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Trump hält Hof

Zwei der wichtigsten Verbündeten kommen ins Weisse Haus: Frankreichs Präsident und die deutsche Kanzlerin. Doch die Empfänge könnten unterschiedlicher nicht sein.

Kalkulierender Schmeichler: Im Juli 2017 lud Emmanuel Macron Donald Trump (r.) nach Paris ein. Foto: Ian Langsdon (Reuters)
Kalkulierender Schmeichler: Im Juli 2017 lud Emmanuel Macron Donald Trump (r.) nach Paris ein. Foto: Ian Langsdon (Reuters)

Es ist die Woche der Europäer in Washington. Binnen fünf Tagen empfängt der amerikanische Präsident gleich zwei seiner Kollegen von der anderen Seite des Atlantiks – und dazu noch die beiden wichtigsten: Emmanuel Macron und Angela Merkel. Der französische Präsident ist bereits am Montag in Washington eingetroffen und bleibt bis am Mittwochabend in den USA. Kaum ist er abgeflogen, landet die deutsche Kanzlerin in Washington. Sie hat am Freitag einen Termin bei Donald Trump.

Schon die unterschiedliche Länge der beiden Besuche zeigt, welcher Gast Trump angenehmer ist. Ein Blick auf die Programmpunkte, die Macron und Merkel absolvieren, erzählt den Rest: Der Franzose bekommt einen Staatsbesuch mit allem Pomp. Los ging es bereits am Montagabend mit einem Abendessen mit Trump und dessen Frau Melania in Mount Vernon, dem Landgut von Amerikas erstem Präsidenten George Washington. An diesem Dienstag veranstaltet Trump für Macron ein Staatsbankett im Weissen Haus – das erste seiner Amtszeit. Und am Mittwoch darf Macron eine Rede vor den beiden Kammern des Kongresses halten. Mehr Ehre geht kaum. Merkel trifft Trump am Freitag zu einem Gespräch im Weissen Haus. Danach findet eine Pressekonferenz statt.

Es gibt in Washington zwei Erklärungen für diese Ungleichbehandlung zweier wichtiger Verbündeter. Die eine hat mit Persönlichem zu tun. Für Donald Trump, so sagen Leute, die ihn kennen und ihn im Umgang mit ausländischen Kollegen beobachtet haben, sei Aussenpolitik eine Frage der persönlichen Chemie. Er sei davon überzeugt, dass zwei Länder gedeihliche Beziehungen miteinander haben können, wenn die politischen Anführer dieser beiden Länder gut miteinander auskommen.

Schizophren gegenüber Moskau

Das ist auch ein Grund für die fast schizophrene US-Politik gegenüber Moskau: Obwohl zwischen den USA und Russland wegen diverser Streitthemen grosse Spannungen herrschen und Washington Wirtschaftssanktionen gegen Moskau verhängt hat, versucht Trump ständig, eine gute Beziehung zum russischen Kollegen Wladimir Putin aufrechtzuerhalten. Das, so denkt er, sei jenseits allen Streits der Weg für eine erfolgreiche Zusammenarbeit – unter Männern und damit unter Ländern.

Diese Art der persönlichen Aussenpolitik, die eher auf einer gefühlten Zu- oder Abneigung fusst als auf einer strategischen Analyse von Interessen, birgt Chancen und Risiken für andere Regierungen. Wenn er, wie im Falle Macrons, Sympathie empfindet, so profitieren davon die amerikanisch-französischen Beziehungen. Wenn er dagegen, wie im Falle Merkels, eher ein Unbehagen verspürt, hat das Folgen für das amerikanisch-deutsche Verhältnis.

Macron hat früh erkannt, dass Trump so funktioniert. Und ihm ist eine zweite prägende Charaktereigenschaft des US-Präsidenten aufgefallen: dessen grenzenlose Eitelkeit. Als Anfang 2017 noch alle europäischen Regierungen erschrocken überlegten, wie sie mit dem Neuen in Washington umgehen sollten, tätigte der einstige Banker Macron eine clevere Investition. Er lud Trump nach Paris ein, um sich die traditionelle Militärparade am 14. Juli anzusehen – eine wohlkalkulierte Schmeichelei. Trump war so beeindruckt, dass er nun im November eine ähnliche Parade in Washington veranstalten will.

Seither hat Macron immer wieder lobende Worte über Trump und dessen erfolgreiche Aussenseiterkarriere in der Politik fallen lassen, selbst wenn er Entscheidungen des Präsidenten kritisierte. Diese Beziehungspflege trug Früchte. Trump fühlt sich von Macron angemessen ernst genommen und umworben.

Mit Merkel ist die Beziehung hingegen weniger locker. Das mag am eher nüchternen Wesen der Kanzlerin liegen oder daran, dass sie mit Trumps Vorgänger Barack Obama gut befreundet war. Es sei nicht so, dass Trump Merkel nicht möge, heisst es in Washington. Aber er habe einfach keinen guten Draht zu ihr. Da sei immer eine Distanz zu spüren.

Schlechte Bilanz für Berlin

Jenseits des Persönlichen gibt es sachliche Gründe, warum Deutschland und Frankreich aus Trumps Sicht unterschiedliches Wohlwollen verdienen. Trump frage vor Treffen mit auslän­dischen Kollegen sein Team immer nach zwei Dingen, sagen Mitarbeiter des Weissen Hauses: Wie ist die Handelsbilanz mit dem Land, aus dem der Gast stammt? Und welchen Beitrag leisten die USA zur Verteidigung dieses Landes? Im Kern will Trump also wissen, was sein Gegenüber Amerika schuldet.

Und da fällt die Bilanz für Berlin schlechter aus als für Paris. Deutschlands Handelsüberschuss mit den USA ärgert Trump sehr, vor allem der Absatz deutscher Autos in Amerika. Dass die zum Teil in den USA gebaut werden, ändert nichts daran, dass Trump findet, Deutschland ziehe die Vereinigten Staaten über den Tisch. Zudem nervt ihn der relativ niedrige deutsche Verteidigungshaushalt, der weit von dem in der Nato vereinbarten Ziel von 2 Prozent des Bruttoinlandprodukts entfernt ist. So wie Trump die Sache sieht, lässt sich Deutschland seine militärische Sicherheit von Amerika bezahlen und macht dann auch noch den US-Autokonzernen im eigenen Land Konkurrenz.

Kein Wunder also, dass die Kanzlerin weniger warm empfangen wird als Frankreichs Präsident. Der liess nicht nur vor einigen Tagen an der Seite der USA Syrien bombardieren, sondern ist auch so nett, keine Peugeots in den USA zu verkaufen.

Aber vielleicht lohnt sich aus europäischer Sicht ein Wettstreit zwischen Macron und Merkel um Trumps Gunst auch gar nicht. Deutschlands und Frankreichs Interessen im Umgang mit den USA sind ohnehin fast deckungsgleich. Derzeit geht es beiden Länder vorrangig darum, Trump davon abzuhalten, das Atomabkommen mit dem Iran zu kündigen. Ob dabei nun Macron mehr Einfluss auf Trump hat als Merkel, ist egal.

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