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Obama schickt Marines nach Libyen

Als Reaktion auf die Botschafts-Angriffe in Libyen und Ägypten entsendet der US-Präsident Soldaten nach Libyen. Derweil gibt es erste Spekulationen, wonach al-Qaida hinter dem Angriff stecken könnte.

Vor Gericht: In Ägypten beginnt die Verhandlung gegen den ägyptischen Kopten Albert Saber wegen Gotteslästerung. Er veröffentlichte Ausschnitte des Islam-Videos im Internet. (26. September 2012)
Vor Gericht: In Ägypten beginnt die Verhandlung gegen den ägyptischen Kopten Albert Saber wegen Gotteslästerung. Er veröffentlichte Ausschnitte des Islam-Videos im Internet. (26. September 2012)
AFP
Handgemenge: Vor dem US-Botschaftsgebäude in Bangkok kommt es zu Übergriffen zwischen rund 200 protestierenden Muslimen und Polizeibeamten. (27. September 2012)
Handgemenge: Vor dem US-Botschaftsgebäude in Bangkok kommt es zu Übergriffen zwischen rund 200 protestierenden Muslimen und Polizeibeamten. (27. September 2012)
AFP
Grenzenlose Wut: In Benghazi wird während einer Demonstration gegen den Kurzfilm das US-Konsulat angegriffen. (11. September 2012)
Grenzenlose Wut: In Benghazi wird während einer Demonstration gegen den Kurzfilm das US-Konsulat angegriffen. (11. September 2012)
Reuters
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Barack Obama reagiert auf den Angriff auf das US-Konsulat in Benghazi, bei dem der US-Botschafter in Libyen und drei seiner Mitarbeiter getötet worden: Der US-Präsident schickt eine Anti-Terror-Einheit der Marineinfanteristen in das nordafrikanische Land. Dies berichtet der US-Sender «CNN». «Ich habe meine Leute angewiesen, alles Notwendige zu veranlassen, um den Schutz des US-Personals in Libyen und die Sicherheit von US-Botschaften in aller Welt zu gewährleisten«, sagte Obama gegenüber der US-Presse. Bei der Einheit soll es sich um das sogenannte Fleet Antiterrorism Security Team handeln. Die rund 50 Soldaten sollen in Libyen Niederlassungen der Vereinigten Staaten bewachen.

Des Weiteren verurteilte der US-Präsident den Angriff auf das US-Konsulat in Benghazi auf das Schärfste. Die Nation betrauere den Verlust von Amerikanern, doch «ihre Arbeit wird fortleben», sagte Obama. Die USA würden mit der libyschen Regierung zusammenarbeiten, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Spekulationen über al-Qaida-Angriff

Laut dem US-Sender «CNN» spekuliert der in London ansässige Think Tank Quilliam derweil, dass Christ Stevens Opfer eines al-Qaida-Rachefeldzuges geworden ist. Der Diplomat sei aus Vergeltung für den Tod von al-Qaida-Vize Abu Yaya al-Libi umgebracht worden. Eine Gruppe von rund 20 Kämpfern habe den Angriff geplant und ausgeführt, will der Think Tank von Quellen in Benghazi erfahren haben.

Der US-Diplomat und drei seiner Mitarbeiter waren während gewaltsamer Proteste gegen einen als islamfeindlich angesehenen Film umgekommen. Bei dem Angriff sind mehrere libysche Sicherheitsbeamte getötet worden. Dies erklärte der stellvertretende libysche Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York. Angreifer hatten das Konsulat nach Angaben von Augenzeugen mit automatischen Waffen und Granaten beschossen. Die libyschen Wachleute zogen sich angesichts der zahlreichen Demonstranten zurück. Ein Grossteil des US-Konsulats brannte nieder.

Zweifel an Identität des Regisseurs von anti-islamischem Video

Der mutmassliche Regisseur des anti-islamischen Films ist unterdessen nach eigenen Angaben untergetaucht. In einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AP stellte sich der Mann als ein 56-jähriger in Israel geborener jüdischer Projektentwickler aus Kalifornien und Autor, Produzent und Regisseur des Films «Innocence of Muslims» vor. Doch am Mittwoch kamen erhebliche Zweifel an der Identität des Mannes auf.

Alles, was von dem Film derzeit bekannt ist, sind Ausschnitte auf Youtube in englischer und arabischer Fassung. Während die Ausschnitte in den USA am Mittwoch noch online angeschaut werden konnten, wurden sie in Ägypten aus dem Netz entfernt. Wer in Kairo das Video auf Youtube anschauen wollte, bekam stattdessen zu lesen: «Dieser Inhalt ist nicht abrufbar in ihrem Land wegen einer Rechtsbeschwerde.»

Romneys scharfe Kritik

Nach den Angriffen auf amerikanische Vertretungen in Libyen und Ägypten hat die Aussenpolitik derweil den US-Präsidentschaftswahlkampf eingeholt. Der Republikaner Mitt Romney kritisierte die Regierung von Amtsinhaber Barack Obama scharf für deren erste Reaktion. Darin habe das Weisse Haus nicht etwa die Angriffe verurteilt, sondern Verständnis für die Täter gezeigt, sagte Romney. Demonstranten hatten in Benghazi den US-Botschafter und drei weitere Amerikaner getötet, auch in Kairo wurde die Botschaft gestürmt.

Bevor das gesamte Ausmass des Zwischenfalls bekannt wurde, hatte das US-Aussenministerium eine Stellungnahme veröffentlicht, in der in Libyen und Ägypten zur Ruhe aufgerufen wurde.

Den Muslimen versicherte das Ministerium, dass die US-Regierung den islamkritischen Film im Internet, der den Unruhen zugrunde lag, sowie Beleidigungen des Islams verurteile. Zu diesem Zeitpunkt war die US-Regierung vom gewaltsamen Tod eines einzigen Konsularbeamten ausgegangen. Romney erklärte, er sei empört über die Angriffe und den Tod des Mitarbeiters: «Diese Reaktion der US-Regierung ist eine Schande».

Aussenpolitik bislang kaum Thema

Romney hat Obama bereits in der Vergangenheit vorgeworfen, zu nachsichtig mit Gegnern Amerikas umzugehen. Obamas Wahlkampfsprecher Ben LaBolt erklärte daraufhin am frühen Morgen, er sei entsetzt, dass Romney den tragischen Tod eines Diplomaten nutze, um einen politischen Angriff zu starten.

Etwa zeitgleich mit Romney verurteilte US-Aussenministerin Hillary Clinton die Angriffe. Einige hätten offenbar versucht, die Gewalt als Reaktion auf aufrührerisches Material im Internet zu rechtfertigen, erklärte sie. Für Gewalt dieser Art gebe es jedoch keine Rechtfertigung.

Nachdem bekannt geworden war, dass dabei vier US-Bürger ums Leben kamen, verurteilte Obama die Angriffe auf das Schärfste. Zugleich ordnete er an , weltweit die Sicherheitsvorkehrungen zum Schutze diplomatischer US-Einrichtungen zu erhöhen. Bislang hatten aussenpolitische Themen im Wahlkampf kaum eine Rolle gespielt. Stattdessen wurde er von der lahmenden Wirtschaft und der hohen Arbeitslosigkeit beherrscht.

SDA/ses

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