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Jair Bolsonaro wurde negativ auf das Coronavirus getestet

Zuvor wurde Covid-19 bei seinem Kommunikationschef festgestellt.

Jair Bolsonaro und sein Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta.
Jair Bolsonaro und sein Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta.
Keystone

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro wurde negativ auf das Coronavirus getestet. Dies teilte er am Freitag auf Twitter und Facebook mit. Damit dementierte er einen Bericht einer lokalen Zeitung.

Am Donnerstag zuvor wurde Bolsonaros Kommunikationschef Fabio Wajngarten positiv getestet. Wajngarten und Bolsonaro besuchten zusammen Donald Trump in dessen Residenz Mar-a-Lago in Florida.

In Florida bezeichnete Bolsonaro die meisten Artikel, welche die Medien über die Gefahr von Covid-19 publiziert hatten, als «Fantasie». Noch nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Covid-19 am Mittwoch zur Pandemie erklärt hatte, verharmloste er die Situation. Andere Grippe-Erkrankungen hätten ja schon mehr Menschen getötet. Dass führende Wissenschaftler die «Es ist ja nur eine Grippe»-Aussage zweifellos widerlegt haben, kümmerte ihn da nicht.

Dieser war beim Besuch in Florida dabei, wie man auf Wajngartens Instagram-Account sehen kann. Medien berichteten, Wajngarten sei stundenlang mit Bolsonaros Frau Michelle und Sohn Eduardo im Präsidentenflugzeug gesessen.

Auch in den USA sollte der positive Test von Wajngarten ein Grund zur Sorge sein. Es gibt mehrere Bilder, die den US-Präsidenten zusammen mit Wajngarten zusammenzeigen. Auf einem tragen sie Baseballmützen mit der Aufschrift «Make Brazil Great Again». Auch Vizepräsident Mike Pence steht in der Nähe von Wajngarten.

Trump und Pence haben sich bislang demonstrativ unbesorgt gezeigt und wollen sich bislang auch nicht testen lassen. Die Sprecherin des Weissen Hauses sagte, es gebe keine Notwendigkeit für Tests bei Menschen, die keine Symptome aufweisen. Weder Trump noch Pence hätten gross Kontakt mit Wajngarten gehabt. Trump selber sagte gestern Donnerstag, er sei «nicht beunruhigt».

Anti-Parlaments-Demo abgesagt

Bereits vor den Testresultaten setzte sich Bolsonaro zusammen mit Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta, beide mit Mundschutz, vor die Kameras und warnte vor dem Coronavirus. Bei seiner Ansprache gab Bolsonaro bekannt, Demonstrationen, die für den kommenden Sonntag geplant waren, abzusagen.

Zuvor hatte er selber via Whatsapp zu einem Protestmarsch gegen das Parlament aufgerufen. Bolsonaro ist ein Gegner der Volksversammlung, weil sich diese in der Vergangenheit gegen seine Anliegen gestellt und Veto-Rechte wahrgenommen hatte. Unter anderem wehrte sich das Parlament dagegen, indigene Territorien im Amazonas wirtschaftlich zu nutzen.

Jetzt ist das reichlich bizarre Szenario, dass der Präsident zum Protestmarsch gegen demokratisch gewählte Institutionen aufmarschieren lässt, vorerst vom Tisch: «Wir können die Gesundheit der Menschen nicht einem Risiko aussetzen», sagte Bolsonaro.

Bolsonaro liess Ärzte ausweisen

Auch sonst läuft es für Bolsonaro schlecht. Die Börse in São Paulo erlebte einen dramatischen Absturz, der Zerfall des Ölpreises ist für das halbstaatliche Ölunternehmen Petrobras ein grosses Problem.

Das Versprechen, die Wirtschaft zu stabilisieren, war einer der Hauptgründe für Bolsonaros Wahl. Entsprechend treffen ihn die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus, die er ganz offensichtlich massiv unterschätzt hat, schwer. Genüsslich zählen jetzt Journalisten wie der in Brasilien wohnhafte Amerikaner Glenn Greenwald von der Internetplattform «The Intercept» und politische Gegner wie die Ex-Präsidenten Lula da Silva und Dilma Rousseff die Fehleinschätzungen und Verharmlosungen des Rechtspopulisten auf.

Corona hat Lateinamerika erfasst

Zu einem Problem könnte für Bolsonaro auch werden, dass er das Gesundheitswesen stark zurückgebaut hat. Seine Vorgängerin Dilma Rousseff holte Tausende kubanische Ärzte ins Land. Bolsonaro schickte sie wieder nach Hause mit der Begründung, die Ärzte würden politische Propaganda verbreiten.

Das alles wird Jair Bolsonaro in den nächsten Tagen um die Ohren fliegen. Gemäss WHO sind in Brasilien 77 Fälle offiziell erfasst. Da die Politik das Problem unterschätzt hat und kaum Menschen getestet hat, dürften es noch viel mehr sein.

In ganz Lateinamerika ist Corona unterdessen das alles beherrschende Thema. Argentinien, Bolivien, Paraguay, Peru und Venezuela kündigten gestern an, Flüge aus Europa zu verbieten. In der Region gibt es insgesamt inzwischen mehr als 250 bestätigte Corona-Ansteckungsfälle. Mindestens drei Menschen starben bisher in dieser Weltregion an dem neuartigen Erreger.

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