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Volles Risiko

Hillary Clinton ist für die Demokraten das Mass aller Dinge ohne Alternative. Eine gute Chance, aber auch ein gefährliches Spiel.

In der Vergangenheit hat sie sich das Leben immer wieder selber unnötig schwer gemacht.
In der Vergangenheit hat sie sich das Leben immer wieder selber unnötig schwer gemacht.
Nicholas Kamm, AFP

Die Demokraten in Amerika geben sich gerade einem abenteuerlichen Glücksspiel hin: Um die Präsidentschaftswahl 2016 zu gewinnen, setzen sie schon anderthalb Jahre vorher alles auf eine einzige Karte, auf Hillary Rodham Clinton. Niemand in der Partei kann sie ernsthaft herausfordern, niemand ausser ihr kann und will den Wettbewerb gewinnen. Während die Republikaner gerade den Eindruck erwecken, es wolle sich jedes zweite Parteimitglied für das Weisse Haus bewerben, während ihr Blatt also gespickt ist mit diversen Buben (und etlichen Luschen), begnügt sich die Demokratische Partei mit nur einem einzigen Trumpf.

Clinton, die ihre Kandidatur erklärt hat, ist freilich eine formidable Wettbewerberin, finanziell bestens ausgestattet, mit mehr diplomatischer Erfahrung als alle republikanischen Rivalen zusammen. Offensichtlich standen die Chancen nie so gut für ein historisches Ereignis – dass endlich eine Frau das höchste Amt in den USA erobert. Im nun beginnenden Wahlkampf also ist Hillary Clinton das Mass aller Dinge, und vielleicht kann sie sich sogar nur selbst schlagen.

Genau darin aber liegt ein echtes Risiko: Clinton macht sich das Leben oft unnötig selbst schwer, mit ungeschickten Auftritten und auch kleineren Regelverstössen, wie zuletzt in der Affäre um ihre E-Mails, die sie als Ministerin von einem Privatserver verschickte. Zwar soll sie aus ihren Fehlern im Vorwahlkampf 2007 und 2008 gelernt haben, aber es lässt sich nicht ausschliessen, dass sie auch diesmal wieder abgehoben wirkt und dünnhäutig und damit etliche Wähler (und sogar Wählerinnen) abschreckt. Auch ihr Verhältnis zu den amerikanischen Medien bleibt im besten Fall gespannt, im schlimmsten Fall geprägt von Verfolgungswahn. Schliesslich könnten die Amerikaner der ewigen Clinton- und Bush-Clans allmählich müde sein: Dies ist eine sehr reelle Gefahr in einer Zeit, da die Hauptstadt und deren politisches Personal so unbeliebt sind wie noch nie. Niemand aber verkörpert die Hauptstadt und die Macht der Arrivierten so sehr wie die Clintons und die Bushs.

Sollte Hillary Clinton, immerhin 67 Jahre alt, am Ende über einen Fehler stürzen oder es schlicht versäumen, zu begeistern, dann bliebe ihre Partei ohne Alternative. Die Demokraten könnten den Spieltisch mit seinem dichten republikanischen Gedränge dann gleich ganz verlassen.

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