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Personal-Experten: «Trump würde für seine Tweets gefeuert werden»

«Psycho Joe» oder blutiges Gesichtslifting – normale Bürger können sich Tweets à la Donald Trump nicht erlauben. Firmen prüfen vermehrt die Social-Media-Accounts ihrer Mitarbeiter.

Der Twitter-Account des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika auf einem Smartphone. (22. Februar 2017)
Der Twitter-Account des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika auf einem Smartphone. (22. Februar 2017)
Patrick Pleul, Keystone

Was der Präsident im Internet tut, kann sich normalerweise kein US-Bürger herausnehmen. Unternehmen achten sehr genau darauf, wie sich ihre Mitarbeiter im Internet benehmen. Zunehmend werden auch Bewerber auf ihre Aussagen in den Sozialen Medien überprüft.

Wenn US-Präsident Donald Trump jemand anderes wäre, wäre er für seine jüngsten Äusserungen über den Kurznachrichtendienst Twitter zumindest getadelt, wahrscheinlich sogar gefeuert worden – da sind sich Social-Media- und Personalexperten einig. Und wenn er einen neuen Job suchen würde, hätte er bei vielen Firmen keine Chance, weil diese die Aktivitäten ihrer potenziellen Mitarbeiter vorab im Internet checken. Aber Donald Trump ist eben kein einfacher Arbeitnehmer, sondern der Präsident der Vereinigten Staaten.

Als Präsident kommt Trump damit durch, einen Mann als «Psycho Joe» zu bezeichnen, über eine Frau zu sagen, sie habe «schwer bluten müssen für ihr Gesichtslifting» und ihr einen niedrigen IQ zu unterstellen. Doch die Experten warnen eindringlich davor zu glauben, dass es für solche Äusserungen bei Normalbürgern eine gestiegene Toleranz gebe.

Firmen sollen Werte aufrechterhalten

«Herr Trump würde für seine Tweets von heute gefeuert werden – und beinahe jeden anderen Tag auch», sagt Mike Driehorst, Social-Media-Experte bei der Marketingfirma Weaving Influence. «Die meisten Unternehmen sind sehr dünnhäutig, wenn es öffentliche Kritik und Medienberichte gibt.»

Nannina Angioni, Arbeitsrechtlerin aus Los Angeles, verweist darauf, dass zwar bestimmte Äusserungen von der Meinungsfreiheit geschützt sind. «Aber wenn man seinen Boss auf Twitter als ‹Psycho› bezeichnet oder behauptet, dass der Vorstandschef einen niedrigen IQ hat, kann man dafür selbstverständlich gefeuert werden», stellt sie klar.

Das gilt bei solchen Ausfällen auch für die Chefetage. «Jeder gute Berater würde dem Aufsichtsrat sagen, dass er keine andere Wahl hat, als den Vorstandschef zu entlassen», sagt Kara Alaimo, Professorin an der Hofstra University in Hempstead, New York. «Heutzutage erwarten die Bürger mehr als je zuvor, dass Firmen Werte verfechten und aufrechterhalten.»

Firmen haben verfasste Richtlinien

Im Jahr 2013 sorgte etwa der Fall von Justine Sacco für Aufsehen. Die 30 Jahre alte PR-Führungskraft beim Internetunternehmen IAC hatte über Twitter erklärt: «Fliege nach Afrika. Hoffe, ich kriege kein Aids. Nur ein Spass. Ich bin weiss.» Obwohl sie das nur auf ihrem persönlichen Account mit 170 Followern gepostet hatte, schlug der Tweet schnell hohe Wellen, während sie elf Stunden im Flugzeug nach Südafrika sass und ihr Handy abgeschaltet war. Sie wurde entlassen.

Was passiert, wenn Angestellte krude, hasserfüllte oder beleidigende Äusserungen twittern, hängt auch von ihrem Unternehmen ab. Oft haben die Firmen dabei Richtlinien, was toleriert wird und was nicht. Bei General Motors zum Beispiel heisst es: «Kunden, Kollegen, Vorgesetzte, Lieferanten, Wettbewerber und andere können Zugang zu Ihren Posts haben. Beleidigende oder unangemessene Bemerkungen sind nicht angebracht – online wie offline. Verwenden Sie dieselben Standards, wie Sie auch an ihrem Arbeitsplatz verwenden.»

GSA: Keine vulgäre Sprache

Regierungseinrichtungen wie die GSA verbieten «vulgäre oder beleidigende Sprache, persönliche Angriffe jeder Art oder verletzende Ausdrücke gegen Individuen oder Gruppen». Coca Cola macht keine direkten Vorgaben, appelliert an die Eigenverantwortung seiner Mitarbeiter: «Ihr seid verantwortlich für das, was Ihr tut. Wir ermutigen Euch, online zu gehen und Spass zu haben. Aber verwendet vernünftiges Urteilsvermögen und Euren gesunden Menschenverstand.» Das Weisse Haus antwortete nicht auf eine Anfrage zu seinen Richtlinien.

Auch bei der Bewerbung um einen neuen Job ist es zunehmend von Bedeutung, welche Spuren man im Netz hinterlassen hat. Das Unternehmen Social Intelligence überprüft die Social-Media-Accounts von Jobkandidaten, ähnlich wie eine mögliche kriminelle Vergangenheit oder die Kreditwürdigkeit.

Firmenchefin Bianca Calhoun Lager sagt, die Nachfrage wachse seit 2016 «wirklich stark». Dazu könnte auch die Aufmerksamkeit für Tweets und andere Social-Media-Kanäle während des US-Wahlkampfs 2016 beigetragen haben.

10 bis 15 Prozent der Bewerber auffällig

Das Unternehmen screent die öffentlich zugänglichen Äusserungen der Menschen nach bestimmten Kriterien – angefangen von möglicherweise illegalen oder gewalttätigen Aktivitäten über pornografische, rassistische oder andere intolerante Inhalte.

Etwa 10 bis 15 Prozent der Bewerber werden dabei auffällig, oft gleich mehrfach, was nahe legt, dass fragwürdige Aussagen meist keine Ausrutscher sind. Die Unternehmen schützen sich mit der Überprüfung laut Lager zunehmend davor, jemanden anzustellen, der dann möglicherweise Probleme an seinem Arbeitsplatz schafft.

(dapd)

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