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Iranische Nachrichtenagentur fällt auf US-Satire herein

Die Mehrheit der weissen Amerikaner würde eher Ahmadinejad wählen als Barack Obama, vermeldete die regierungsnahe Agentur Fars begeistert. Doch die Iraner sind auf die Satirezeitschrift The Onion hereingefallen.

«Er würde sich nie von schwulen Demonstranten vorschreiben lassen, wie er das Land zu regieren hat, so wie Obama es tut»: Der iranische Präsident Mahmud Ahmedinedschad. (Archivbild)
«Er würde sich nie von schwulen Demonstranten vorschreiben lassen, wie er das Land zu regieren hat, so wie Obama es tut»: Der iranische Präsident Mahmud Ahmedinedschad. (Archivbild)
AFP

Lost in Translation: Die iranische Nachrichtenagentur ist auf einen Scherz einer US-Satirezeitschrift über die angebliche Beliebtheit des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmedinedschad hereingefallen. Die Agentur Fars übernahm gestern die Geschichte des Magazins «The Onion», das ausschliesslich aus erfundenen Beiträgen besteht. Darin war von einer vermeintlichen Umfrage die Rede, laut der die Mehrheit der weissen Amerikaner eher Ahmadinejad als Barack Obama zum Präsidenten wählen würde.

Zunächst übernahm der englische Dienst von Fars die einige Tage zuvor erschienene «Onion»-Geschichte. Dann wurde diese wörtlich für den iranischen Dienst übersetzt, wobei aber die Beschreibung Ahmadinejads als «ein Mann, der wiederholt den Holocaust geleugnet hat und viele politische Gefangene hinrichten liess» ausgelassen wurde. Übernommen wurde hingegen das erfundene Zitat eines fiktiven Bewohners von West Virginia, der erklärte, er würde lieber mit Ahmadinejad zu einem Baseballspiel gehen, weil dieser «die nationale Sicherheit ernst nimmt und sich niemals von schwulen Demonstranten vorschreiben lassen würde, wie er das Land zu regieren hat, so wie Obama es tut».

«Grossartige Reportage»

«Onion»-Herausgeber Will Tracy reagierte begeistert auf den gelungenen Scherz. In einer Erklärung bezeichnete er Fars scherzhaft als «Ableger von 'Onion'» und gratulierte den iranischen Journalisten zu ihrer «grossartigen Reportage».

Es ist nicht das erste Mal, dass das US-Magazin ein ausländisches Medium hereingelegt hat. 2002 hatte eine grosse chinesische Tageszeitung eine Geschichte aus dem «Onion» aufgegriffen, wonach Kongressabgeordnete damit gedroht hätten, Washington zu verlassen, sofern das Parlamentsgebäude nicht mit mehr Toilettenräumen und einer ausfahrbaren Kuppel ausgestattet werde.

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