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Tony Hayward auf Betteltour

Der BP-Chef sucht verzweifelt nach Hilfe für sein Unternehmen, das unter den Folgen der Ölpest zusammenzubrechen droht. Dafür geht er bis nach Angola.

Die Zeit drängt: Tony Hayward an einer Anhörung in Washington.
Die Zeit drängt: Tony Hayward an einer Anhörung in Washington.
Keystone

Die Bilder erinnern an einen Überfall von Paparazzi auf einen Hollywood-Star: Ein gut gekleideter Herr Mitte fünfzig verlässt ein Hotel in Abu Dhabi, ein Kameramann folgt ihm schnellen Schrittes, die Bilder vollkommen verwackelt.

Kurz vor einem guten Schuss schiebt sich die Hand eines Leibwächters vor die Linse. Es ist BP-Chef Tony Hayward, der da flüchtet. Er ist auf Betteltour und versucht alles, um Geld für seinen in Not geratenen Konzern aufzutreiben.

Er spricht mit strategischen Investoren wie mit möglichen Käufern für Teile des Unternehmens. Denn die Kosten der Ölpest im Golf von Mexiko drohen BP in den Abgrund zu reissen. Von einer feindlichen Übernahme bis zur Pleite scheint alles möglich.

Angst vor Konkurrenten

In Abu Dhabi traf sich Hayward Mitte der Woche mit dem Kronprinzen des Emirats. Er wollte den Scheich davon überzeugen, dass sein Reichtum bei BP gut angelegt wäre. Der Aktienkurs hat sich wegen der Ölpest halbiert.

Ein starker Aktionär wäre ein Segen, denn er würde BP vor dem Ausverkauf an die Konkurrenz schützen. In der Konzernzentrale geht die Furcht vor ExxonMobil und Shell um. Geschätzte 25 Milliarden Dollar wollte Hayward bei den Vertretern von Abu Dhabi, Katar, Kuwait oder Saudi Arabien auftreiben. Der BP-Chef sprach vor Reportern von einem «sehr guten» Treffen.

Jet in Angola gesichtet

Nach 24 Stunden flog Hayward auch schon weiter mit unbekanntem Ziel. Mittlerweile ist sein Jet in Angola gesichtet worden. Und wieder war rasch eine Kamera vor Ort, liefen die Bilder direkt in die Wohnzimmer der aufgebrachten amerikanischen Bevölkerung.

US-Medien haben auf diesen Besuch das Preisschild von einer Milliarde Dollar geklebt. Soviel könnten Beteiligungen in dem afrikanischen Land abwerfen, wenn sie BP verkauft bekommt. Der Wirtschaftssender Bloomberg TV spekulierte, nächste Ziele könnten Argentinien und Kolumbien sein, wo BP an Öl- und Gasfeldern beteiligt ist. Die Besitztümer dort sollen insgesamt zehn Milliarden Dollar wert sein.

Hoffen auf Wall Street

Zum Abschluss der Tour rechnen Beobachter dann mit einem Besuch in New York. Hayward erhofft sich von den Wall-Street-Bankern angeblich Kredite über neun Milliarden Dollar.

BP ist auf frisches Geld angewiesen. Der Konzern hatte auf Druck der US-Regierung schon 20 Milliarden Dollar in einen Fonds stecken müssen, mit dessen Mitteln das schmierige Wasser und die ölverdreckten Strände gereinigt und die Verlierer der Ölpest - die Fischer und das Gastgewerbe - entschädigt werden sollen. Denn mit den Fischen und den Touristen fehlen ganzen Regionen wichtige Einnahmequellen. Die schwarz-braune Masse zieht sich mittlerweile von Florida bis Texas.

Obama stets informiert

Aus eigener Kraft kann BP die Lasten kaum tragen, ein Bankrott wäre aber trotz der Unbeliebtheit des Unternehmens keine Alternative. Denn wer soll dann die Rechnungen zahlen?

Und so will US-Präsident Barack Obama immer genau über die Schritte von Hayward informiert werden, denn der BP-Chef muss die Schecks ausstellen. Im Weissen Haus dürften die Fernseher mit den neuesten Paparazzi-Bildern die ganze Zeit laufen.

Daniel Schnettler/ sda/jak

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