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Ziemlich beste Freunde

Präsident Obama bereitet Kollege Hollande in Washington einen prunkvollen Empfang. Die USA und Frankreich feiern sich überschwänglich als die «ältesten Alliierten». Das war auch schon anders.

Michelle und Barack Obama (rechts) halten für ihren Staatsgast aus Frankreich ein Bankett ab. (11. Februar 2014)
Michelle und Barack Obama (rechts) halten für ihren Staatsgast aus Frankreich ein Bankett ab. (11. Februar 2014)
Reuters
Barack Obama (links) und François Hollande toasten sich zu und tauschen Freundlichkeiten aus. (11. Februar 2014)
Barack Obama (links) und François Hollande toasten sich zu und tauschen Freundlichkeiten aus. (11. Februar 2014)
Keystone
«Historische Partnerschaft»: Hollande und Obama am Rande des G-8-Gipfels in Camp David im Mai 2012.
«Historische Partnerschaft»: Hollande und Obama am Rande des G-8-Gipfels in Camp David im Mai 2012.
AFP
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Die Kanonen feuerten 21 Salutschüsse ab, Flaggen der USA und Frankreichs schmückten die Parkanlagen des Weissen Hauses. Vor prunkvoller Kulisse feierten François Hollande und Barack Obama am Dienstag das mehr als zwei Jahrhunderte währende Bündnis zwischen ihren Ländern. Der US-Präsident streute in seine Rede sogar einige Brocken Französisch ein: «Bienvenue, mes amis», sagte er. Hollandes Staatsbesuch in Washington zeigt, wie sehr sich das Verhältnis nach den Spannungen während des Irakkriegs verbessert hat. Paris ist der derzeit wichtigste sicherheitspolitische Partner der USA.

«Wie Generationen vor uns haben wir nun die Aufgabe, unsere Allianz nicht einfach zur bewahren, sondern sie für unsere Zeiten zu erneuern», sagte Obama bei der Zeremonie. Keine Nation könne die Herausforderungen in der Welt alleine meistern. Hollande griff den Gedanken auf. «Wir stehen zusammen, um den Terrorismus zu bekämpfen, um auf die Gefahr der Weiterverbreitung von atomaren und chemischen Waffen zu antworten, um die Krisen im Nahen Osten zu beizulegen», sagte der französische Präsident. Auch den Kampf gegen den Klimawandel führte er auf seiner Liste an.

Die gemeinsame Vergangenheit

Frankreich und die USA nennen sich gerne die «ältesten Alliierten», nie führten die beiden Nationen Krieg gegeneinander. Frankreich war ein wichtiger Geburtshelfer der Vereinigten Staaten, französische Truppen unterstützten die Amerikaner Ende des 18. Jahrhunderts im Unabhängigkeitskrieg gegen die Kolonialmacht Grossbritannien. Die Ideen von Aufklärung und Demokratie aus der Neuen Welt befeuerten wiederum die französische Revolution.

Obama und Hollande beschworen die historischen Bande bereits am Montag direkt nach Hollandes Ankunft in den USA auf dem Landgut des US-Gründervaters Thomas Jefferson in Monticello im Bundesstaat Virginia. Der Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und dritter US-Präsident war bekannt für seine Liebe zu Frankreich. «Verbündete waren wir zu Zeiten Jeffersons, Verbündete sind wir heute», erklärte Hollande.

Als die French Fries umbenannt wurden

In Wahrheit erwies sich die amerikanisch-französische Freundschaft als etwas komplizierter. Charles de Gaulle etwa betrieb das Projekt der europäischen Einigung nicht zuletzt, um ein Gegengewicht zur US-Dominanz zu schaffen. Auch im Jahr 2003 knirschte es gewaltig, als Jacques Chirac Washington beim Irakkrieg die Gefolgschaft verweigerte. Als kulinarische Vergeltung wurden in den USA «French Fries» in «Freedom Fries» umbenannt.

Mit Nicolas Sarkozy zog dann 2007 ein bekennender Transatlantiker in den Élysée-Palast ein, der Frankreich zurück in die Kommandostruktur der Nato führte. Hollande knüpfte in diesem Punkt an die Politik seines Vorgängers an. Paris entwickelte sich zum sicherheitspolitischen Darling der USA.

«Die US-französischen Beziehungen sind im Moment sehr stark», sagt die Europa-Expertin Heather Conley von der Washingtoner Denkfabrik Center for Strategic and International Studies. Das gilt insbesondere im Vergleich mit der Bundesrepublik: Während sich die datenschutzbewegten Deutschen lautstark über die NSA-Affäre empören, scheint Paris die Spähprogramme des US-Geheimdienstes eher gelassen zu nehmen.

Seite an Seite gegen Gaddafi

Beim Sturz des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Frühjahr 2011 flog Frankreich gemeinsam mit den USA Luftangriffe auf das nordafrikanische Land. Im Streit um das iranische Atomprogramm fuhr Paris bisweilen einen härteren Kurs gegenüber Teheran als Washington. Dankbar unterstützt die US-Regierung die französischen Militäreinsätze in Mali und der Zentralafrikanischen Republik: Paris greift schliesslich in einer Weltregion ein, in der Islamisten mit Verbindungen zu al-Qaida in den vergangenen Jahren auf dem Vormarsch waren.

Nirgendwo zeigte sich die neue Bedeutung der Franzosen aber so deutlich wie in Syrien. Nach dem Giftgaseinsatz im syrischen Bürgerkrieg stand Frankreich der US-Regierung bei ihrer Drohung mit einem Militäreinsatz gegen Damaskus vergangenen August als einziger westlicher Verbündeter zur Seite. In Grossbritannien, das stets stolz auf seine «special relationship» mit den USA verweist, bremste das Parlament Premierminister David Cameron aus.

AFP/ldc

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