Zum Hauptinhalt springen

Wer kann Bernie Sanders stoppen?

Der 78-jährige Demokrat scheint kaum noch aufzuhalten. Doch das Partei-Establishment wünschte sich einen anderen Kandidaten als Spitzenreiter.

Bernie Sanders feiert seinen Sieg bei der Vorwahl in Nevada während einer Wahlkampfveranstaltung in Texas. Foto: Reuters
Bernie Sanders feiert seinen Sieg bei der Vorwahl in Nevada während einer Wahlkampfveranstaltung in Texas. Foto: Reuters

Bernie Sanders kann kaum einen Halbsatz sagen, ohne dass der mit «Bernie! Bernie! Bernie!»-Chören begleitet wird. Er ist gerade an der Seite seiner Frau Jane auf einer Bühne in San Antonio, Texas, getreten. «Ich bin sehr erfreut, euch ziemlich gute Nachrichten zu bringen», sagt er unter dem Jubel seiner Anhänger, so ist es im Fernsehen zu sehen. Sanders gute Nachrichten lauten: Er hat die Vorwahl der Demokraten im 2000 Kilometer entfernten Bundesstaat Nevada gewonnen.

Und was für einen Sieg er da hingelegt hat. Nach Auszählung von 43 Prozent der Stimmbezirke kommt Sanders auf fast 47 Prozent. Damit hat er seine Konkurrenten deklassiert. Erst gut 25 Prozentpunkte dahinter kommt Ex-Vizepräsident Joe Biden auf Platz zwei. Weitere fünf Prozentpunkte danach dann Pete Buttigieg, der frühere Bürgermeister der 100'000-Einwohner-Stadt South Bend in Indiana.

Aus Sicht der Sanders-Kampagne ist das der dritte Sieg in Folge. In Iowa hat Sanders 6000 Stimmen mehr bekommen als Buttigieg. Aber wegen des komplizierten Wahlsystems eine Delegiertenstimme weniger. In New Hampshire dann gewann Sanders sicher aber knapp mit 25,6 Prozent vor Buttigieg, der 24,3 Prozent holte. Ein wichtiges Signal.

Nevada ist nun ein Erdrutschsieg für Sanders, der vor einem halbem Jahr noch nicht absehbar war. Da lag er hier im Schnitt bei knapp 15 Prozent in den Umfragen. Spitzenreiter war da noch Joe Biden mit über 30 Prozent. Nach Auszählung von etwa 50 Prozent der Stimmen erzielte Sanders 46,6 Prozent, berichteten US-Medien am Sonntagmittag.

Ein Erfolg ist dringend nötig für Biden

Sanders' Sieg ist so deutlich, dass sich viele moderate Demokraten besorgt fragen, wie er noch zu stoppen sein kann. Zumal die beiden progressivsten Kandidaten im Rennen, Sanders und Elizabeth Warren, in Nevada auf über 55 Prozent kommen. Die moderaten Kräfte fürchten, dass ein Kandidat Sanders mit seinen aus US-Sicht revolutionär-linken Ideen wie einer Krankenversicherung für alle letztlich nur Trump die zweite Amtszeit beschert.

Aus Sicht des Parteiestablishments sollte es Joe Biden sein, der Trump aus dem Weissen Haus jagt. Der wollte in Nevada mindestens den zweiten Platz holen. Das hat er zwar erreicht. Aber nicht gerade auf eine Weise, die ihm hilft.

Ein Erfolg ist dringend nötig für Biden. In Iowa und New Hampshire hat er gepatzt. Einmal vierter, einmal fünfter Platz. Nevada sollte das Sprungbrett sein, das ihn am kommenden Samstag zu einem grossen Sieg in South Carolina katapultieren sollte. Um dann drei Tage später den Super Tuesday zu seinem Tag zu machen. Er wäre dann gewissermassen auferstanden aus Ruinen.

South Carolina ist jetzt Bidens Brandmauer

Biden hatte guten Grund anzunehmen, dass der Plan aufgeht. Nevada und South Carolina haben hohe Anteile schwarzer Wähler. Bidens wichtigstes Argument: als ehemaliger Vize-Präsident des ersten schwarzen Präsidenten der USA geniesst er unter dieser Wählerschicht eigentlich grosses Vertrauen.

Daran gemessen aber ist der zweite Platz in Nevada eine weitere Niederlage. Zu gross ist der Abstand auf Sanders, als dass sich daraus eine Comeback-Momentum für den Mann erzeugen liesse, der bis New Hampshire über ein Jahr lang die nationalen Umfragen souverän angeführt hatte.

Die überraschend klaren Niederlagen in Iowa und New Hampshire, sie haben das Vertrauen der schwarzen Wähler in Biden offenbar so stark erschüttert, dass viele zu Sanders übergelaufen sind. South Carolina ist jetzt Bidens Brandmauer. Wenn die einstürzt, wenn er dort nicht klar und überzeugend gewinnt, dann dürften die Tage seiner Präsidentschaftskampagne gezählt sein.

In Nevada hat Sanders unter Beweis gestellt, dass er Minderheiten ansprechen kann.

Nach einem Sieg Bidens sieht es aber nicht aus. Umfragen sehen ihn und Sanders dort mit 23,4 Prozent zu 21 Prozent fast gleichauf. Noch Ende Januar hatte Biden hier mit 20 Prozentpunkten vor Sanders geführt.

Noch ist es früh in diesem Präsidentschaftswahljahr. Nevada ist erst der dritte Bundesstaat, in dem Vorwahlen abgehalten werden. Aber nach dem Super Tuesday am 3. März werden bereits über 40 Prozent der Delegiertenstimmen für den Parteitag der Demokraten im Juli vergeben sein. Ende März dann bereits über 60 Prozent. Es geht in den kommenden fünf Wochen also Schlag auf Schlag. Und Sanders hat dafür jetzt die mit Abstand beste Ausgangsposition.

In Nevada hat Sanders unter Beweis gestellt, dass er Minderheiten ansprechen kann. Vor allem unter Latinos erhält er grosse Unterstützung. Aber auch unter schwarzen Wählern. Sanders sagt, er sei dabei, eine neue Koalition über alle gesellschaftliche Gruppen hinweg zu bilden. Er hat damit in Nevada geschafft, was Biden bisher nur versprochen hat. Schwarze Wähler in South Carolina werden das sicher zur Kenntnis nehmen. Am Ende haben nämlich auch sie nur ein Ziel: Einen Kandidaten ins Rennen zu schicken, der Donald Trump schlagen kann. Und wenn das Sanders ist, dann ist es eben Sanders.

Für Pete Buttigieg, den Überraschungskandidaten von Iowa und New Hampshire, war in Nevada nicht viel zu holen. Ein anständiger dritter Platz mit 14,5 Prozent. Ob er damit überhaupt eine Delegiertenstimme mit nach Hause nehmen kann, ist bis zur Stunde unklar.

Erstaunlich schlecht schnitt erneut Elizabeth Warren ab

Wichtiger als sein eigenes Abschneiden war für Buttigieg die gefühlte Niederlage von Biden. Sollte der das Rennen verlassen müssen, werden sich moderate Demokraten nach einer Alternative umsehen müssen. Das könnte dann Buttigieg oder die Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota sein, die nach einem achtbaren dritten Platz in New Hampshire in Nevada allerdings keinen Fuss auf den Boden bekam. Sie lag im unteren einstelligen Bereich.

Buttigieg nutzte die Stunde, um sich als erste Wahl der Moderaten zu präsentieren. Sanders' «unflexible, ideologische Revolution» lasse die meisten Demokraten aussen vor und am Ende auch die meisten Amerikaner, sagte er. Was Buttigieg damit meint: Jeder andere Kandidat ist besser als Sanders. Buttigieg, die letzte Hoffnung vor der Revolution.

Erstaunlich schlecht schnitt erneut Elizabeth Warren ab. In der TV-Debatte der demokratischen Bewerber am vergangenen Mittwoch hatte sie die wohl beste Vorstellung ihrer Kandidatur abgelegt, als sie den Multimilliardär Michael Bloomberg regelrecht zu Kleinholz verarbeitete.

Warren kann sich nicht abgrenzen

Bloomberg, der erst mit dem Super Tuesday in die Vorwahlen einsteigen wird, hat bereits fast 500 Millionen Dollar in seinen Wahlkampf investiert – und erzielt in den Umfragen zweistellige Werte. Das ist jetzt schon mehr Geld, als Barack Obama für seine Wiederwahlkampagne 2012 ausgegeben hat. Bloomberg wäre gerne, was Buttigieg fast ist: die Alternative der Moderaten zu Biden. Nach dem Debatten-Debakel von Mittwoch aber wird er wohl noch ein paar Millionen extra investieren müssen, um das vergessen zu machen.

Aber zurück zu Warren. Sie kann sich bisher einfach nicht ausreichend von Bernie Sanders abgrenzen. Beide treten mit einer fast identischen Programmatik auf. Sanders ist da immer das Original. Warrens einziges Argument, das sie bisher gegen Sanders vorgebracht hat: Nur sie sei in der Lage, die richtigen Ziele von Sanders effektiv umzusetzen. Das hat nicht gereicht. Warren muss Sanders zu fassen bekommen, um sich noch eine echte Chance auf die Nominierung eröffnen zu können. Es ist nicht zu erkennen, wie sie das schaffen will.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch