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Australien will mit Film Flüchtlinge abschrecken

Der Film «Journey» zeigt afghanische Flüchtlinge und die Gefahren, denen sie auf der Flucht begegnen. Kritiker sprechen von Regierungspropaganda.

«Er hat mich sehr mitgenommen»: Mit diesem Film will Australien Flüchtlinge fernhalten.

Australiens Einwanderungsbehörde lässt sich die Abschreckung von Flüchtlingen viel kosten: umgerechnet über 4,4 Millionen Franken. Während alleine die Produktion 3,2 Millionen kostete, finanzierten die restlichen 1,2 Millionen die Vermarktung und Werbung für den Film, schreibt «The Huffington Post».

Mit dem Film «Journey» möchte die australische Regierung hauptsächlich afghanische Flüchtlinge davon abhalten, den beschwerlichen Weg nach Australien auf sich zu nehmen. So erzählt die 90-minütige Fernsehproduktion von afghanischen Migranten und ihren Begegnungen mit Schmugglern, gefährlichen Gewässern und unmenschlichen Haftbedingungen.

Auf Englisch gibt es den Film nicht

Der Film feierte letzten Freitag in Afghanistan Premiere. In Pakistan, im Irak und Iran wurde er bereits ausgestrahlt. Das aufwendig produzierte Fernsehdrama wurde mit Schauspielern und Mitarbeitern aus 13 Ländern in Indonesien, Malaysia und Afghanistan gefilmt und kann auf Arabisch, Farsi, Dari, Paschtu oder Urdu angeschaut werden – nicht aber auf Englisch.

Afghanistan bildet die grösste Asylbewerbergruppe in Australien. Gemäss Statistiken des australischen Parlaments werden die meisten Anträge bewilligt. Zwischen 2008 und 2013 haben sich 7200 Afghanen angesiedelt. Australien war eines der ersten Länder, die angesichts der Flüchtlingskrise damit begannen, ihre Einwanderungspolitik restriktiver zu handhaben. So wurde von der Regierung bereits letzten Frühling eine Kampagne mit dem Titel «Keine Chance – ihr werdet Australien nicht zu eurer Heimat machen» lanciert. Die Mehrheit der afghanischen Flüchtlinge macht sich daher auf den Weg nach Europa.

«Den Film zu schauen, war sehr schwierig»

Für den Film «Journey» erntet Australien Kritik. Phil Glendennig, Präsident des australischen Flüchtlingsrats, sagte bereits nach Bekanntgabe des Projekts im letzten Jahr: «Ich glaube nicht, dass die Regierung versteht, wieso Menschen flüchten. Sonst würde sie nicht glauben, dass ein Fernsehdrama als Abschreckung dienen wird.» Ein Artikel der australischen Zeitung «The Age» kritisiert zudem, dass so viel Steuergeld für den Film investiert wurde.

Doch die Reaktionen des afghanischen Publikums zeigen, dass der Film wirken könnte. Der 18-jährige Ali Reza erzählt dem «Guardian»: «Es war sehr schwierig, diesen Film zu schauen. Er hat mich sehr mitgenommen.» Der 42-jährige Daud Hossaini hatte eigentlich vor, nach Australien zu flüchten: «Wenn ich auf dem Weg sterbe, wieso sollte ich dann gehen?» Doch nicht alle sind derselben Meinung: «Wenn ich meine Familie nicht ernähren kann, was soll ich machen?», sagt der 29-jährige Humayoon.

«Falls sie es schaffen»

Die Produktionsfirma macht aus der Absicht hinter dem Film keinen Hehl. So steht auf der Website: «Der Film zielt darauf ab, Menschen in den Ursprungsländern aufzuklären und zu informieren: über die Zwecklosigkeit, in Schmuggler zu investieren, über die Gefahren auf der Reise und über die strengen und unnachgiebigen Richtlinien, die sie erwarten, falls sie es bis in australisches Gewässer schaffen.»

Die in Sydney basierte «Put It Out There» ist auf Aufklärungsfilme spezialisiert. So thematisieren die Produktionen unter anderem Korruption, Sicherheit, Terrorismus, Drogen und die Aufstandsbekämpfung in Afghanistan. Auch die Bevölkerung in Burma und in Papua-Neuguinea wird über HIV oder die Gesundheit von Kind und Mutter aufgeklärt.

Regierungspropaganda?

Firmenchefin Trudi-Ann Tierney verweigerte «The Age» eine Stellungnahme. Doch wenn sie in der Vergangenheit über ihre Filme sprach, benutzte sie das Wort Propaganda. In ihrem Buch «Making Soaps in Kabul» beschreibt sie, wie sie für die Fernsehindustrie des Landes eigentlich nichts mehr als eine Propagandabeamte war. Auch sei ihre Arbeit Teil von «psychologischen Einsätzen» der Nato gewesen.

«Lapis Communications», die für die Vermarktung des Films zuständig waren, lassen den Vorwurf, Regierungspropaganda zu betreiben, nicht auf sich sitzen. Abteilungsleiterin Sarah-Jean Cunningham wehrt sich im «Guardian»: «Wer diesen Film finanziert hat, ist ja klar ersichtlich und nicht geheim. Aber viel wichtiger ist, dass die Ideen und Werte dieses Films ein sehr ernstes und tragisches Thema ansprechen, letztendlich mit dem Ziel, Leben zu retten.»

Der erst vor einem Monat auf Youtube erschienene Film wurde bereits über 70'000-mal angeklickt.

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