Jetzt droht Trump ein ganzes Buch voller Enthüllungen

Ein offenbar hochrangiger Mitarbeiter will Interna preisgeben. Der Präsident wittert Verrat und verlangt die Identität des anonymen Autors.

«Verrat?», twitterte Donald Trump als Reaktion auf die Verlagsankündigung eines Enthüllungsbuches. Foto: Keystone

«Verrat?», twitterte Donald Trump als Reaktion auf die Verlagsankündigung eines Enthüllungsbuches. Foto: Keystone

Martin Kilian@tagesanzeiger

Seit Wochen versuchen sich Donald Trump und seine republikanischen Verbündeten an der Enttarnung des Whistleblowers, der die Ukraineaffäre ins Rollen brachte. Am Montag ermunterte Senator Rand Paul auf einer Kundgebung des Präsidenten in Kentucky sogar die Medien, den Unbekannten ausfindig zu machen und zu verraten – was ein Verstoss gegen geltendes Recht wäre. Trotzdem hat nun Donald Trump junior die Identität des mutmasslichen Informanten bekannt gemacht, indem er einen entsprechenden Artikel der rechten Newsplattform «Breitbart» auf Twitter verbreitete.

Nun droht Präsident Trump neues Ungemach von anonymer Seite: Am 19. November will die Verlagsgruppe Hachette unter dem Titel «A Warning» den Insiderbericht eines «hochrangigen Mitarbeiters» über Trump und seine Administration veröffentlichen. Darin werde man «nicht nur von mir, sondern direkt von Donald Trump hören», schreibt der anonyme Autor auf dem Umschlag des Buchs. Denn es gebe «keine besseren Zeugen für seinen Charakter als Trumps eigene Worte und keine besseren Beweise für die Gefahr, die er darstellt», so der Unbekannte weiter.

Staatssekretär Hunt setzt den Verlag unter Druck

Zu Wort hatte er sich bereits im September 2018 gemeldet, als die «New York Times» ein Meinungsstück von ihm abdruckte (wir berichteten), auch dies ohne Namensangabe des Verfassers. Er sei «Teil des Widerstands innerhalb der Regierung», hatte der anonyme Trump-Feind damals erklärt und die «Amoralität» des Präsidenten als «Wurzel des Problems» definiert. Trump war umgehend ausgerastet: «Wenn diese feige Person wirklich existiert, dann muss sie die ‹New York Times› sofort an die Regierung ausliefern», forderte er in einem Tweet.

Jetzt kommt es offenbar noch schlimmer, will «Anonymous» doch in Buchlänge Interna und sogar Konversationen des Präsidenten preisgeben. Am Montag schaltete sich vorsorglich Trumps Justizministerium ein: In einem Brief an Hachette verlangte Staatssekretär Joseph Hunt Aufklärung über einen möglichen Geheimhaltungsvertrag des Unbekannten, der diesen zu Stillschweigen verpflichte. Die Veröffentlichung des Buchs verletze eine solche Vereinbarung, «falls der Verfasser tatsächlich ein gegenwärtiger oder früherer ‹hoher Mitarbeiter› in der Regierung Trump ist».

Der Literaturagent schiesst zurück

Ausserdem wollte Hunt wissen, «wo der Autor beschäftigt war, damit wir feststellen können, ob er die Bedingungen seines Geheimhaltungsvertrags erfüllt». In anderen Worten: Hachette solle die Identität des Unbekannten lüften. Dem Verfasser sei Anonymität zugesagt worden, «und wir werden dieses Versprechen erfüllen», lautete die Antwort des Verlags. Auch die Literaturagentur des Unbekannten meldete sich zu Wort und beschuldigte die Regierung Trump, sie wolle den Autor «einschüchtern und seine Identität enthüllen».

Donald Trump reagierte wie schon vor einem Jahr: «Verrat?», twitterte er am Montag in Grossbuchstaben.


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