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Der Sieg des Kricket-Helden nach 22 Jahren

Die Wahlen sind gewonnen – nun steht Imran Khan in Pakistan kurz vor seinem grossen Ziel: dem Amt des Premierministers.

Imran Khan zeigt nach dem Urnengang die Wahltinte an seinem Daumen. (25. Juli 2018) Bild: Anjum Naveed/AP
Imran Khan zeigt nach dem Urnengang die Wahltinte an seinem Daumen. (25. Juli 2018) Bild: Anjum Naveed/AP

Der Machtwechsel in Pakistan nimmt Konturen an. Der frühere Kricket-Star Imran Khan hatte sich bereits am Donnerstag zum Sieger der Parlamentswahl erklärt. «Wir waren erfolgreich, und wir haben ein Mandat erhalten», sagte der 65-Jährige in einer in den ­sozialen Netzwerken und im Fernsehen übertragenen Rede. Am Freitag dann teilte die Wahlkommission mit, nach Auszählung von 95 Prozent aller Stimmen habe Kahns Partei PTI in 109 der 272 Wahlkreisen gewonnen. Nach A. Die bisher regierende PML-N kann demnach nur mit etwa ­62 Mandaten rechnen.

Dem Atomstaat Pakistan stehen nun unruhige Zeiten bevor – die PML-N will das Ergebnis nicht akzeptieren und sprach von «Manipulationen». Spitzenkandidat Shahbaz Sharif, Bruder des inhaftierten Ex-Premierministers Nawaz Sharif, kündigte an, die Partei werde mit allen Mitteln gegen die Resultate vorgehen. Die PML-N fühlt sich vom mächtigen Militär gegängelt.

Obwohl die Armee betont, sie halte sich aus den politischen Angelegenheiten in Pakistan heraus, sind sich politische Analysten sicher, die Generäle hätten die Wahl zugunsten Khans ­beeinflusst und Anhänger der PML-N eingeschüchtert.

Viele schöne Versprechen

Khan gab sich bei seinem Auftritt am Donnerstag selbstbewusst. Aus seiner Sicht seien dies die «fairsten Wahlen in der pakistanischen Geschichte» gewesen. Er arbeitete sich vor allem an den Versäumnissen seiner Vorgänger ab: «Unser Staat befindet sich im Chaos, alle unsere Strategien werden darauf abzielen, den ­Benachteiligten zu helfen», versprach er.

Bauern würden in Pakistan keinen Lohn für ihre Arbeit erhalten, 25 Millionen Kindern bliebe der Schulbesuch verwehrt, noch immer stürben Frauen bei Geburten, «weil wir ihnen kein elementares Gesundheitswesen bieten können». Auch mangele es an Zugang zu sauberem Trinkwasser. Aussenpolitisch interessant war seine Aussage, falls ­Erzrivale Indien sich im Streit um das von beiden Staaten beanspruchte Kashmir-Gebiet auf ­Pakistan zubewege, sei er gesprächsbereit.

Die Menschen in Pakistan sind es gewohnt, von ihren politischen Anführern grosse Versprechen zu hören. Aber an ihrer Lebenssituation hat sich in den letzten Jahren wenig verbessert. Khan spielte es in die Hände, dass die etablierten, von Familienclans geführten Parteien sich seit Jahrzehnten in der Regierungsführung abwechselten, wenn das übermächtige Militär sie gewähren liess. Die Pakistaner erhoffen sich von Khan nun einen Wandel.

Mehr als die Hälfte jünger als 25 Jahre

Diese Wahl wird aber vom Vorwurf überschattet, die Armee habe in Khan ihrem Lieblingskandidaten den Weg geebnet. Er war während des Wahlkampfes dadurch aufgefallen, dass er den Armeechef besonders lautstark gelobt hatte. Doch die Pakistaner haben sich an die Macht des Militärs gewöhnt; sie hoffen nach Jahren des Stillstands auf Besserungen in ihrem Alltag: weniger Stromausfälle, mehr Jobs, bessere Bildungschancen für ihre Kinder. Von den etwa 208 Millionen Pakistanern sind mehr als die Hälfte jünger als 25 Jahre. Ihnen eine Perspektive zu bieten, wird die grösste Herausforderung für die nächste Regierung werden.

Seit 1996 will Khan Premierminister werden. Damals gründete er die Partei Pakistanische Bewegung für Gerechtigkeit (PTI). Er hat Heldenstatus, seit er 1992 als Captain der Nationalmannschaft dem kricketverrückten Pakistan den Weltmeistertitel bescherte. Aber seine Karriere als Politiker war von vielen Rückschlägen geprägt. Khan hat Wahlen erlebt, nach denen er als einziger PTI-Abgeordneter im Parlament Platz nahm.

Doch davon liess er sich nie beirren. Khan hat sich schon immer als Alternative zu den politischen Clans des Landes dargestellt. Einst stellte er sich gegen den Präsidentengeneral Pervez Musharraf und wurde dafür unter Hausarrest gestellt. Dieses Mal hat er eine neue Strategie gewählt: Nach Überzeugung der politischen Beobachter in Islamabad liess er sich vom Militär protegieren. Bewiesen ist das nicht, aber das massive Vorgehen gegen die bisherige Regierungspartei kann als starkes Indiz für die These gelten.

Spitzname «Taliban-Khan»

Khan hatte lange Zeit das Image eines Playboys inne, was ihm im religiös geprägten Pakistan viel Misstrauen einbrachte. Nun betont er immer häufiger, wie wichtig ihm der Islam sei. Seit Anfang des Jahres ist er in dritter Ehe mit einer Frau verheiratet, die öffentlich voll verschleiert auftritt. Khan selbst sagt, er habe ihr Gesicht das erste Mal bei der Hochzeit gesehen.

Kritiker sehen darin den Versuch, konservative Wähler auf seine Seite zu ziehen. Die Nähe zu ­islamischen Hardlinern hat ihm den Spitznamen «Taliban-Khan» beschert. Vor allem für die USA könnte sich Khan als schwieriger Partner erweisen. Seiner Ansicht nach ist es nicht Pakistans schuld, dass das Nachbarland Afghanistan keinen Frieden findet, sondern auf die Präsenz der Amerikaner zurückzuführen. Gerade die US-Geheimdienste betonen hingegen, dass Pakistan die afghanischen Taliban unterstütze, um die Nachkriegsordnung im Nachbarland zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

In den vergangenen Jahren hat sich Islamabad denn auch immer mehr von den USA ab- und China zugewandt. Peking ­investiert Milliardensummen in Infrastrukturprojekte, was der darbenden pakistanischen Wirtschaft hilft, aber auch die Abhängigkeit von China extrem gesteigert hat.

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