Juan Guaidó tut das einzig Richtige

Venezuelas Oppositionsführer bleibt nicht viel anderes übrig, als es weiter zu versuchen. Denn die Alternativen sind schlimmer.

Sandro Benini@BeniniSandro

Wenn nicht alles täuscht, ist es ­Venezuelas legitimem Präsidenten Juan Guiadó erneut misslungen, die Herrschaft des sozialistischen Diktators Nicolás Maduro zu beenden. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass die Armeeführung offensichtlich nicht bereit ist, sich auf die Seite von ­Demokratie und Verfassung zu stellen – sei es aus ideologischer Verblendung, aus ­Opportunismus oder schierer Angst vor den Repressalien des Regimes. Die Reaktion der Militärs falsch eingeschätzt zu haben, hat sich als strategischer Kardinalfehler Guaidós und seiner ausländischen Verbündeten erwiesen. Kommentatoren internationaler Medien verfallen deshalb zunehmend der Mode, Guaidó der Konzeptlosigkeit zu bezichtigen und über ­einen fehlenden «Plan B» zu klagen.

Guaidó ist trotz allem Venezuelas beste Hoffnung, Maduros Folterdiktatur endlich auf den Misthaufen der Geschichte zu spedieren.

Bloss ist es einfach, aus fernen Redaktionssesseln mit «hätte», «wenn» und «sollte» zu argumentieren. Guaidós Tragik besteht darin, dass die beiden ihm offenstehenden Alternativen die Lage wahrscheinlich verschlimmern würden. Bittet er die US-Regierung um eine militärische Intervention, wozu ihn die Verfassung ermächtigt, riskiert er ein Blutbad, die Spaltung der Opposition und die Ablehnung eines grossen Teils der internationalen Gemeinschaft. Vor allem aber müsste er mit der Absage Trumps rechnen, der sich kaum auf ein derartiges Abenteuer einlassen wird. Willigt er hingegen ein, mit Maduro zu verhandeln, würde er die eigene An­hängerschaft spalten. Ausserdem hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die Regierung Verhandlungen nur zustimmt, um Zeit zu gewinnen.

Guaidó tut das derzeit einzig Richtige: Er erhält den Druck der Strasse auf Maduro aufrecht und appelliert weiter an die Militärs. Die mithilfe von Geheimdienstlern erfolgte Befreiung des Oppositionellen Leopoldo López ist zumindest ein Teilerfolg. Obwohl Guaidó schon mehrmals zu viel versprochen hat, bleibt er Venezuelas beste Hoffnung, Maduros Folter- und Hungerdiktatur dorthin zu spedieren, wo sie schon lange hingehört: auf den Misthaufen der Geschichte. Leider ist diese Hoffnung seit Guaidós Amts­antritt am 23. Januar 2019 nicht grösser, sondern kleiner geworden.

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