangene untergetaucht, bis sie Angst hatten zu ertrinken.

Der Raum hatte auch Wandfesseln, um Menschen an den Füssen aufzuhängen. Verschiedene andere Folterinstrumente waren vorhanden, unter anderem lange Nadeln, welche dem Verdächtigen unter die Fingernägel geschlagen wurden und ein Kübel mit einer Mischung aus Wasser und scharfem Chili, welche dem Verdächtigen in die Nase gegossen wurde. Nach solcher Folter gestanden Verdächtige oft Verbrechen, welche sie gar nicht begangen hatten.

Hungern in unterirdischem Internierungslager

Jeong Kwang-il wurde in einem unterirdischen Internierungslager der Staatssicherheit gefangen gehalten. Er wurde verdächtigt, ein Spion Südkoreas zu sein. Während seiner zehnmonatigen Gefangenschaft bekam er so wenig zu essen, dass sein Gewicht von 75 auf 36 Kilogramm sank. Um ein Geständnis aus ihm herauszupressen, wurde Jeong mit Keulen geschlagen, während er kopfüber hängte.

Wie viele andere befragte Zeugen wurde Jeong der «Taubenfolter» ausgesetzt: «Deine Hände werden hinter deinem Rücken gefesselt. Und dann hängen sie dich auf, so dass du weder stehen noch sitzen kannst», beschreibt Jeong. Er musste wiederholt drei ganze Tage am Stück in der Taubenfolter-Position verharren und unerträgliche Schmerzen aushalten. «Du kannst weder stehen noch schlafen. Wenn du drei, vier Tage so aufgehängt wirst, pinkelst du dich an und verrichtest deine Notdurft, bis du vollständig dehydriert bist (…) Es war so schmerzhaft, zu sterben wäre besser gewesen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch