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Justizfall weitet sich zur diplomatischen Krise aus

Zwischen Frankreich und Mexiko ists zu einer diplomatischen Krise gekommen. Grund ist die Inhaftierung einer Französin.

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Ein Bild aus glücklichen Zeiten: Archivbild von Florence Cassez und ihren Eltern.
Ein Bild aus glücklichen Zeiten: Archivbild von Florence Cassez und ihren Eltern.
Keystone

Der Fall einer inhaftierten Französin hat eine diplomatische Krise zwischen Frankreich und Mexiko ausgelöst. Die französische Aussenministerin Michèle Alliot-Marie kündigte am Freitag im Fernsehen an, das in Frankreich laufende Mexiko-Jahr wegen der jüngsten Entscheidung der mexikanischen Justiz im Fall der inhaftierten Florence Cassez zu boykottieren. Sie sei «schockiert», dass Florence Cassez nicht vor die höhere Berufungsinstanz ziehen dürfe.

Dass Mexiko es tags zuvor abgelehnt habe, den Fall vor dem Berufungsgericht neu zu verhandeln, sei «ungerecht» und werde Folgen haben, sagte die Aussenministerin. Dies werde sie auch dem mexikanischen Botschafter in Paris sagen, den sie noch für Freitag einbestellt habe. Die Eltern der 36-jährigen Cassez forderten Staatschef Nicolas Sarkozy auf, das Mexiko-Jahr ganz zu streichen. Der Präsident wollte am Montag im Elyséepalast die Eltern von Cassez empfangen, die in Mexiko seit fünf Jahren wegen Entführung im Gefängnis sitzt.

Vorwurf von Alliot-Marie

Aussenministerin Alliot-Marie hatte der mexikanischen Justiz bereits am Donnerstagabend vorgeworfen, im Fall Cassez gegen die Unschuldsvermutung verstossen, nicht ernsthaft ermittelt, Zeugen der Verteidigung nicht zugelassen und stattdessen Zeugenaussagen berücksichtigt zu haben, die «nicht schlüssig» gewesen seien. Ausserdem habe es «Einschüchterungen» gegeben, sagte Alliot-Marie.

Das mexikanische Aussenamt erklärte dagegen über seine Botschaft in Paris, Cassez habe alle Rechtsmittel ausgeschöpft, die einem Angeklagten in Mexiko zur Verfügung stünden. Das Aussenministerium verbitte sich daher die Behauptung, der vor fünf Jahren verhafteten Französin sei die Gerechtigkeit verweigert worden.

Cassez war im Dezember 2005 wegen Entführung festgenommen und zu 96 Jahren Gefängnis verurteilt worden; in einem Berufungsurteil wurde die Strafe später auf 60 Jahre gesenkt. Die Französin war im Frühjahr 2003 nach Mexiko ausgewandert, wo bereits ihr Bruder lebte. Über ihren Bruder lernte sie ihren Freund kennen, Israel Vallarta, der als Chef einer kriminellen Bande gilt.

Nach Angaben der mexikanischen Behörden wurde Cassez in Vallartas Haus festgenommen, aus dem die Polizei mehrere Entführungsopfer befreite; sie selbst sagt, sie sei im Auto festgenommen worden, als ihr Ex-Freund ihr beim Umzug half. Sie beteuert bis heute, bis zu ihrer Festnahme nichts von den Machenschaften des Mexikaners gewusst zu haben, mit dem sie seinerzeit gar nicht mehr zusammen war.

(AFP)

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