Italien brüskiert: Brasilien lässt Links-Terroristen frei

Vier Jahre lang sass Cesare Battisti in Brasilien in Haft. In Italien wurde der Linksextremist wegen vierfachen Mordes gesucht. Brasiliens Oberster Gerichtshof hat Italiens Klage auf Auslieferung nun abgewiesen.

Ex-Terrorist Cesare Battisti beim Verlassen des Gefängnisses in Brasilia: Seit 2007 wartete der ehemalige Linksaktivist und Krimiautor auf diesen Moment.

Ex-Terrorist Cesare Battisti beim Verlassen des Gefängnisses in Brasilia: Seit 2007 wartete der ehemalige Linksaktivist und Krimiautor auf diesen Moment.

(Bild: Keystone)

Nina Merli@nmerli

Über dreissig Jahre lang flüchtete Cesare Battisti, ehemaliger Linksextremist, vor der italienischen Justiz, die ihn – in Abwesenheit – zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt hatte.

Vor vier Jahren wurde er in Brasilien verhaftet. Italien verlangte seine Ausschaffung, doch der damalige brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva lehnte eine Überstellung nach Italien ab und löste damit eine diplomatische Krise zwischen den beiden Ländern aus.

Nun hat das brasilianische Obergericht Lulas Entscheid bestätigt und die Klage Italiens abgewiesen. Der ehemalige Aktivist der linksradikalen Gruppierung Proletari armati per il comunismo (Bewaffnete Proletarier für den Kommunismus, kurz PAC) ist – zumindest in Brasilien – ein freier Mann.

Ex-Terrorist und berühmter Krimiautor

Battisti lebte nach seinem Ausbruch aus einem italienischen Gefängnis fast zwanzig Jahre in Frankreich, wo er dank der «Mitterand-Doktrin» politisches Asyl fand. 1985 hatte der damalige französische Ministerpräsident rund 150 italienischen Linksaktivisten die Möglichkeit gegeben, in Frankreich unterzutauchen. Darunter auch Battisti, der in Frankreich eine Karriere als Krimiautor anstrebte. Mit Erfolg: Der Italiener machte sich innert Kürze einen Namen in der französischen Kulturszene. Doch mit dem Politwechsel setzte die italienische Regierung erneut und verstärkt Druck auf – Battisti floh 2004 nach Brasilien, wo er drei Jahre später verhaftet wurde.

Die italienische Regierung spricht von einer «Ohrfeige» gegen die italienische Justiz. «Die Entscheidung des brasilianisches Obergerichts ist die x-te Demütigung gegenüber den Familienangehörigen der Opfer», sagte die Ministerin Giorgia Meloni gegenüber der italienischen Tageszeitung «La Repubblica». Der von Italien im Fall Battisti beauftragte brasilianische Rechtsanwalt Nabor Bulhoes meinte nach der Verhandlung, dass sich Italien «an eine internationale Instanz wenden könnte», denn mit dieser Entscheidung habe Brasilien gegen das Wiener Abkommen verstossen.

Battisti interessiert das im Augenblick wenig. Er ist seit gestern ein freier Mann und liess sich nach Verlassen des Gefängnisses von Freunden und Sympathisanten feiern.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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