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Tausende liefen bis auf die Zähne bewaffnet durch US-Stadt

20'000 Amerikaner nahmen am bisher grössten Protestmarsch gegen schärfere Waffengesetze teil – der Höhepunkt einer neuen Protestwelle.

Viele Pro-Gun-Demonstranten kamen in Armee-Vollmontur oder Miliz-Uniform nach Richmond, Virginia. Fotos: Reuters
Viele Pro-Gun-Demonstranten kamen in Armee-Vollmontur oder Miliz-Uniform nach Richmond, Virginia. Fotos: Reuters

Es ist eisig, zwischen den Hochhäusern hindurch zischt ein scharfer Wind, aber Bob und Mark sehen nicht so aus, als würden sie frieren. Vielleicht hält sie ja die Schlepperei warm. Bob und Mark tragen dicke Panzerwesten, aus ihren Taschen ragen schweren Magazine voller Patronen, und vor die Brust haben sich die beiden kompakte Sturmgewehre geschnallt. Das von Bob ist schwarz, das von Mark hat ein hellbraunes Tarnmuster.

«Wir sind hier, um sicherzustellen, dass wir unser Recht, Waffen zu besitzen, nicht verlieren», sagt Mark, der ebenso wie Bob seinen Nachnamen nicht verraten will. «Ich glaube, es sind heute genug Leute hierhergekommen, um diese Botschaft ziemlich deutlich zu verkünden.»

Martialischer Auftritt für das Recht auf Waffenbesitz

So kann man es wohl sagen. Richmond, die Hauptstadt des US-Bundesstaats Virginia, ist normalerweise eine recht gemächliche Südstaatenstadt. Am Montag aber sah es dort für einige Stunden so aus, als habe eine wüste Soldateska den Ort besetzt. Mehr als 20'000 Menschen drängten sich in der Innenstadt, um gegen schärfere Waffengesetze zu demonstrieren, die das Parlament von Virginia in den kommenden Wochen verabschieden will.

20'000 Pro-Gun-Anhänger marschierten in Richmond, Virginia.
20'000 Pro-Gun-Anhänger marschierten in Richmond, Virginia.

Um ihrem Protest Nachdruck zu verleihen, waren gut die Hälfte dieser Menschen bewaffnet angereist – vermutlich die grösste, bestimmt aber die martialischste Demonstration, die Amerikas Waffenlobby jemals auf die Beine gestellt hat.

In Virginia ist es legal, sichtbar Schusswaffen zu tragen. Und die Demonstranten taten sich keinen Zwang an. Manche zeigten ihre Waffen dezent: ein Revolvergriff, der aus dem Hosenbund ragte. Manche hatten Schrotflinten und Jagdgewehre umgehängt oder trugen grosse Pistolen am Bein. Und manche, so wie Bob und Mark, marschierten in voller Militärmontur auf: Tarnanzug, schusssichere Weste, Kevlarhelm, Sturmgewehr mit extragrossem Magazin.

Wer in Richmond wo aufmarschieren durfte – am Montag war das vor allem eine Frage der Feuerkraft.

Auch etliche Milizen hatten Abordnungen nach Richmond geschickt – bärtige, schwer bewaffnete Männer, die in Funkgeräte sprachen und nicht auf die Frage antworteten, woher sie kommen oder wem sie unterstehen.

Die Demonstration, an der auch Waffenbesitzer aus anderen Bundesstaaten teilnahmen, war der vorläufige Höhepunkt einer Protestwelle, die Virginia überrollt, seit die Demokraten dort im vergangenen November die Regionalwahl gewonnen und die Mehrheit im Parlament erobert haben.

Zur Erleichterung aller blieb es in Richmond friedlich. Die Sicherheitsbehörden hatten befürchtet, dass es zu blutigen Krawallen kommen könnte wie bei dem Neonazi-Aufmarsch im August 2017 in Charlottesville. Damals wurde eine Frau getötet, eine junge linke Gegendemonstrantin. In Richmond hielt die Polizei demonstrativ Abstand, um keine Zusammenstösse zu riskieren. Eine Demonstration für schärfere Waffengesetze wurde vorsichtshalber abgesagt.

Wer in Richmond wo aufmarschieren durfte – am Montag war das vor allem eine Frage der Feuerkraft.

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