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Regierung räumt 400'000-Menschen-Metropole – Seuchen grassieren

Nach einer Flutwarnung für die südpakistanische Stadt Jacobabad haben die Behörden zu einer drastischen Massnahme gegriffen.

Noch immer sind zahlreiche Felder in Pakistan überflutet, und bald beginnt der Winter. Hier Shah Jamal, 5. September 2010.
Noch immer sind zahlreiche Felder in Pakistan überflutet, und bald beginnt der Winter. Hier Shah Jamal, 5. September 2010.
Keystone
29. August: Die Fluten ausserhalb von Thatta gehen zurück.
29. August: Die Fluten ausserhalb von Thatta gehen zurück.
Keystone
Leute, die von der Flut betroffen sind, demonstrieren in den Strassen von Nowshera gegen die Regierung.
Leute, die von der Flut betroffen sind, demonstrieren in den Strassen von Nowshera gegen die Regierung.
Keystone
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Wieder müssen Menschen vor der Jahrhundertflut in Pakistan fliehen: Die Wassermassen bedrohten die Stadt Jacobabad im Süden. Die Behörden riefen am Freitag eine Flutwarnung für Jacobabad aus und forderten die 400'000 Einwohner zur Flucht auf.

Tausende Menschen brachten sich mit Autos, auf Traktoranhängern oder auf Eselskarren in Sicherheit. Trotz der Gefahr weigerten sich aber viele Bewohner, ihr Hab und Gut zurückzulassen.

Das Hochwasser im Noorwah-Kanal könne jederzeit über die Ufer treten, sagte der Verwaltungschef des Bezirks Jacobabad, Kazim Ali Jatoi. «Ich habe eine Warnung herausgegeben, aber ich habe nicht genug Mittel, um eine Evakuierung zu erzwingen.»

Zu denjenigen, die sich weigerten zu fliehen, gehörte der 46- jährige Noor Mohammad. «Ich habe meine Frau, meinen alten Vater und drei Kinder an einen anderen Ort gebracht, aber ich werde hierbleiben, um meinen Besitz zu schützen», sagte er. «Wohin sollte ich mein Eigentum bringen? Es ist überall Wasser.»

Flutwelle bedroht Millionen-Metropole

Jacobabad in der Provinz Sindh ist die zweite grössere Stadt in Pakistan, die seit Beginn der Flut evakuiert wird. Vor wenigen Tagen waren die 450'000 Bewohner der Stadt Muzaffargarh in der zentralpakistanischen Provinz Punjab aufgerufen worden, sich in Sicherheit zu bringen.

Die meisten Menschen flohen in die Millionenmetropole Multan. Die Stadt ist ebenfalls von der Flut bedroht. Am Freitag gingen die Pegel des Flusses Chenab, in dessen Nähe Multan liegt, nach Angaben der Behörden aber zurück.

Trotz teilweise sinkender Pegel rechnete der Nationale Katastrophenschutz nicht mit einer Entspannung. Der Grund: Meteorologen sagen neue heftige Regenfälle für Punjab und Sindh voraus. Damit dürfte der Pegel des Indus erneut anschwellen.

Regierung demonstriert Tatkraft

Die Regierung in Islamabad will ihre Anstrengungen zur Hilfe für die Opfer weiter verstärken. Das teilte das Büro von Präsident Asif Ali Zardari nach einem Treffen des Staatsoberhaupts mit Premier Yousuf Raza Gilani am Donnerstagabend in Islamabad mit. Der Premier sagte, das Ausmass der Schäden könnte weitaus grösser sein, als erste Schätzungen andeuteten.

Zardari und Gilani beschlossen, ein Treffen mit Vertretern der Provinzen und der politischen Parteien einzuberufen. Gemäss dem Katastrophenschutz kostete die Flutkatastrophe mindestens 1384 Menschen das Leben.

Seuchen breiten sich aus

Nach Angaben der UNO sind etwa 14 Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen, davon sechs Millionen Kinder. Sechs Millionen Flutopfer benötigen dringend Überlebenshilfe.

In den Hochwassergebieten stieg zuletzt die Seuchengefahr dramatisch an. Es gebe bereits 36'000 Verdachtsfälle einer schweren, zum Teil tödlich verlaufenden Form von Durchfall. «Die Lage ist alarmierend», sagte ein Sprecher des Uno-Welternährungsprogramms WFP.

Der Ausbruch von Cholera konnte bislang aber nicht bestätigt werden. Ein Sprecher der lokalen Uno-Hilfsoperationen erklärte aber, in einigen von Wasser eingeschlossenen Regionen könnten keine Laboruntersuchungen gemacht werden, so dass keine eindeutigen Diagnosen möglich seien. Das WFP erklärte zudem, dass die Lebensmittel knapp werden.

SDA/sam

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