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Ruth Dreifuss erklärt den Amerikanern das Gesundheitssystem

Nach der Annahme der Obamacare diskutieren die USA über Sinn und Unsinn der Reform. Rat holt sich das Land aus der Schweiz – bei Ruth Dreifuss. Auf CNN hatte die Ex-Bundesrätin ihren grossen Auftritt.

Auf Sendung: Ruth Dreifuss bei ihrem vielbeachteten Auftritt in den USA. (Screenshot: CNN)
Auf Sendung: Ruth Dreifuss bei ihrem vielbeachteten Auftritt in den USA. (Screenshot: CNN)

CNN nahm den Gerichtsentscheid zu Obamacare mit Wohlwollen auf. Dies freilich erst, als der US-Sender die Gesundheitsreform zunächst als gescheitert erklärt hatte, um sich wenige Minuten danach zu erklären. «Korrektur: Das Oberste Gericht erklärt das Gesetz von Barack Obama als verfassungskonform», lautete der Tweet am späten Donnerstagnachmittag. Nach dieser Falschmeldung wurde das Nachrichtenportal im Internet mit viel Häme und Spott eingedeckt.

Am Abend nahm Christiane Amanpour, die internationale Chefkorrespondentin des Senders, das Thema abermals in ihrer Sendung auf: «Wir können viel von anderen Ländern lernen, die bereits eine obligatorische Krankenversicherung haben», sagte die Moderatorin. Als Studiogast schaltete der Sender deshalb eine Person zu, die ein ähnliches Gesundheitssystem einst selbst mitgeprägt hatte: Ruth Dreifuss, ehemalige Bundespräsidentin der Schweiz, die seit 2002 im Ruhestand weilt.

Der Staat als Kontrollorgan

Im Gespräch erklärt Dreifuss, wie das System in den USA funktionieren könnte: In der Schweiz sei es so, dass die Verantwortung nicht primär beim Staat liege – die Privatversicherungen würden «den Ton angeben». Es sei eine klassische Partnerschaft zwischen dem privaten und dem staatlichen Sektor: «Der Staat stellt lediglich sicher, dass die nötige Hilfe gewährleistet ist», so Dreifuss.

Barack Obama möchte mit seiner Gesundheitsreform alle Bürger mit einbinden, auch diejenigen, die bisher freiwillig auf eine Krankenversicherung verzichtet haben. Diese Bedingung sorgt in den USA für die grösste Kritik. Dreifuss erklärt gegenüber CNN, dass genau dies der Sinn des Systems sei, welches auch die Schweiz kenne: «Für uns war klar, dass wir alle mit einbinden müssen. Auch diejenigen, die gesund sind.» Auf der anderen Seite müssten auch die Versicherungen damit einverstanden sein, kranke Leute zu versichern, so Dreifuss.

«Eine moralische Verpflichtung»

Auf die Frage der Moderatorin, weshalb die Schweiz insgesamt gesünder scheine als die USA und wie es dem Land gelinge, die Gesundheitskosten in den Griff zu bekommen, hält die Ex-Bundesrätin eine einfache Antwort bereit: «Die Kosten kontrolliert der, der auch das System kontrolliert.» Und letztlich sei es eine moralische Verpflichtung für alle, daran teilzunehmen, so Dreifuss.

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte gestern die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama bestätigt. Das im März 2010 verabschiedete Gesetz sei inklusive der umstrittenen Versicherungspflicht verfassungskonform, entschied der Oberste Gerichtshof am Donnerstag in Washington.

32 Millionen Amerikaner sollen eine Versicherung erhalten

Die Reform soll 32 Millionen unversicherten US-Bürgern Zugang zu einer Krankenversicherung verschaffen und gilt als das grösste innenpolitische Projekt Obamas. Im Kern der Auseinandersetzung stand die Verpflichtung jedes Bürgers, gegen Androhung einer Strafzahlung ab 2014 eine Krankenversicherung abzuschliessen.

Nach Ansicht der Kläger, darunter 26 republikanisch geführte Bundesstaaten, hat der Gesetzgeber damit seine Befugnisse überschritten und Freiheitsrechte der Bürger beschnitten. Das Urteil ist ein politischer Sieg für Obama gut vier Monate vor der Präsidentschaftswahl.

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