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Repression reicht nicht mehr aus

Der Tod eines Arztes in China stürzt das Regime in eine schwere Krise.

MeinungLea Deuber, Peking
Starb mit 34 Jahren: Arzt Li Wenliang. Foto: Jerome Favre, EPA/Keystone
Starb mit 34 Jahren: Arzt Li Wenliang. Foto: Jerome Favre, EPA/Keystone

Der Tod des Mediziners Li Wenliang am Coronavirus stürzt Chinas Kommunistische Partei in eine der schwersten politischen Krisen der vergangenen Jahrzehnte. Die Vertuschung, die Unfähigkeit, die Krise in den Griff zu kriegen, die bereits Hunderte Menschen das Leben gekostet hat, und nun der Tod des jungen Arztes, der für viele zu einem Märtyrer im Kampf gegen das Virus geworden ist, hat die Wut einer Schicht geweckt, die sich lange arrangiert hat mit dem autokratischen Regime: Die Rede ist von Chinas jungem Bürgertum.

Sie wollen keine Handlanger der politischen Elite mehr sein, fordern Meinungs- und Pressefreiheit und politische Reformen. Chinas System kollabiere unter der Tyrannei der Bürokraten, schrieb ein bekannter Professor aus Peking. «Wir wissen, dass sie uns belügen», schreiben Tausende im Netz.

«Im anfänglichen Chaos der Epidemie konnte man sehen, was in China möglich ist, wenn die Partei sich heraushält.»

Peking hat in den vergangenen Jahrzehnten für wachsenden Wohlstand gesorgt. Viele Menschen haben sich eingerichtet mit dem Regime. Wer sich raushielt, konnte gut leben. Für Dissidenten gab es meist nur wenig Verständnis. Doch Li Wenliang war kein Dissident. Er war Arzt. Er kam aus der Mittelschicht einer Millionenmetropole. Er wollte keinen Aufstand anzetteln, sondern einfach nur Leben retten. Sein Tod ist ein Schock, der dem Regime in Peking gefährlich werden könnte.

Im anfänglichen Chaos der Epidemie konnte man sehen, was in China möglich ist, wenn die Partei sich heraushält. Chinas Wissenschaftler teilten zügig Informationen mit der internationalen Forschungsgemeinschaft. Journalisten berichteten über den Ausbruch. Ihre mutige Arbeit ist der Grund dafür, dass heute so viel über Versäumnisse der Regierung bekannt ist. Nun hat Parteichef Xi verfügt, die politische Stabilität wiederherzustellen. Berichterstatter werden verhaftet, Aktivisten verschwinden. Aber reichen dürfte das dieses Mal nicht, um das Volk wieder ruhigzustellen.

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