Trump suggeriert «Vergeltung» gegen Baldwins Notstand-Satire

Nach einer doppeldeutigen Twittertirade des US-Präsidenten fragt sich der Schauspieler, ob das als Bedrohung zu verstehen sei.

Der Sketch, der Trump in Rage versetzte: Alec Baldwin ruft als Donald Trump den «sehr dringenden und wichtigen nationalen Notstand» aus. (16. Februar 2019) Video: Youtube/SNL

Er hat es wieder getan: Der US-Schauspieler Alec Baldwin trat am Samstagabend erneut als Donald Trump in der Satire-Show «Saturday Night Live» auf und versetzte damit den echten US-Präsidenten in Rage. «Nichts» sei lustig an der Sendung, tobte Trump auf Twitter. «Die Frage ist, wie kommen diese Sender mit diesen Angriffen auf Republikaner durch – ohne Vergeltung?» Das sei «sehr ungerecht» und sollte untersucht werden, schrieb der US-Präsident, nur um einige Minuten später in Grossbuchstaben nachzuschreien: «DIE MANIPULIERTEN UND KORRUPTEN MEDIEN SIND DER FEIND DES VOLKES!»

Im Sketch äffte Baldwin Trumps Pressekonferenz vom Freitag nach, bei der der US-Präsident angekündigt hatte, einen nationalen Notstand auszurufen. Er müsse einen «sehr dringenden und wichtigen» Notstand ausrufen, begann auch Baldwin die Satire-Show. «Das ist eine grosse Sache, ich will also keine Zeit verschwenden – darum stosse ich zunächst einmal in mein eigenes Horn.» Und wie schon der echte Trump vor ihm, sprach auch Baldwin zuerst über China, Nordkorea, Gott und die Welt, bevor er zur Sache kam.

Nach der Ankündigung des Notstands fragt Baldwin in die Runde: «Ihr versteht alle, warum ich diesen Notfall vortäuschen muss, oder? Ich muss es tun, weil ich es will. Es ist wirklich einfach. Wir haben ein Problem.»

«Wegen Satire ‹Vergeltung› angedroht»

Am Montag antwortete Baldwin, ebenfalls auf Twitter. Der Schauspieler fragte sich, «ob ein amtierender Präsident, der seine Anhänger ermahnt, dass meine Rolle in einer Fernsehkomödie mich als Feind des Volkes qualifiziert, eine Bedrohung für meine Sicherheit und die meiner Familie darstellt?» Ähnlich wie das Wort «Vergeltung» im Deutschen meint Trumps englisches Original «retribution» eine Strafe oder ein Racheakt, der auch Gewalt einschliessen könnte.

Am Wochenende hatte bereits Peter Baker von der «New York Times» Alec Baldwin auf Twitter verteidigt. Es sei ja in den letzten zwei Jahren so alltäglich geworden, dass es nicht mehr viel Beachtung finde, «aber es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass seit Jahrzehnten kein anderer Präsident öffentlich einem Fernsehsender wegen Satire ‹Vergeltung› angedroht hat.»

Der ganze Sketch auf Youtube. (16. Februar 2019) Video: Youtube/SNL

mac

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