Trumps Probleme haben eine neue Dimension bekommen

USA-Korrespondent Thomas Spang zur Russland-Affäre rund um Donald Trump.

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Eine E-Mail an Donald Trump Junior lässt den grossmäuligen Sohn des Präsidenten kleinlaut werden. Nun spricht für ihn ein Anwalt, der sich als Vertreter von Gangstern einen Namen machte. Er dürfte seine liebe Not haben, den Erstgeborenen vom Verdacht des Verrats reinzuwaschen. Die der «New York Times» vorliegende E-Mail ist vor dem Treffen mit der russischen Anwältin datiert, die ihm schmutzige Informationen über Hillary Clinton in Aussicht stellte – sie enthält eindeutig einen Hinweis auf die russische Regierung als Quelle. Ist es keine Fälschung, wäre dies der erste «rauchende Colt» in der Russland-Affäre.

Trump Junior kann sich nun nicht mehr herausreden, nicht gewusst zu haben, mit wem er es zu tun hatte. Er brachte sich schon davor in schwieriges rechtliches Fahrwasser. Nachdem drei Mitarbeiter des Weissen Hauses das Geheimtreffen mit einer Kremlanwältin im Juni 2016 an die Presse durchgestochen hatten, versuchte Donald Junior erst weiszumachen, es sei um den Adoptionsstopp für russische Kinder gegangen.

Eine lächerliche Erklärung, die er tags darauf mit dem Eingeständnis korrigierte, die russische Emissärin habe schmutzige Informationen über Clinton in Aussicht gestellt. Juristen erkannten schon darin eine verschwörerische Intention, die mit der inkriminierenden E-Mail nun ganz ausser Frage steht. Trump Junior traf die Anwältin eindeutig mit der Absicht, Hilfe von den Russen anzunehmen. Das wäre Verrat.

Dass Trump Senior vom Treffen von Sohn, Schwiegersohn und Wahlkampfmanager in seinem Wolkenkratzer nichts gewusst haben will, ist so glaubwürdig wie sein Zeugnis vom Privatissimum mit Wladimir Putin und Sergei Lawrow in Hamburg. Ein Narr, wer bei der Vielzahl der Kon­takte des inneren Trump-Zirkels im Sommer 2016 mit den Emissären Putins, Wikileaks und bei den Besuchen in Moskau nicht misstrauisch wird.

Wahrscheinlich ist ein direkter Zusammenhang mit dem Beginn der Veröffentlichung der von Russland gehackten Clinton-E-Mails Ende Juli 2016. Der Präsident möchte die Affäre nur allzu gern hinter sich lassen. Doch seine Probleme haben mit der E-Mail und dem Eingeständnis seines Sohnes eine neue Dimension bekommen. Mehr denn je muss Sonderermittler Mueller der Sache nun auf den Grund gehen.

Mail: ausland@bernerzeitung.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.07.2017, 07:57 Uhr

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