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Chinas Vizepräsident ist seit Tagen verschwunden

In wenigen Wochen dürfte Xi Jinping Chef der Kommunistischen Partei werden, im März wohl sogar Staatspräsident von China – doch seit zehn Tagen ist er abgetaucht. Er versetzte sogar Hillary Clinton.

Wo steckt er? Xi Jinping, Vizepräsident von China.
Wo steckt er? Xi Jinping, Vizepräsident von China.
AFP

Die Spekulationen über den Verbleib von Xi Jinping spriessen in der Volksrepublik China. Die Regierung will sich zum Verschwinden des chinesischen Vizepräsidenten nicht äussern – und die Internetzensur tut alles, um Diskussionen über das Schicksal Xis einzuschränken.

Vier Termine Xis mit ausländischen Staatsgästen sagte die Regierung zuletzt ohne Begründung ab. Betroffen waren unter anderem US-Aussenministerin Hillary Clinton und die dänische Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt. Nach dem Verbleib des Vizepräsidenten gefragt, forderte der Sprecher des Aussenministeriums in Peking die internationalen Journalisten auf, doch bitte «ernsthafte Fragen» zu stellen.

«Staatsgeheimnis»

Chinesische Internetmedien spekulieren in dieser Situation über eine Krankheit oder einen leichten Unfall Xis. Willy Lam von der Chinesischen Universität in Hongkong verweist darauf, dass die Gesundheit der Führungsriege in China «als Staatsgeheimnis behandelt wird». Der Direktor des in Peking basierten Zentrums für Chinastudien der Universität von Indiana, Scott Kennedy, geht davon aus, die Angelegenheit sei «vielleicht eher langweilig als dramatisch». «Aber der Mangel an Transparenz dramatisiert sie einfach.»

Die Internetsuche nach «Xi» und dem Wort «Rückenschmerzen» – dies ist eine der Spekulationen um den Vizepräsidenten – blockierte derweil die chinesische Zensur. Die Nutzer des Twitter-ähnlichen Kurzbotschaftendienstes Sina Weibo wichen daher auf Synonyme aus: Sie schrieben über den «Kronzprinzen» oder nutzten das englische Personalpronomen «she», das ähnlich ausgesprochen wird.

Spross einer Politikerdynastie

Den britischen Sender BBC wiederum schalteten die Behörden ab, kurz nachdem er über die Abwesenheit Xis berichtet hatte. Die chinesischen Staatsmedien hingegen verlieren über den Vizepräsidenten derzeit kein Wort. Stattdessen beschäftigen sie sich ausführlich mit dem diplomatischen Streit der Volksrepublik mit Japan um eine unbewohnte Inselgruppe. Im Internet wird spekuliert, dieser Streit solle von den Diskussionen um Xi ablenken.

Xi war schon seit längerem als wahrscheinlicher künftiger Partei- und Staatschef der Volksrepublik gesetzt. Der 59-jährige Spross einer einflussreichen Politikerdynastie besuchte die Qinghua-Universität in Peking, eine bekannte Kaderschmiede. Anschliessend nahm er den klassischen Parteiweg über die Provinzen. Seit Oktober 2007 gehört er dem einflussreichen Ständigen Komitee des Politbüros an, 2008 wurde er zum Vizepräsidenten gekürt. Eine seiner grössten Bewährungsproben bestand der Kronprinz mit der erfolgreichen Organisation der Olympischen Spiele in Peking 2008.

Er wird bald wieder auftauchen

Am 30. August traf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Xi im Rahmen ihrer Reise in die Volksrepublik. Die deutsche Regierungschefin hatte dabei einen positiven Eindruck vom mutmasslichen künftigen starken Mann Chinas. Sie war offenbar der letzte ausländische Staatsgast, der Xi traf. Nur zwei Tage später, am 1. September, wurde Xi zuletzt öffentlich gesehen, als er eine Rede an einer der wichtigsten kommunistischen Parteischulen in Peking hielt.

Der China-Experte Kennedy geht derweil davon aus, dass Xi schon bald wieder auftauchen wird – ohne jede Erklärung zu seiner Abwesenheit. «Ich denke, es ist ein Gesundheitsproblem», sagt er. «Wäre es aber lebensbedrohlich, würde der Rest der Führung nicht ihrem Tagesgeschäft nachgehen oder internationale Reisen unternehmen.» Bald werde wohl ein Foto Xis veröffentlicht, «bei einem Empfang, beim Besuch einer Fabrik, eines Krankenhauses oder Ähnlichem».

AFP/bru

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