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Anschlag auf französisches Zentrum in Kabul

Ein jugendlicher Selbstmordattentäter zündete bei einer Theateraufführung in Afghanistan eine Bombe. Bei dem Anschlag, zu dem sich die Taliban bekannten, starben mehrere Menschen.

Hier soll «Propaganda gegen den Jihad» betrieben worden sein, rechtfertigen die Taliban den Anschlag: Französische Sicherheitsleute vor dem Tor zum Kulturzentrum in Kabul. (11. Dezember 2014)
Hier soll «Propaganda gegen den Jihad» betrieben worden sein, rechtfertigen die Taliban den Anschlag: Französische Sicherheitsleute vor dem Tor zum Kulturzentrum in Kabul. (11. Dezember 2014)
Massoud Hossaini, Keystone

Bei einem Selbstmordanschlag im französischen Kulturzentrum von Kabul sind am Donnerstag nach französischen Angaben mehrere Menschen getötet worden. Zahlreiche weitere seien verletzt worden, teilte das französische Aussenministerium in Paris mit. Der Anschlag ereignete sich nur wenige Stunden nach einem Selbstmordattentat der radikalislamischen Taliban nahe Kabul, bei dem mindestens sechs afghanische Soldaten getötet wurden.

Der Anschlag richtete sich gegen eine Kabuler Schule, in der auch das französische Kulturzentrum untergebracht ist. Der Selbstmordattentäter sprengte sich nach Angaben des Kabuler Polizeichefs Abdul Rahman Rahimi inmitten der Zuschauer einer Theateraufführung in die Luft. Nach Polizeiangaben wurden mindestens sieben Menschen verletzt und ein Ausländer getötet. Details dazu wurden zunächst nicht bekannt. Bei dem Attentäter soll es sich um einen Teenager handeln.

«Islamische Werte entweiht»

Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Ein Sprecher der islamistischen Rebellenbewegung sagte, die Theateraufführung habe «islamische Werte entweiht» und «Propaganda gegen den Jihad» betrieben. Augenzeugen berichteten von Panik nach der Explosion. Zuschauer in dem mit Rauch gefüllten Theaterraum riefen um Hilfe. Laut dem Aussenministerium in Paris gab es keine französischen Opfer.

Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius verurteilte den «Terrorakt» auf das Schärfste. Ein Krisenstab sei in Kabul und in Paris eingerichtet worden. Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem «abscheulichen» Anschlag auf «Kultur und Kreativität». Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte, der Anschlag sei «besonders perfide», weil er sich «gegen eben jene Menschen richtet, die das Land beim Aufbau einer besseren Zukunft unterstützen».

Das Kulturzentrum befindet sich im Zentrum von Kabul, nicht weit vom Präsidentenpalast. Es teilt sich das Areal mit der Istiklal-Oberschule, einer von Frankreich finanzierten Einrichtung, in der bereits Generationen afghanischer Kinder lernten. Eröffnet wurde das Kulturzentrum im Jahr 1970, von 1983 bis 2002 blieb es jedoch wegen der militärischen Konflikte in Afghanistan geschlossen. Erst nach dem Sturz der Taliban wurde es 2003 wiedereröffnet und 2010 renoviert.

Anschlag auf Bus mit Soldaten

Der Anschlag auf die Schule erfolgte wenige Stunden, nachdem sich nahe Kabul ein Selbstmordattentäter der Taliban in die Luft gesprengt und mindestens sechs afghanische Soldaten getötet hatte. Der Anschlag richtete sich gegen einen Bus, in dem die Soldaten unterwegs waren. Ein Sprecher der Taliban übernahm die Verantwortung für den Angriff.

Die beiden Angriffe ereigneten sich etwas mehr als zwei Wochen vor dem Ende des Nato-geführten Kampfeinsatzes in Afghanistan und zwei Tage nach der Veröffentlichung eines US-Senatsberichts über Folterverhöre des US-Geheimdienstes CIA nach den Anschlägen vom 11. September 2001. In den vergangenen Wochen hatte es in der afghanischen Hauptstadt wieder vermehrt tödliche Anschläge gegeben. Die Islamisten griffen dabei neben einheimischen und ausländischen Soldaten auch Diplomatenfahrzeuge und Wohnanlagen von Ausländern an.

AFP/rub

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